Antiepileptika, Antikonvulsiva

Psychopharmaka bei Epilepsie

Definition

Definition: Antiepileptika (Singular: Antiepileptikum) ist der Fachausdruck für antiepileptische Medikamente, also Medikamente, die zur Behandlung oder Verhinderung von epileptischen Anfällen bzw. Krämpfen bei der Epilepsie eingesetzt werden. Ein anderer Name ist Antikonvulsiva.

Dazu gehören:

Die Gruppe der Antiepileptika umfassen z.B. Barbiturate, (trizyklische) Antidepressiva und Benzodiazepine. Neuere Antiepileptika sind ähnlich aufgebaut wie GABA, Gamma-Aminobuttersäure (gamma-Aminobutyric acid), welches das biogene Amin der Glutaminsäure, Amin der Buttersäure und ein wichtiger Inhibitor im ZNS (Zentralnervensystem) ist. Weiterhin gibt es noch andere neuartige Antiepileptika wie Topiramat, Lamotrigin und Levetiracetam. Siehe auch unsere Liste.

Antikonvulsiva sind Medikamente, die Epileptiker zur Unterdrückung ihrer Krampfanfälle bekommen. Der Singular der Bezeichnung ist Antikonvulsivum.

Liste

Anwendung

In der Dauerbehandlung von Epilepsie kommen Antikonvulsiva wie Carbamazepin (vorrangig fokal), Valproinsäure (primäre und sekundäre generalisierte Anfälle) zum Einsatz. In der Monotherapie werden z.B. Phenytoin, Phenobarbital und Primidon als ältere Antikonvulsiva, und als neuere A. Gabapentin, Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin und Topiramat eingesetzt. Bei einer Kombinationstherapie können Felbamat, Lacosamid, Tiagabin und Vigabatrin zum Einsatz kommen.

In der Akuttherapie (dem Status epilepticus) kommt es zum Einsatz von Benzodiazepinen oder Phenytoin, Phenobarbital oder Valproinsäure.

Off-Label-Gebrauch

Weitere Einsatzgebiete von Antikonvulsiva, sogenannter Off-Label-Gebrauch, sind z.B.: Migränebehandlung, als Schlafmittel oder Beruhigungsmittel, bei Neuralgie und Bipolare Störung.

Die Zukunft der Epilepsie-Medikamente

09.10.2014 Forscher machen Fortschritte bei einer neuen "on demand" (nach Bedarf) Epilepsietablette, die bei einem nahenden Anfall eingenommen werden kann. Die Tablette wurde von einem Forscherteam des University College London unter Leitung von Professor Dimitri Kullmann entwickelt.

Die Wissenschaftler erklären, dass etwa ein Prozent der Menschen weltweit (oder 65 Millionen Personen) Epilepsie haben. Über ein Viertel sind gegen normale Antiepileptika, die die Erregbarkeit aller Gehirnzellen dämpfen und Ursache vieler Nebenwirkungen sind, resistent.

Erregung lokal dämpfen

Aber die neue Tablette zur Unterdrückung der Anfälle könnte dieser Gruppe helfen, da die Gehirnzellen genetisch modifiziert und empfänglich für einen bestimmten Bestandteil gemacht werden. Kullmann beschreibt den Prozess. "Wir bringen zuerst ein modifiziertes Virus in den Bereich des Gehirns, wo die Anfälle starten", sagte er.

"Dieses Virus weist die Gehirnzellen an, ein Protein herzustellen, welches durch Clozapin-N-Oxid (CNO) aktiviert wird, und als Tablette eingenommen werden kann. Das aktivierte Protein unterdrückt dann die übererregbaren Gehirnzellen (aber nur wenn CNO zugegen ist), die die epileptischen Anfälle auslösen."

Er fügte hinzu: "Zur Zeit werden schwere Anfälle mit Medikamenten behandelt, die die Erregbarkeit aller Gehirnzellen unterdrücken, und die Patienten erfahren deshalb Nebenwirkungen. Manchmal ist die für das Stoppen des Anfalls benötigte Dosis so groß, dass die Patienten sediert und in die Intensivstation gebracht werden müssen.

