Autismus: Diagnose

Psychische Störungen - Entwicklungsstörungen

Neue Autismus-Kriterien - weniger Diagnosen?

Überarbeitete diagnostische Definition

Laut Experten kann die überarbeitete diagnostische Definition für Autismus den Anteil von Personen bedeutend beeinflussen, die für eine Diagnose mit einer Autismus-Spektrum-Störung in Frage kommen.

Die Yale School of Medicine Forscher veröffentlichten ihre Befunde bei einem Meeting der Icelandic Medical Association.

DSM-5

Die vorgeschlagenen Änderungen der diagnostischen Klassifikation würden wohl in der fünften Auflage vom American Psychiatric Association's (APA) herausgegeben "Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5)" im Jahr 2013 erscheinen.

Volkmar und Kollegen zeigen die gesamten Ergebnisse der Studie in der April-Druckausgabe des Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry.

"Wenn man die potenziellen Auswirkungen dieser Befunde auf die Diagnose von Autismus beachtet, bieten unsere Befunde wichtige Informationen für die Arbeitsgruppe, die die diagnostischen Kriterien des DSM-5 abschließt", sagte Yale Child Study Center (CSC) Direktor Fred Volkmar, M.D., der die Studie mit CSC Kollegen ausführte.

Diagnosen ändern sich

In der Studie fanden die Forscher heraus, dass bei einer Personen-Gruppe ohne intellektuelle Beeinträchtigung, die während des DSM-IV Feldversuchs im Jahr 1994 beurteilt wurden, etwa die Hälfte der Untersuchten keine Autismus-Diagnose unter der vorgeschlagenen neuen Definition bekommen würden.

Volkmar betonte, dass diese vorläufigen Befunde sich nur auf die kognitiv Fähigsten beziehen und weniger Wirkung auf die Diagnose von stärker kognitiv eingeschränkten Autisten haben würden.

"Die Verwendung von solchen Labeln / Etiketten / 'Stempeln', besonders in den Vereinigten Staaten und den westlichen Ländern, kann wichtige Auswirkungen auf das Diagnose-System (hier in Bezug auf die Diagnose von Autismus) haben", sagte er.

Wer ein Kind mit einer Autismus-Diagnose vor 2013 hat, sollte ab 2013 noch mal unter der neuen Autismus-Definition testen lassen, denn es könnte sein, dass das Kind gar nicht autistisch ist.
Quelle: Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry, Februar 2012

Weniger Autismus-Diagnosen durch neue DSM-5 Kriterien?

21.02.2014 Durch den Einsatz des neuen DSM-5 (5. Auflage des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) wird wahrscheinlich die Häufigkeit für Autismus-Spektrum-Störungen sinken laut einer in JAMA Psychiatry herausgegebenen Studie.

Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders

Das Diagnostische und Statistische Handbuch Psychischer Störungen (DSM) ist ein Ersatz bzw. eine Ergänzung für den F-Bereich im ICD-10, ein internationales Klassifikationssystem der WHO für psychische Störungen bzw. Erkrankungen. Das DSM beinhaltet speziellere und genauere diagnostische Kriterien, berücksichtigt im Gegensatz zum ICD-10 geschlechtsspezifische Unterschiede und ist das weltweit am meisten verwendete Manual zur Identifizierung psychischer Erkrankungen.

Weniger Autismus-Spektrum-Störung nach neuen Kriterien

Matthew J. Maenner von der Wisconsin-Madison Universität und Kollegen führten eine Studie mit 644.883 Kindern durch, basierend auf den kodierten Verhaltensdaten der Autism and Developmental Disabilities Monitoring - ADDM. Die Kinder kamen aus 14 geographisch unterschiedlichen Bereichen der Vereinigten Staaten, wobei 6.577 von ihnen den Kriterien für eine Autismus-Spektrum-Störung basierend auf dem DSM-IV-TR entsprachen.

Die Forscher stellten fest, dass aber nur 81,2 Prozent derjenigen, die vom ADDM mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) nach DSM-IV klassifiziert wurden, nach den neuen DSM-5 Kriterien mit ASS diagnostiziert würden.

Der Prozentsatz war für Jungen und Mädchen ähnlich und bedeutend höher für diejenigen mit (86,6 Prozent) versus jene ohne intellektuelle Behinderung (72,5 Prozent).

Mit DSM-5 Kriterien läge das Auftreten von Austismus-Spektrum-Störungen bei 10 Kindern pro 1.000 im Jahr 2008, verglichen mit einer Prävalenz von 11,3 nach DSM-IV TR Kriterien.

"Das Auftreten von Autismus bzw. ASS wird unter den neuen DSM-5 Kriterien wahrscheinlich abnehmen, obwohl dieser Effekt durch zukünftige Anpassung der diagnostischen Verfahren und Dokumentation der Verhaltensweisen reduziert werden könnte", schreiben die Autoren.

Quelle: JAMA Psychiatry, University of Wisconsin-Madison, Jan. 2014

Analyse der Mikrobewegungen verbessert Diagnose

09.12.2013 Die Analyse von mikroskopisch kleinen Bewegungen wird von Forschern eingesetzt, um Autismus-Spektrum-Störungen und deren Schweregrad bei Kindern und jungen Erwachsenen zu bestimmen.

Neue Diagnosemethode

Die Ergebnisse der Forschungsstudie von Jorge V. José (Indiana University) und Elizabeth Torres (Rutgers University) wurden auf dem 2013 Meeting der Society for Neuroscience gezeigt und in der Zeitschrift Frontiers of Neuroscience veröffentlicht.

Ihre Arbeit baut auf früheren Befunden auf, die die zufällige Natur der Bewegungen von Menschen mit Autismus untersuchten.

In der neuen Studie sahen sich die Forscher die gesamte Bewegung des Armes an, die ausgeführt wurde, wenn er sich einem Computerbildschirm näherte.

Analyse der Mikrobewegungen verbessert Autismus-Diagnose

Das von ihnen benutzte Gerät kann 240 Bilder pro Sekunde aufzeichnen, wodurch Geschwindigkeitsmessungen im Millisekundenbereich möglich sind.

Zittern erlaubt Aussage über Schweregrad

Beim Ausführen dieser nicht gleichmäßigen Armbewegung kommt es zu mikroskopisch kleinen Unregelmäßigkeiten, 'Jitter' (Zittern) genannt, sagt José. "Wir haben uns diese sehr kleinen Fluktuationen genauer angeschaut und Muster identifiziert."

Diese Muster oder Signaturen bestimmen auch den Schweregrad der Autismus-Spektrum-Störung der betroffenen Person, sagte er.

"Oft werden solche Schwankungen in der Forschung als ein Ärgernis betrachtet", sagte José. "Es ist jedoch ein bemerkenswerter Fund, dass die Schwankungen in diesem Zittern nicht einfach zufällige Schwankungen sind, sondern ein einzigartiges Merkmal für das Ausmaß des Autismus sind."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Indiana University; Frontiers of Neuroscience, Juli 2013

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