Migräne: Licht, Lichtempfindlichkeit

Neurologische Erkrankungen - Migräneschmerzen

Licht löst nicht immer Migräne aus

06.02.2013 Sich darum zu sorgen, was eine Migräneattacke auslösen kann, erhöht das Unbehagen von vielen Menschen mit Migräne. Aber nach einer neuen Studie aus Dänemark könnte diese Sorge zum großen Teil unbegründet sein.

Die Trigger Licht und Sport

Die Forscher studierten die Wirkung von Licht und Sport. Beides wird oft von Patienten mit Migräne mit Aura als ihre Migränetrigger angeführt, und sie demonstrierten, dass keiner von beiden Migräneattacken bei den meisten Teilnehmern der Studie verursachte.

Die Versuche wurden mit 27 Versuchspersonen, die Migräne mit Aura hatten, durchgeführt. Sie wurden diesen (ihren) Triggern in 30-40 minütigen Sitzungen allein oder in Kombination ausgesetzt, doch nur drei bekamen eine Migräneattacke mit Aura (einer allein durch Sport, zwei durch die Kombination) und drei eine Migräne ohne Aura. Keiner bekam eine Attacke allein durch das Licht.

Vermeidung der Migränetrigger
Vermeiden der Migränetrigger

Migränetrigger bleiben oft unklar

"Es werden viele Dinge über Kopfschmerzen und Migräne als wahr akzeptiert, obwohl sie ungeprüft sind", sagt der Neurologe Peter Goadsby, MD, Dsc, über die Trigger. "Die Ergebnisse dieser Studie könnten einige Patienten überraschen".

Goadsby ist Direktor der University of California, San Francisco Kopfschmerzzentrum und Koautor eines Leitartikels, der die dänische Studie begleitete. In seiner klinischen Praxis sieht er viele Patienten, dessen Lebensqualität leidet in Folge sowohl ihrer Migräne, als auch ihrer Versuche die Trigger zu vermeiden, von denen sie glauben, dass sie zu Attacken führen. Zusätzlich zu Licht und Sport sind andere angenommene Migränetrigger: Stress, Emotionen und bestimmte Nahrung.

Aber, es gibt nur wenige Belege, dass einige dieser Dinge wirklich Migräneattacken auslösen, sagt Goadsby. Er hofft, dass zusätzlich zu der gegenwärtigen Studie es mehr Forschungen über Migräneauslöser gibt.
"Es gibt zig Millionen Menschen mit Migräne", sagt Goadsby, "und alle müssen sich berufen auf Erzählungen, die herumgehen, darüber, was sie auslösen könnte".

Migränetagebuch führen

Die Autoren der Studie raten Menschen mit Migräne ihre Kopfschmerzen im Auge zu behalten bzw. aufzuschreiben, und ob das Vermeiden bestimmter Trigger wirklich einen Unterschied ausmacht. Wenn es nach drei Monaten zu keiner Änderung in der Häufigkeit kommt, schreiben sie, kann man wahrscheinlich sicher sein, dass das was sie vermeiden, kein Auslöser ihrer Migräne ist.

Quelle: Universität von Kopenhagen, Feb. 2013

Grünes Licht lindert Migräne-Symptome

17.05.2016 Lichtsensitivität oder Photophobie ist ein häufiges Symptom bei Migräne-Kopfschmerzen. Eine neue in der Zeitschrift Brain veröffentlichte Studie des Beth Israel Medizinisches Zentrum (BIDMC) hat herausgefunden, dass Photophobie und Kopfschmerzintensität von Migräne-Betroffenen deutlich reduziert werden kann, wenn sie in grünes Licht schauen.

Lichtsensitivität

Mehr als 80 Prozent der Migräne-Attacken sind verbunden mit der und werden verschlimmert durch die Lichtsensitivität. Migräniker suchen dann dunkle Räume auf und ziehen sich von Beruf, Familie und Alltagsaktivitäten zurück.

Vor fünf Jahren machten Studienautor Rami Burstein und Kollegen die überraschende Entdeckung, dass blaues Licht blinden Migräne-Patienten Schmerzen zufügen kann. Diese Entdeckung veranlasste die Forscher zu der Annahme, dass eine anomale Empfindlichkeit auf Licht während der Migräne durch das Blocken von blauem Licht gelindert werden könnte.

Weil jene Studie jedoch nur blinde Patienten enthielt, die keinerlei Farben des Lichts entdecken können, entschlossen sich Burstein und seine Kollegen, die Effekte anderer Farben des Lichtes auf die Kopfschmerzen bei Patienten ohne Sehbeeinträchtigung zu untersuchen.

Grünes Licht

In dieser neuen Studie fanden Burstein und Kollegen, dass ein schmales Band des grünen Lichts Migräne signifikant weniger verschlimmerte als alle anderen Farben, und dass grünes Licht in geringer Intensität sogar die Migräneschmerzen reduzieren kann.

Die Forscher baten Patienten mit akuten Migräneattacken jede Veränderung bei den Kopfschmerzen zu berichten, während sie blauem, grünem, bernsteinfarbenem und rotem Licht ausgesetzt wurden.

Bei hoher Lichtintensität - wie in einem gut ausgeleuchtetem Büro - berichteten fast 80% der Patienten über eine Intensivierung der Kopfschmerzen - bei allen Farben bis auf grün.

Überraschenderweise - und für die Forscher unerwartet - konnte grünes Licht sogar die Migräneschmerzen um ca. 20% senken.

