Cannabissucht: Jugendliche anfälliger als Erwachsene

Suchtrisiko, verbales episodisches Gedächtnis, räumliches Arbeitsgedächtnis, Impulsivität und psychische Gesundheit bei jugendlichen und erwachsenen Cannabiskonsumenten

Cannabissucht: Jugendliche anfälliger als Erwachsene

01.07.2022 Jugendliche sind mehr als dreimal so anfällig für die Entwicklung einer Cannabissucht wie Erwachsene, haben aber möglicherweise kein erhöhtes Risiko für andere psychische Probleme im Zusammenhang mit der Droge laut einer neuen Studie unter Leitung von Forschern des University College London und des King’s College London.

Die im Journal of Psychopharmacology veröffentlichte Studie ergab, dass jugendliche Cannabiskonsumenten weder ein höheres Risiko für subklinische Depressionen oder Angstzustände aufwiesen als erwachsene Cannabiskonsumenten, noch waren sie anfälliger für psychoseähnliche Symptome als erwachsene Konsumenten.

Diese Ergebnisse bauen auf einer separaten Studie desselben Teams auf, die kürzlich in der Zeitschrift Psychopharmacology veröffentlicht wurde und in der festgestellt wurde, dass Jugendliche nicht anfälliger als Erwachsene für Verbindungen zwischen chronischem Cannabiskonsum und kognitiven Beeinträchtigungen waren.

Risiko für Cannabissucht um 350% höher

An der Studie nahmen 274 Personen teil, darunter 76 Jugendliche (im Alter von 16 und 17 Jahren), die an einem bis sieben Tagen pro Woche Cannabis konsumierten, sowie eine ähnliche Anzahl erwachsener Konsumenten (im Alter von 26 bis 29 Jahren) und jugendliche und erwachsene Vergleichsteilnehmer, die alle Fragen zu ihrem Cannabiskonsum in den letzten 12 Wochen beantworteten und auf Fragebogen antworteten, die üblicherweise zur Bewertung der Symptome psychischer Erkrankungen verwendet werden.

Die Cannabiskonsumenten in der Studie konsumierten im Durchschnitt viermal pro Woche. Die jugendlichen und erwachsenen Cannabiskonsumenten wurden auch hinsichtlich des Geschlechts, der ethnischen Zugehörigkeit sowie der Art und Stärke des Cannabis sorgfältig aufeinander abgestimmt.

Die Forscher stellten fest, dass jugendliche Cannabiskonsumenten dreieinhalbmal so häufig eine schwere „Cannabiskonsumstörung“ (Sucht) entwickelten wie erwachsene Konsumenten, ein Ergebnis, das mit früheren Erkenntnissen übereinstimmt, bei denen andere Studiendesigns verwendet wurden.

Definition Cannabissucht

Eine Cannabissucht wird unter anderem durch folgende Symptome definiert:

  • Verlangen nach Cannabis,
  • Cannabiskonsum, der zu schulischen oder beruflichen Misserfolgen führt,
  • erhöhte Toleranz,
  • Entzugserscheinungen,
  • zwischenmenschliche Probleme, die durch den Cannabiskonsum verursacht oder verschlimmert werden, oder
  • die vergebliche Absicht, den Konsum zu reduzieren.

Die Forscher fanden heraus, dass 50 % der untersuchten jugendlichen Cannabiskonsumenten sechs oder mehr Symptome einer Cannabiskonsumstörung aufwiesen, die als schwere Cannabissucht einzustufen sind.

Frühere Studien haben ergeben, dass etwa 9-22 % der Personen, die die Droge ausprobieren, eine Cannabiskonsumstörung entwickeln, und dieses Risiko ist bei Personen höher, die die Droge in jüngeren Jahren ausprobiert haben. Das erhöhte Risiko einer Cannabisabhängigkeit im Jugendalter wurde nun eindeutig bestätigt.

Den Forschern zufolge sind Jugendliche möglicherweise anfälliger für eine Cannabissucht aufgrund von Faktoren wie einer stärkeren Störung der Beziehungen zu Eltern und Lehrern, einem hyperplastischen (formbaren) Gehirn und einem sich entwickelnden Endocannabinoidsystem (der Teil des Nervensystems, auf den das THC in Cannabis einwirkt) sowie einem sich entwickelnden Identitätsgefühl und einem sich verändernden sozialen Leben.

Psychoseähnliche Symptome

Bei jugendlichen Konsumenten war die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung psychoseähnlicher Symptome höher als bei erwachsenen Konsumenten oder jugendlichen Nicht-Konsumenten, aber laut der Analyse ist dies darauf zurückzuführen, dass alle Jugendlichen und alle Cannabiskonsumenten mit größerer Wahrscheinlichkeit psychoseähnliche Symptome entwickeln, und nicht darauf, dass Cannabis auf Jugendliche anders wirkt als auf Erwachsene.

Mit anderen Worten, es gab keine jugendliche Anfälligkeit, da das erhöhte Risiko für psychoseähnliche Symptome ein additiver Effekt (der beiden bereits bekannten Risikofaktoren für psychoseähnliche Symptome, Cannabiskonsum und jugendliches Alter) war, und nicht eine Wechselwirkung zwischen Alter und Cannabiskonsum. Dies passe zu früheren Erkenntnissen, dass Cannabiskonsum die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer psychotischen Störung wie Schizophrenie erhöhen kann, aber die Forscher warnen, dass ihre Studie nicht das Risiko einer klinischen Psychose oder Schizophrenie untersucht hat.

Depressionen und Angst

Die Forscher fanden heraus, dass weder jugendliche noch erwachsene Cannabiskonsumenten eher depressive oder Angstsymptome entwickelten als Nichtkonsumenten. Nur die Jugendlichen, die eine schwere Cannabiskonsumstörung hatten, wiesen schlechtere psychische Symptome auf, aber die Forscher weisen darauf hin, dass die geringe Stichprobengröße für diese Gruppe ihr Vertrauen in dieses Ergebnis einschränkt.

Arbeitsgedächtnis, Impulsivität und verbales Gedächtnis

Die in der Zeitschrift Psychopharmacology veröffentlichte separate Studie ergab, dass Cannabiskonsumenten nicht häufiger an einer Beeinträchtigung des Arbeitsgedächtnisses oder der Impulsivität litten. Cannabiskonsumenten hatten eher ein schlechtes verbales Gedächtnis (sich an Dinge erinnern, die einem gesagt wurden); dieser Effekt war bei Erwachsenen und Jugendlichen derselbe, so dass auch hier keine Anfälligkeit bei Jugendlichen festzustellen war. Die Forscher geben jedoch zu bedenken, dass der Cannabiskonsum die schulischen Leistungen in einer wichtigen Entwicklungsphase des Lebens beeinträchtigen könnte.

Die Forscher weisen darauf hin, dass es sich bei diesen Ergebnissen um eine Querschnittsuntersuchung handelt (nur zu einem bestimmten Zeitpunkt), und dass Längsschnittanalysen darüber, wie sich die Teilnehmer im Laufe der Zeit verändert haben, noch nicht abgeschlossen sind.

© Psylex.de – Quellenangabe: Psychopharmacology (2022). DOI: 10.1007/s00213-022-06169-7

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