Oxytocin bei Autismus

Studien zur Behandlung von Autismus mit Oxytocin.

Oxytocin bei Autismus wirkungslos?

25.07.2013 Oxytocin - das sogenannte "Liebeshormon" - verbessert die Symptome von Kindern mit Autismus nicht, laut einer neuen Studie.

Frühere Befunde haben gezeigt, dass der Neurotransmitter (auch bekannt dafür, Vertrauen und soziale Bindungen zu fördern) Vorteile für Kinder mit der Störung haben könnte, sagte der die Forschung durchführende Professor Mark Dadds, Psychologe an der University of New South Wales.

Neurotransmitter ist Hoffnung bei Autismusbehandlung

In den letzten Jahren wurde "Oxytocin weltweit vermehrt eingesetzt, um Autismussymptome zu behandeln", sagte Professor Dadds.

Einige Eltern, sagte er, kaufen es "halb-illegal" über das Internet in der Hoffnung, dass es bei der Behandlung ihrer Kinder hilft.

Aber die jüngste Studie - die größte ihrer Art weltweit - ruft Zweifel über den Sinn der Verwendung nasalen Oxytocin-Sprays als mögliche Behandlung hervor.

Oxytocin ohne Wirkung bei Autismus
CPK Model - Oxitocin-Molekül

"Unsere Studie ist die erste, die zeigt, dass es keine Wirkung hat", sagte Professor Dadds. "Es ist ein sehr wichtiger Befund, weil mindestens 20 ähnliche Studien gestartet wurden."

Professor Dadds führte die klinische Studie mit 38 Jungen mit Autismus, im Alter zwischen sieben und 16, durch. Der Hälfte wurde an fünf aufeinander folgenden Tagen ein nasales Oxytocin-Spray verabreicht und die andere Hälfte bekam ein Placebo.

Oxytocin zeigte keine Wirkung

"Wir überwachten die Ergebnisse auf soziale Interaktionen, sich wiederholendes Verhalten, ihre Sprache und Fähigkeit, in Gesichtern zu lesen.
Es hatte überhaupt keine Wirkung. Wir waren so schockiert, dass wir unsere Oxytocinbehälter sogar einem unabhängigen Laboratorium zur Begutachtung brachten. Wir dachten, dass etwas schief gegangen wäre."

Er sagte, dass die Ergebnisse sich von vorherigen Studien unterscheiden könnten, weil Kinder mit Autismus "verschiedene genetische Systeme" haben können, so dass das Hormon unwirksam wird.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of New South Wales, Juli 2013

Oxytocin und die soziale Kompetenz

26.08.2014 Eine neue Studie hat herausgefunden, dass ein höheres Niveau des 'Kuschelhormons' Oxytocin mit einer stärkeren sozialen Kompetenz bei Kindern mit und ohne Autismus verbunden ist, laut einer in Proceedings of the National Academy of Sciences herausgegebenen Studie.

Oxytocinmangel: nicht die Ursache für Autismus

Frühere Annahmen behaupteten, dass die Ursache für Autismus bei Oxytocin läge. Die von Forschern der Stanford Universität und der Lucile Packard Kinderklinik Stanford geführte neue Studie, zeigt aber, dass ein Oxytocinmangel die Störung nicht verursacht. Doch sie zeigt auch: die Fähigkeit des Hormons, die soziale Kompetenz zu steigern, kann bei der Behandlung von einigen autistischen Kindern helfen.

Die Forscher stellten fest, dass ein höherer Oxytocinspiegel die sozialen Fähigkeiten in allen drei Studiengruppen verbesserte: Kinder mit Autismus, Geschwister von Kindern mit Autismus, und Kindern ohne autistische Geschwister.

"Oxytocin scheint ein Universalregulator bei den sozialen Fähigkeiten des Menschen zu sein", sagte Autorin Karen Parker. "Das gilt für normal entwickelte Kinder wie auch für diejenigen mit schwerwiegenden sozialen Defiziten, wie wir sie bei Kindern mit Autismus sehen."

In allen Gruppen stand die soziale Kompetenz der Kinder generell im Zusammenhang mit ihren Oxytocinniveaus. Alle Kinder mit Autismus haben soziale Defizite, aber diese Probleme waren am schwerwiegendsten bei denen, die den niedrigsten Blutoxytocinspiegel hatten und waren bei jenen mit den höchsten Oxytocinniveaus am geringsten ausgeprägt.

"Es zeigte sich als nicht bedeutend, ob es ein normal entwickeltes Kind, ein Geschwister oder ein Individuum mit Autismus war: die soziale Fähigkeit war bis zu einem gewissen Grad mit dem Oxytocinspiegel verbunden, was den bisherigen Annahmen überhaupt nicht entspricht", sagte Antonio Hardan, Koautor der Studie.