Elektrische Signale im Gehirn

Um genau zu verstehen, warum grünes Licht so viel weniger Schmerzen bei den Patienten mit Migräne verursachte, entwarfen Burstein und Kollegen Experimente, indem sie das Ausmaß der elektrischen Signale maßen, die durch die Netzhaut (im Auge) und den Cortex (im Gehirn) von diesen Patienten als Reaktion auf jede Farbe des Lichtes erzeugt wurden.

Sie fanden, dass blaues und rotes Licht die stärksten Signale sowohl in der Netzhaut als auch im Cortex erzeugten, und dass grünes Licht die kleinsten Signale hervorrief.

Sie untersuchten dann Neuronen im Thalamus - eine Region des Gehirns, die Informationen über das Licht vom Auge zum Cortex trägt. Diese Neuronen reagierten am stärksten auf blaues Licht und am wenigsten auf grünes, was erklärt, warum das Migräne-Gehirn positiv auf grünes Licht reagiert.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC), Brain - DOI 10.1093/brain/aww119; Mai 2016

Licht kann emotionale und körperliche Reaktionen bei Migränikern auslösen

27.06.2017 Migräniker vermeiden oft Licht und finden Linderung der Symptome in der Dunkelheit. Eine neue Studie von Forschern des Beth Israel Deaconess Medical Center zeigt eine bisher unbekannte Verbindung zwischen den lichtempfindlichen Nervenzellen im Auge und Zentren im Gehirn, die die Stimmung regulieren, sowie einer Reihe von körperlichen Parametern wie Herzfrequenz, Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Verstopfung und Übelkeit.

Emotionale Reaktionen

Die Befunde können erklären, wie Licht negative Emotionen und unangenehme körperliche Empfindungen hervorrufen kann, die oft Migräneattacken begleiten, schreiben die Wissenschaftler.

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Während des Studiums der Auswirkungen von Farben auf die Kopfschmerzintensität, fanden die Forscher, dass einige Patienten berichteten, sie empfänden das Licht als unangenehm, auch wenn es nicht ihre Kopfschmerzen schlimmer machte, sagte Studien-Autor Rami Burstein von der Harvard Medical School im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences.

Sie entdeckten, dass die Exposition gegenüber verschiedenen Farben des Lichts bei Personen mit Migräne verschiedene Gefühle hervorriefen wie Reizbarkeit, Wut, Nervosität, Depressivität und Ängstlichkeit. Diese Patienten berichteten auch über körperliche Beschwerden, einschließlich Engegefühl in der Brust oder Hals, Kurzatmigkeit, Übelkeit und Schwindel.

Burstein und Kollegen setzen 81 Migräniker und 17 Menschen, die noch nie eine Migräne gehabt hatten, unterschiedlichen Lichtfarben aus und baten sie zu beschreiben, was sie erlebten. Die Auswirkungen von Licht und Farbe wurden dreimal untersucht: einmal für diejenigen, die noch nie eine Migräne erlebten und zweimal für Migräniker - einmal während einer Attacke und einmal zwischen den Attacken.

Körperliche und psychische Symptome

Die Forscher fanden heraus, dass alle Farben des Lichts unangenehme physiologische Empfindungen bei Patienten mit Migräne sowohl während als auch zwischen den Attacken auslösten. Darüber hinaus berichteten Migränepatienten über intensive emotionale Reaktionen wie Wut, Nervosität, Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit, Depression, Angst bzw. Ängstlichkeit, wenn sie allen Lichtfarben außer Grün ausgesetzt waren.

Teilnehmer, die nicht unter Migräne litten, berichteten nicht über eine starke physiologische Reaktion, wenn sie einer Lichtfarbe ausgesetzt wurden, aber sie berichteten, dass alle Farben des Lichts angenehme Emotionen hervorgerufen hatten.

Blinde Migräniker

Diese Ergebnisse erklären frühere Forschungsbefunde mit blinden Migräne-Patienten, sagte Burstein. Die Wissenschaftler hatten bemerkt, dass das Licht die Kopfschmerzintensität bei den Licht-exponierten Teilnehmern verschlimmerten, wenn diese infolge des Verlustes von Stäbchen und Zapfen keine Lichtwahrnehmung wahrnehmen konnten, aber nicht bei Teilnehmern, die aufgrund einer Sehnervdegeneration erblindet waren.

Dies legt nahe, dass die Nerven, die die Signale vom Auge zum Gehirn transportieren, eine kritische Rolle bei den mit der Migräne verbundenen Symptomen spielen.

Farben und die Kopfschmerzintensität

Diese Erkenntnisse bauen auch auf Forschungsergebnissen von Burstein und Kollegen im vergangenen Jahr auf, die berichteten, dass die Intensität von Migränekopfschmerzen sich unter blauem, rotem, bernsteinfarbenem oder weißem Licht verstärkt, aber innerhalb einer bestimmten Wellenlänge grünen Lichts sinkt.

Dieses grüne Licht, das sie entdeckten, aktiviert die Neuronen in der Netzhaut und das Gehirn in einem geringeren Ausmaß als blaues, rotes, bernsteinfarbenes und weißes Licht und löst daher weniger wahrscheinlich die physiologischen, autonomen, endokrinen und emotionalen Reaktionen aus, unter denen Migräniker oft leiden.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Harvard Universität, Proceedings of the National Academy of Sciences - doi:10.1073/pnas.1708361114; Juni 2017

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