Schwangerschaft und Autismus

Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen können das Risiko für Autismus, ADHS beim Kind erhöhen

25.06.2018 Die Exposition gegenüber hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen (wie chronisch erhöhter Blutdruck, Gestationshypertonie, Präeklampsie, Eklampsie, Pfropfpräeklampsie) kann mit einer Erhöhung des Risikos für eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) beim Nachwuchs verbunden sein laut einer in JAMA-Psychiatry veröffentlichten Studie.

Gillian M. Maher von der Cork Universität in Irland und Kollegen führten eine systematische Literaturrecherche durch, um den Zusammenhang zwischen hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft und den Auswirkungen auf die neurologische Entwicklung beim Nachwuchs zu untersuchen. Die Autoren haben 61 Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien in ihre Analyse einbezogen.

Verbindung mit Autismus

Die Forscher fanden heraus, dass 11 von 20 Studien (777.518 Teilnehmer) über eine signifikante Verbindung zwischen hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft und Autismus berichteten (adjusted odds ratio [aOR] 1,35).

Verbindung mit ADHS

Für die sechs Studien, die bereinigte Zahlen zu ADHS (1.395.605 Teilnehmer) lieferten, lag das gepoolte bereinigte OR bei 1,29.

Es gab keine statistisch signifikanten Unterschiede für Autismus oder ADHS in Untergruppenanalysen nach Art der Exposition (z.B. Präeklampsie oder andere hypertensive Erkrankungen).

Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer stärkeren pädiatrischen Überwachung von Säuglingen, die hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen ausgesetzt sind, um eine frühzeitige Intervention zu ermöglichen, die das Ergebnis der Neuroentwicklung verbessern könnte, schreiben die Studienautoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: JAMA Psychiatry - doi:10.1001/jamapsychiatry.2018.0854

Häufig während der Schwangerschaft eingenommene Psychopharmaka sind nicht mit erhöhtem Risiko für Autismus verbunden

04.11.2018 Babys, die im Mutterleib häufig verschriebenen Psychopharmaka ausgesetzt wurden, entwickeln nicht wahrscheinlicher Autismus als nicht-exponierte Babys laut einer in JAMA Psychiatry veröffentlichten Studie.

Es wurden insbesondere die auf Neurotransmittersysteme (typische Ziele von Antidepressiva und Antipsychotika) abzielenden Psychopharmaka untersucht.

Die Gesundheit der Mutter spielt eine wichtigere Rolle

Allerdings waren die Autismusraten bei Kindern von Müttern mit schlechterem gesundheitlichen Allgemeinzustand vor der Schwangerschaft höher, was darauf hindeutet, dass die Gesundheit der Mutter eine wichtigere Rolle für die Entwicklung eines Kindes spielt als die Medikamente, die sie einnimmt.

Während frühere Untersuchungen darauf hindeuteten, dass bei Kindern von Frauen, die bestimmte Medikamente während der Schwangerschaft einnehmen, eher Autismus diagnostiziert wird, betrachteten jene Studien nur das Autismusrisiko in Bezug auf eine sehr kleine Anzahl von Medikamenten.

Darüber hinaus waren die Designs früherer Studien mit einem engen Zusammenhang zwischen der Exposition des Nachwuchses und einer Erkrankung der Mutter verbunden und konnten daher nicht vollständig zwischen den Ergebnissen des Medikaments selbst und denen im Zusammenhang mit der Erkrankung der Mutter, für die das Medikament verschrieben wurde, unterscheiden.

Auswirkungen auf den Fötus

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Bild: Ken Hammond

Um diese Einschränkungen zu überwinden, entwickelte ein multidisziplinäres Forscherteam der Icahn School of Medicine am Mount Sinai eine neue Methode, die es ihnen ermöglichte, die Auswirkungen einer Vielzahl von Medikamenten auf den Fötus bei einer Stichprobe von fast 100.000 Kindern, die zwischen 1997 und 2007 geboren und die bis Januar 2016 hinsichtlich Autismus überwacht wurden, systematisch zu untersuchen.

Mit dieser neuen Methode konnte das Forscherteam die Wirkung von mehr als 180 Medikamenten systematisch bewerten und in 55 Gruppen einteilen, in denen die Medikamente in ihrer Funktion ähnlich waren, aber für unterschiedliche Erkrankungen vorgeschrieben waren.

Die Schwangerschaftsperiode (280 Tage vor der Geburt des Kindes) wurde als das Expositionsintervall in dieser Studie definiert, und die Frauen in der Studie wurden - unabhängig von der Anzahl der Verschreibungen oder dem Zeitpunkt des Absetzens - einem bestimmten Medikament exponiert betrachtet.

Nach Anpassung an das Geburtsjahr des Kindes und eine Reihe von mütterlichen Faktoren - darunter das Alter bei der Geburt des Kindes, die Vorgeschichte psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen und die Anzahl der medizinischen Diagnosen während der Schwangerschaft - deuten die Daten darauf hin, dass die Mehrheit der Psychopharmaka, von denen bekannt ist, dass sie Neurotransmitter beeinflussen und die von Frauen während der Schwangerschaft eingenommen werden, das Risiko für Autismus beim Nachwuchs nicht selbst beeinflussen können, sagte Magdalena Janecka vom The Seaver Center.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: JAMA Psychiatry doi:10.1001/jamapsychiatry.2018.2728

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