Cannabis, Marihuana (Cannabinoide)
gegen Migräne

Neurologische Erkrankungen - Migräneschmerzen

Medizinisches Marihuana hilft gegen Migräne

15.01.2016 Medizinisches Marihuana konnte bei Patienten mit Migränekopfschmerzen deutlich die Häufigkeit des Auftretens senken laut einer in der Zeitschrift Pharmacotherapy veröffentlichten Studie.

Verringerung der Attacken

Die Studie der University of Colorado untersuchte 121 Migräne-Patienten, die zwischen Januar 2010 und September 2014 mit Cannabis behandelt wurden. Es zeigte sich, dass die Migräne-Häufigkeit im Durchschnitt von 10,4 auf 4,6 Migräneattacken pro Monat reduziert wurde.

Von den 121 untersuchten Patienten berichteten 103 über eine Abnahme der monatlichen Migräne, während 15 über keine Veränderungen und drei über eine Zunahme berichteten.

Die Forscher fanden verschiedene Formen des Cannabis-Gebrauchs in der von ihnen analysierten Daten der Klinik Gedde Whole Health. Inhaliertes Marihuana schien die beliebteste Form zur Behandlung akuter Migräne zu sein, während essbares Cannabis, das länger braucht, um zu wirken, eher für die Migräne-Prävention genommen wird.

Aber wie genau, Cannabis Migräne lindert, ist noch unbekannt.

Cannabinoid-Rezeptoren und Serotonin

Studienautorin Prof. Laura Borgelt sagte, dass es überall im Körper - inkl. Gehirn, Bindegewebe und Immunsystem - Cannabinoid-Rezeptoren gäbe. Und sie scheinen entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften zu haben. Diese Cannabinoide scheinen auch wichtige Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin zu beeinflussen.

"Wir glauben, dass Serotonin eine Rolle bei Migränekopfschmerzen spielt, aber wir erforschen noch, welche Rolle Cannabinoide bei dieser Erkrankung spielen", sagte Borgelt.

Die Studie zeigt als erste eine Reduktion von Migräneattacken aufgrund der Verabreichung medizinischen Marihuanas. Die Forscher wünschen sich aber weitere Studien, insbesondere randomisierte, placebokontrollierte Studien. Diese hätten aber noch rechtliche Hindernisse zu überwinden.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Colorado Anschutz Medical Campus, Pharmacotherapy; Jan. 2016

Cannabinoide für Migräneprophylaxe (u. Cluster-Kopfschmerzen)

29.06.2017 Eine auf dem 3. Kongress der Europäischen Akademie der Neurologie vorgestellte Studie untersuchte die Wirksamkeit von medizinischem Marihuana / Cannabis - sogenannte Cannabinoide - bei der Prophylaxe von Migräne und bei der Behandlung von akuten Cluster-Kopfschmerzen und Migräne.

Dosisfindung

Die Wissenschaftler mussten zu Beginn die Dosierung feststellen, die erforderlich ist, um die Kopfschmerzen effektiv zu behandeln. Eine Gruppe von 48 chronischen Migräne-Patienten erhielt eine anfängliche orale Dosis von 10 mg einer Kombination zweier Verbindungen. Eine enthielt 19% Tetrahydrocannabinol (THC) - der Hauptwirkkomponente von Marihuana, während die andere praktisch kein THC enthielt, dafür aber 9% Cannabidiol (CBD).

Das Resultat war, dass Dosen von weniger als 100 mg keine Wirkung erzeugten. Erst als die orale Dosis 200 mg erreichte, sanken akute Schmerzen um 55%.

THC-CBD-Kombination vs. Amitriptylin

In Phase 2 der Studie erhielten 79 chronische Migränepatienten eine tägliche Dosis von entweder 25 mg Amitriptylin - ein trizyklisches Antidepressivum, das üblicherweise zur Behandlung von Migräne verwendet wird - oder 200 mg der Tetrahydrocannabinol-Cannabidiol-Kombination für einen Zeitraum von drei Monaten.

84 Cluster-Kopfschmerz-Patienten erhielten entweder 200 mg THC-CBD oder eine tägliche Dosis von 480 mg des Calcium-Kanal-Blockers Verapamil. Bei akuten Schmerzen wurde zusätzlich 200 mg TCH-CBD für beide Arten von Kopfschmerzen verabreicht.

Resultate

Die Ergebnisse nach drei Monaten der Behandlung und Follow-up nach weiteren vier Wochen ergaben folgendes:

Während die TCH-CBD-Kombination mit einer 40,4%-igen Reduktion der Attacken etwas bessere Ergebnisse als Amitriptylin (40,1%) brachten, sanken Schmerzintensität und Anzahl der Cluster-Kopfschmerzen nur leicht.

Bei der Analyse der Behandlung der akuten Schmerzen stießen die Forscher auf ein interessantes Phänomen: Cannabinoide reduzierten die Schmerzintensität bei Migränepatienten um 43,5%. Die gleichen Ergebnisse wurden bei Cluster-Kopfschmerz-Patienten gefunden, aber nur bei denen, die Migräne in der Kindheit hatten. Bei Patienten ohne eine Vorgeschichte zeigte THC-CBD überhaupt keine Wirkung als akute Behandlung.

Nebenwirkungen

Schläfrigkeit und Konzentrationsprobleme waren die beobachteten Nebenwirkungen während der Studie mit dem Inhaltsstoffen von Cannabis, wobei das sonstige Sicherheitsprofil sehr positiv war, schreiben die Forscher um Dr. Maria Nicolodi. Die Inzidenz von Magenschmerzen, Colitis und Muskel-Skelett-Schmerzen - bei weiblichen Probanden - sank.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: European Academy of Neurology; Juni 2017

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