Die Gehirnhälften bei Autismus

Psychische Störungen - Entwicklungsstörungen

Verbindungen zwischen Gehirn-Hemisphären unterschiedlich bei männlichen Autisten

Forscher benutzten funktionelle Kernspintomographie (fMRI) und identifizierten Unterschiede der Kommunikation zwischen den beiden Hemisphären des Gehirns bei Männern mit Autismus - verglichen mit normal entwickelten Männern laut einer am 12. Oktober online in Cerebral Cortex herausgegebenen Studie.

Jeffrey S. Anderson, M.D., Ph.D., von der Universität Utah in Salt Lake City und Kollegen beurteilten und verglichen unter Zuhilfenahme von fMRT, den Ruhezustand interhemispherischer Kommunikation bei einer Gruppe mit 92 Teilnehmern (Alter 10 bis 35 Jahre) - 53 Männer mit hoch funktionierendem Autismus und 39 typisch entwickelten Männern.

Durch Vergleichen der Gehirn-Maps beider Gruppen versuchten die Forscher, Bereiche zu identifizieren, wo die linken und rechten Hemisphären der Gehirne der autistischen Männer nicht normal kommunizieren, und so potentiell motorische Fähigkeiten, Aufmerksamkeit, Gesichtserkennung und soziales Funktionieren beeinflussen.

Bereiche des Gehirns, die beeinflusst waren

Die autistischen Personen zeigten bedeutend reduzierte interhemispherische Konnektivität in Regionen, die Funktionen kontrollierten, die von Autismus beeinflusst werden. Laut den Forschern sind dies:

Unser Befund verstärkt die wachsenden Belege, dass Anomalien der Konnektivität zwischen den Gehirnhälften bei Autismus verbreitet, aber regional spezifisch und mit kognitiven und neurologischen Beeinträchtigungen verbunden sind, die bei der Störung normal sind, schreiben die Autoren.
Quelle: Cerebral Cortex, Okt. 2010

Gehirnverbindungen bei Autisten über die Hirnhälften symmetrischer verteilt

12.12.2016 Die Aufteilung von Aufgaben zwischen der linken und rechten Hemisphäre (Hirnhälfte) ist eine der Hauptmerkmale einer typischen Gehirnentwicklung beim Menschen.

Die linke Hemisphäre ist zum Beispiel an der Analyse spezifischer Details einer Situation beteiligt, während die rechte Hirnhälfte an der Integration verschiedener Informationen arbeitet, die vom Gehirn aufgenommen werden.

Geringere Spezialisierung

nervenbahnen
Bild: Gerd Altmann

Eine neue Forschungsarbeit zum Gehirn von Neuropsychologen der San Diego State Universität legt nahe, dass die Hirnhälften bei autistischen Menschen eher weniger spezialisiert sind.

Die Forscher Ralph-Axel Müller, Ruth Carper und Jeffrey Treiber vom Brain Development Imaging Lab untersuchten mit Hilfe von Magnetresonanztomographie, wie unterschiedlich sich Verbindungen innerhalb des Gehirns bei Kindern und Jugendlichen mit und ohne Autismus entwickeln. Sie analysierten bei 41 autistischen und 44 nicht-autistischen Teilnehmern, wie dicht die Verbindungen der weißen Substanz zwischen verschiedenen Regionen im Gehirn ausgebildet wurden.

Rechte Seite: Eher integrative Funktionen

Sie fanden, dass bei nicht-autistischen Heranwachsenden die rechten Hemisphären dicht gepackte Verbindungen hatten.

Das unterstützt die Annahme, dass die rechte Hirnhälfte eine eher integrative Funktion hat: Sie setzt viele verschiedenartige Informationen zusammen, schreiben die Forscher im Fachblatt Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry.

Bei den Teilnehmern mit Autismus waren die Gehirnverbindungen über beide Hemisphären gleichmäßiger verteilt.

Die Idee hinter der Asymmetrie im Gehirn besteht darin, dass es eine Arbeitsteilung zwischen den beiden Hirnhälften gibt, sagte Müller. Diese Arbeitsteilung scheint bei Autisten im geringeren Maße vorhanden zu sein.

Mangel an Spezialisierung, Arbeitsteilung

Dieser Mangel an Spezialisierung könnte sich darin äußern, was Müller eine "schwache Hauptkohärenz" nennt - ein Konzept, dass durch das Idiom "den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen" am besten zusammengefasst wird. Viele Autisten sind sehr gut darin, Details zu sehen, aber haben Probleme, diese Informationen zusammenhängend, -fassend zu sehen, erklärte er.

Weitere Forschungsarbeiten sind erforderlich, um zu bestimmen, ob diese Asymmetrien bei den Gehirnverbindungen die Unfähigkeit verursachen, Informationen zusammenhängend zu sammeln, oder eher die Folge hiervon sind, sagte Müller.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: San Diego State Universität, Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry - DOI: 10.1016/j.jaac.2016.09.491; Dez. 2016

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