Vulnerabilitätsfaktor

"Die vorherigen Hypothesen besagten, dass wenig Oxytocin mit Autismus verbunden ist, und dies ist ein wenig vereinfachend dargestellt", sagte er. "Es ist viel komplexer: Oxytocin ist ein Vulnerabilitätsfaktor, der berücksichtigt werden muss, aber es ist nicht der einzige Faktor, der zur Entwicklung von Autismus führt."

Die Forscher schränken jedoch ein, dass das Oxytocinniveau im Blut unterschiedlich zu dem in der Zerebrospinalflüssigkeit sein kann, welches sie nicht maßen.

Die Forscher untersuchten auch die Wichtigkeit kleiner Variationen in der Genkodierung des Oxytocinrezeptors. Bestimmte Rezeptorvarianten waren mit höheren Punktezahlen bei den Standardtests zur sozialen Kompetenz verbunden.

Sie stellten auch fest, dass der Oxytocin-Blutspiegel in hohem Maße vererbt wird. "Was unsere Studie andeutet ist, dass soziale Fähigkeiten in Familien vererbbar sein könnten", sagte Parker.

Behandlung

Die Befunde werden nützlich sein bei der Entscheidung, ob Oxytocin eine nützliche Autismusbehandlung sein könnte. Bestimmte Kinder mit Autismus - wie etwa autistische Kinder mit natürlich niedrigem Oxytocinniveau, oder jene mit Oxytocinrezeptorgenvarianten verbunden mit schlechteren sozialen Fähigkeiten - könnten am meisten von Oxytocin-ähnlichen Medikamenten profitieren.

"Autismus ist so heterogen", sagte Parker. "Wenn wir Biomarker fänden, die anzeigen würden, welche Patienten am wahrscheinlichsten von einer bestimmten Therapie profitieren würden, wäre das sehr hilfreich."

© PSYLEX.de - Quelle:: Stanford University / Proceedings of the National Academy of Sciences, August 2014

Nasal verabreichtes Oxytocin erhöht die Emotionswahrnehmung von Autisten

11.06.2017 Eine aktuelle Studie zeigt, dass intranasales Oxytocin beeinflussen kann, wie Autisten Emotionen von anderen wahrnehmen. Dies ist ein wichtiger erster Schritt für eine potenzielle pharmakologische Behandlung von Autismus, schreiben die Forscher.

Verbesserung der sozialen Informationsverarbeitung

Autismus zeichnet sich durch Probleme in den sozialen Funktionen aus. Autisten sind generell weniger sensitiv für soziale Informationen, was ihre zwischenmenschlichen Interaktionen mit anderen beeinflussen kann, da sie soziale Hinweise eher übersehen. Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass das Neuropeptid Oxytocin das Potenzial hat, die soziale Informationsverarbeitung bei Jugendlichen mit Autismus zu verbessern.

In einer in der Zeitschrift Translational Psychiatry veröffentlichten Studie erhielten 17 erwachsene autistische Männer eine niedrige (8 internationale Einheiten) oder eine höhere Dosis (24IU) intranasalen Oxytocins, oder ein Placebo in drei separaten Sitzungen.

Eine neuartige Nasenspray-Applikationsform, die von OptiNose AS entwickelt wurde und eine verbesserte Übergabe der Moleküle über die Nase an das Gehirn ermöglicht, wurde eingesetzt, um das Hormon zu verabreichen. Nach jeder Verabreichung des Oxytocinsprays wurden die Teilnehmer nach der emotionalen Intensität einer Reihe von Gesichtsbildern befragt.

Niedrigere Dosis wirksam

Im Einklang mit der bisherigen Forschung bei gesunden Erwachsenen fanden die Forscher Belege für soziale Effekte nach der niedrigeren Dosis, jedoch nicht nach der höheren Dosis, die oft in Studien eingesetzt wird.

Insbesondere im Vergleich zum Placebo-Spray bewerteten die Studienteilnehmer Gesichter als fröhlicher nach der niedrigen Oxytocindosis.

Die Effekte nach 8IU-Oxytocin wurden beobachtet, obwohl es zu keiner signifikanten Zunahme der peripheren Blutplasma-Oxytocin-Konzentrationen kam.

Die Wissenschaftler fanden keine signifikanten Effekte beim Empathie-Test reading the mind in the eyes oder sekundären Ergebnissen aus den sozial-kognitiven Aufgaben.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass intranasales Oxytocin beeinflussen kann, wie Menschen mit Autismus Emotionen bei anderen wahrnehmen, sagte Studienautor Professor Ole A. Andreassen vom Norwegischen Zentrum für Psychische Störungen der Universität Oslo.

Aktuelle Verhaltensbehandlungen, die die soziale Dysfunktion von Autisten ansprechen, sind äußerst ressourcenintensiv, so dass diese Forschung ein wichtiger erster Schritt für eine mögliche pharmakologische Behandlung ist, schreibt er.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Oslo, Translational Psychiatry - DOI: 10.1038/tp.2017.103; Mai 2017

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