Antiepileptika, Antikonvulsiva
Demenz, Alzheimer

Antiepileptika erhöhen das Alzheimer- und Demenzrisiko

18.06.2018 Der Einsatz von Antiepileptika (auch Antikonvulsiva genannt) ist nach einer neuen Studie der Universität Ostfinnland und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) mit einem erhöhten Risiko für Alzheimer und Demenz verbunden.

Die kontinuierliche Einnahme von Antiepileptika (auch Antikonvulsiva genannt) über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr war im finnischen Datensatz mit einem um 15 Prozent erhöhten Alzheimer-Risiko und im deutschen Datensatz mit einem um 30 Prozent erhöhten Demenzrisiko verbunden.

Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen

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Bild: Gerd Altmann

Einige Antiepileptika beeinträchtigen bekanntlich die kognitiven Funktionen, die sich auf alle Aspekte der Informationsverarbeitung beziehen.

Als die Forscher um Dr. Heidi Taipale verschiedene Antikonvulsiva verglichen, fanden sie heraus, dass das Risiko von Alzheimer und Demenz spezifisch mit Medikamenten verbunden ist, die die kognitive Funktion beeinträchtigen.

Diese Medikamente waren mit einem um 20 Prozent erhöhten Alzheimer-Risiko und einem um 60 Prozent erhöhten Demenzrisiko verbunden.

Dosis-Wirkungs-Beziehung

Die Forscher fanden auch heraus, dass je höher die Dosis eines Medikaments ist, das die kognitive Funktion beeinträchtigt, desto höher ist das Risiko einer Demenz.

Andere Antikonvulsiva, also solche, die die kognitive Verarbeitung nicht beeinträchtigen, waren jedoch nicht mit dem Risiko verbunden.

Der Zusammenhang zwischen Antiepileptika-Einnahme und Alzheimer-Krankheit wurde bei finnischen Personen mit Alzheimer-Krankheit und deren Kontrollen ohne Alzheimer-Krankheit untersucht.

Diese Studie ist Teil der landesweiten, registerbasierten MEDALZ-Studie, die alle 70.718 Personen mit Alzheimer-Krankheit in Finnland im Zeitraum 2005-2011 und deren 282.862 Kontrollen umfasst.

Der Zusammenhang von Antiepileptika-Anwendung und Demenz wurde in einer Stichprobe der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) untersucht. Der Datensatz umfasst 20.325 Personen, bei denen 2004-2011 Demenz diagnostiziert wurde, und deren 81.300 Kontrollen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Journal of the American Geriatrics Society (2018). DOI: 10.1111/jgs.15358

Antikonvulsiva stehen im Zusammenhang mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit

11.10.2018 Der Einsatz von Antiepileptika ist mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit verbunden laut einer im Journal of the American Heart Association veröffentlichten Forschungsarbeit.

Besonders hohes Risiko zu Beginn

Das Risiko unterschied sich nicht zwischen alten und neuen auch Antikonvulsiva genannten Medikamenten. Das Schlaganfallrisiko war in den ersten drei Monaten der Einnahme antiepileptischer Medikamente besonders hoch und blieb auch nach Berücksichtigung mehrerer chronischer Erkrankungen, des sozioökonomischen Status und dem Einsatz von Begleitmedikamenten erhöht.

Laut einer weiteren aktuellen Studie der gleichen Forschergruppe um Tatyana Sarycheva von der Universität Ostfinnland verwenden Menschen mit Alzheimer-Krankheit häufiger Antiepileptika als Menschen ohne diese Demenz-Erkrankung.

Anstieg der Benutzung nach Diagnose

Der Unterschied konnte nicht durch Epilepsie erklärt werden, und es gab einen erheblichen Anstieg des Antikonvulsiva-Verbrauchs nachdem Alzheimer diagnostiziert wurde.

Bis zu 1% der Bevölkerung benötigt eine chronische antiepileptische Behandlung, um Epilepsie zu kontrollieren. Weitere Indikationen für den Einsatz dieser Medikamente sind neuropathische Schmerzen und Demenz-verbundene Verhaltenssymptome bei Menschen mit Alzheimer.

Die vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Verwendung von Antiepileptika für andere Indikationen als Epilepsie oder neuropathische Schmerzen in dieser anfälligen Bevölkerungsgruppe sorgfältig geprüft werden sollte, da Personen mit Alzheimer-Krankheit besonders anfällig für Nebenwirkungen sind.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Journal of the American Heart Association (2018). DOI: 10.1161/JAHA.118.009742; Journal of Alzheimer's Disease (2018). DOI: 10.3233/JAD-180594

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