Antiepileptika, Antikonvulsiva:
Knochenerkrankungen, Knochenbrüche, Frakturen

Psychopharmaka bei Epilepsie

Knochenbrüche / Frakturen

Antiepileptika können Frakturrisiko bei Älteren anheben

Epilepsie-Medikamente erhöhen das Risiko bei älteren Menschen für Knochenbrüche, zeigt eine neue Studie.

Kanadische Forscher analysierten die Krankenblätter von 15.792 Menschen, die 50 Jahre und älter waren, und die nicht-traumatische Knochenbrüche zwischen April 1996 und März 2004 hatten. Jede Person wurde mit bis zu drei Menschen passend ausgewählt, die nie einen Bruch gehabt hatten, so dass eine Gesamtsumme von 47.289 Menschen als Kontrolle dienten.

Die Forscher sahen sich auch die Verwendung der Epilepsiemedikamente (Antiepileptika) der Teilnehmer an, inklusive Carbamazepin (Carbatrol, Epitol, Tegretol), Clonazepam (Klonopin), Ethosuximid (Zarontin), Gabapentin (Gabarone, Neurontin), Phenobarbital (Luminal), Phenytoin (Dilantin, Phenytek) und Valproinsäure (Depakene Depakote).

Alle außer einem Medikament wurden mit einem erhöhten Risiko für Frakturen verbunden, schreiben die Wissenschaftler. Das größte Risiko gab es bei den Personen, die Phenytoin und Carbamazepin nahmen. Valproinsäure war das einzige nicht mit einem erhöhten Risiko von Brüchen verbundene Medikament.

Die Ergebnisse, herausgegeben in der Januarausgabe von Archives of Neurology, waren ähnlich bei Leuten, die nur ein Epilepsiemedikament und jenen, die mehr als eines nahmen.

Im Schluss zeigt unsere Studie, dass die meisten Antiepileptika außer Valproinsäure mit einer gesteigerten Wahrscheinlichkeit für nicht-traumatische Brüche bei Personen verbunden ist, die 50 oder älter sind, schrieb Dr. Nathalie Jette von der Universität von Calgary's Foothill Hospital und Kollegen in einer Zeitschriftenpressemitteilung.

Die Wissenschaftler wünschen sich eine weitere Erforschung der Wirkungen von Epilepsie-Medikamenten auf die Knochengesundheit.
Quelle: Archives of Neurology, Jan. 2011

Knochenerkrankungen

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gibt bekannt, dass es zu einer Neubewertung hinsichtlich der Nebenwirkungen von Antiepileptika kommt (aufgrund der Untersuchungsberichte und Neubewertungen der Pharmakovigilanz-Arbeitsgruppe (PhVWP) und des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA)).

Die betroffenen Psychopharmaka / Antiepileptika sind: Carbamazepin, Lamotrigin, Natriumvalproat, Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phenytoin und Primidon. Über eine Studie zum Zusammenhang zwischen Antikonvulsiva und einem erhöhten Risiko für Frakturen bzw. verringerte Knochendichten wurde bereits hier berichtet.

Osteopenie, Osteoporose

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat vor, kurzfristig anzuordnen, dass die Fach- und Gebrauchsinformationen hinsichtlich der Nebenwirkungen geändert werden sollen.

So soll darauf hingewiesen werden, dass es bei der Behandlung mit diesen Antiepileptika zur Abnahme bzw. Verringerungen der Knochendichte, Osteopenie, Osteoporose, sowie zu Knochenbrüchen gekommen ist. Warum dies geschieht sei unbekannt.

Es soll darauf hingewiesen werden, dass Patienten sich mit ihrem Arzt beraten sollen, wenn bei ihnen Osteopenie, Osteoporose besteht, wenn sie Antiepileptika über einen längeren Zeitraum einnehmen, Kortison oder andere Steroidhormone benutzen.

Osteopenie ist eine Verringerung der Knochendichte, und eine Vorstufe der Osteoporose. Osteoporose ist eine Knochenerkrankung, auch als Knochenschwund bekannt, weil die Knochendichte abnimmt, manchmal so stark, dass es zu Knochenbrüchen (Frakturen) Frakturen kommt.
Quelle: BfArM. April 2012

Epilepsie-Medikamente können schädliche Auswirkungen auf Kinderknochen haben

02.11.2017 In einer in Epilepsia veröffentlichten Studie wiesen Kinder und Jugendliche, die Antiepileptika einnahmen, erhöhte Knochenbrüche und eine Verringerung der Mineraldichte des Schienbeins sowie eine geringere Muskelkraft der Gliedmaßen auf.

Die Studie umfasste 23 Personen im Alter von 5-18 Jahren, die mindestens 12 Monate lang Antiepileptika eingenommen hatten. Jeder Einzelne wurde einem Zwilling, Geschwister oder Cousin ersten Grades zugeordnet.

Die Ergebnisse deuten auf die Notwendigkeit, die Gesundheitsprobleme hinsichtlich der Knochen bei jungen Patienten mit antiepileptischen Medikamenten weiter zu untersuchen.

Diese Ergebnisse müssen in einer größeren Länggsschnittstudie validiert werden, die den Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Antiepileptika und unerwünschten Nebenwirkungen des sich im Laufe der Zeit entwickelnden Skeletts untersucht, so die Autoren um Peter J. Simm vom Department of Endocrinology and Diabetes, Royal Children's Hospital, Melbourne, Victoria, Australia.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Epilepsia - DOI: 10.1111/epi.13893; Sept. 2017

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