Epilepsie im Gehirn
Bild: Gerd Altmann

"Wenn wir unsere neue Methode in die Kliniken bringen können - hoffentlich innerhalb des nächsten Jahrzehnts - dann könnten wir Patienten (die anfällig für schwere Anfälle sind) mit einer einmaligen Spritze des modifizierten Virus behandeln und brauchen dann nur noch bei Bedarf Clozapin-N-Oxid benutzen."

"CNO würde als Tablette in dem Fall verabreicht, wenn die Patienten Anfälle nahen fühlen. Zum Beispiel: viele Patienten mit behandlungsresistenter Epilepsie erfahren Cluster-Anfälle, bei denen kleinere Anfälle schwereren vorausgehen. Das Anfallsrisiko ist auch hoch, wenn Epileptiker zu wenig schlafen oder zu bestimmten Zeiten der Menstruation; dies wären also gute Gelegenheiten die Tablette vorbeugend einzunehmen."

"In dringenden Fällen könnte der Bestandteil gespritzt werden. Wir könnten sogar ein vollautomatisches Versorgungssystem einrichten, bei dem Clozapin-N-Oxid durch eine Pumpe abgegeben würde, wie es mit Insulin bei einigen Diabetikern geschieht."

Detaillierter wird das Medikament und die Behandlung in der Zeitschrift Nature Communications umrissen. Das Team hat das Antiepileptikum bei Nagetieren getestet und plant zukünftige Versuche mit menschlichen Freiwilligen.

© PSYLEX.de - Quelle: Nature Communications / University College London, Oktober 2014

Zu wenige mit Antikonvulsiva behandelte Erwachsene erreichen Anfallskontrolle

21.06.2018 Obgleich die meisten Erwachsenen mit Epilepsie berichten, ihre Epilepsiemedikamente einzunehmen, erreichen nicht mal 50 Prozent dieser Menschen eine Kontrolle der Anfälle laut einem im Morbidity and Mortality Weekly Report der U.S. Centers for Disease Control and Prevention veröffentlichten Bericht.

Dr. Niu Tian von der CDC in Atlanta und Kollegen analysierten die gesammelten Daten der National Health Interview Surveys 2013 und 2015, um aktuelle und zuverlässige Aussagen zum Status der aktiven Epilepsie- und Anfallskontrolle in der US-Bevölkerung zu erhalten.

Die Forscher fanden heraus, dass jährlich schätzungsweise 2,6 Millionen Erwachsene in den USA (1,1 Prozent) über eine aktive Epilepsie berichteten; davon hatten 67 bzw. 90 Prozent im vergangenen Jahr einen Neurologen oder Epilepsie-Spezialisten aufgesucht und über die Einnahme von Epilepsie-Medikamente berichtet.

44 % erreichen Anfallskontrolle

Nur 44 Prozent der Antiepileptika einnehmenden Teilnehmer berichteten über die Kontrolle ihrer Krampfanfälle.

Es gab Zusammenhänge für eine höhere Prävalenz von aktiver Epilepsie und schlechterer Anfallskontrolle mit niedrigem Familieneinkommen; Arbeitslosigkeit; sowie mit Trennung, Scheidung oder Verwitwung.

Erwachsene, die im vergangenen Jahr einen Epilepsie-Spezialisten sahen, hatten einen höheren Verbrauch an Epilepsie-Medikamenten als diejenigen, die dies nicht taten.

Gesundheitsfürsorge und öffentliche Gesundheit sollten sicherstellen, dass Menschen mit unkontrollierten Anfällen eine angemessene Pflege und Selbstmanagementunterstützung erhalten, um die Anfallskontrolle zu fördern, die Gesundheits- und sozialen Ergebnisse zu verbessern und die Gesundheitskosten zu senken, schreiben die Autoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Morbidity and Mortality Weekly Report / April 20, 2018 / 67(15);437-442

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