Schmerzforschung, News

Neurologische Erkrankungen / Störungen

Schmerz ist eine Sinnesempfindung und als Warnsignal zu interpretieren. Chronische Schmerzen sind anhaltende und / oder immer wiederkehrende Schmerzen desselben Organs oder Lokalität.
Kopfschmerzen sind Schmerzen, die den Kopf betreffen: z.B. Spannungskopfschmerzen, Migräne, Fibromyalgie.
Migräne ist eine Form von Kopfschmerzen, die meist halbseitig, wiederkehrenden, anfallartig und pulsierend sind.

Schmerzforschung: Auf dieser Seite finden Sie Infos und Forschungsartikel allgemein zu Schmerzen und chronischem Schmerz. Zu speziellen Schmerzformen wie Kopfschmerzen und sonstige Schmerzen schauen Sie bitte unter:

Babys fühlen Schmerzen 'wie Erwachsene'

21.04.2015 Die Gehirne von Babys 'aktivieren' sich in ähnlicher Weise wie die von Erwachsenen, wenn sie demselben schmerzhaften Reiz ausgesetzt sind laut einer Studie der Oxford Universität. Wahrscheinlich empfinden Babys Schmerzen sogar intensiver als Erwachsene.

In der Studie wurde 10 gesunden Säuglingen (ein - sechs Tage alt) und 10 gesunden Erwachsenen im Alter zwischen 23 und 36 Jahren ein schwacher aber schmerzhafter elektrischer Reiz verabreicht, während MRT-Aufnahmen ihres Gehirns gemacht wurden.

Die Säuglinge wurden von ihren Eltern in der MRT-Röhre zum Schlafen gebracht und eine Schmerzempfindung ('als ob man mit einem Bleistift gepiekt wird' - leicht genug, dass die Babys nicht aufwachten) am Fuß stimuliert.

Die Gehirnscans wurden mit denen der Erwachsenen verglichen, die demselben Schmerzreiz ausgesetzt worden waren.

Empfindlicher gegenüber Schmerzen

Die Forscher stellten fest, dass 18 der 20 bei Schmerzempfindungen aktivierten Gehirnregionen bei Erwachsenen ebenfalls bei den Babys aktiviert wurden.

Die Scans zeigten auch, dass die Gehirne der Babys dieselbe Reaktion auf einen viermal schwächeren 'Stromschlag' (128 mN) zeigten als die Erwachsenen beim höheren Stimulus (512 mN).

Die Befunde legen also nicht nur nahe, dass Babys ähnlich wie Erwachsene Schmerzen erfahren, sondern sie auch eine viel niedrigere Schmerzschwelle haben.

Diese Befunde sind besonders wichtig, denn Babys können uns nicht über ihre Schmerzen erzählen, und es ist schwierig, Schmerz aus visuellen Beobachtungen zu schließen. Tatsächlich gibt es einige Leute, die behaupten, dass das Babygehirn nicht genug dafür entwickelt sei, um Schmerz 'wirklich zu fühlen'.

"Sie behaupten: Die Reaktionen seien nur ein Reflex ... unsere Studie liefert aber die ersten wirklich starken Befunde, dass dies nicht der Fall ist", sagte Studienleiterin Dr Rebeccah Slater in der Zeitschrift eLife.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Oxford Universität, eLife; April 2015

Schmerz-Reaktion kann unbewusst 'geformt' werden

26.05.2015 In einer neuen Studie des Karolinska Institutet (Schweden) zeigen die Forscher, dass Menschen konditioniert werden können, Bilder mit bestimmten Schmerzreaktionen zu verbinden; auch wenn sie sie gar nicht bewusst wahrnehmen. Dadurch kann die Toleranz gegenüber Schmerzen verbessert werden.

Frühere Studien haben gezeigt, dass der gefühlte Schmerz gesteigert oder verringert werden kann, indem ein bestimmter Hinweisreiz, wie z.B. ein Bild, mit hoher oder niedriger Schmerzintensität verbunden wird. Bislang ist es aber noch unklar gewesen, ob man den Reiz bewusst wahrnehmen muss, um die Verbindung zu lernen.

Unbewusstes Lernen

Deshalb testeten Dr. Karin Jensen und ihre Kollegen, ob unbewusstes Lernen ebenfalls die Schmerzreaktionen beeinflusste. Sie benutzten unterschwellig wahrgenommene Abbildungen und trainierten so die Freiwilligen, ein gewisses Bild mit einem starkem Schmerz und eine andere Abbildung mit einem geringen Schmerz zu verbinden.

Dazu wurden 49 Teilnehmer zufällig in vier Versuchsgruppen unterteilt. Alle TeilnehmerInnen waren gesund und ohne chronische Krankheiten oder psychiatrische Diagnosen. Keiner der Probanden nahm Medikamente außer hormonelle Verhütungsmittel laut Bericht in der Zeitschrift PNAS.

Konditionierung

Im Experiment wurden Abbildungen verschiedener Gesichter auf einem Monitor gezeigt. Einigen der Teilnehmer wurden die Bilder so schnell gezeigt, dass sie sie nicht bewusst wahrnehmen konnten. Bei jedem Bild erhielten die Teilnehmer einen Schmerzreiz, den sie hinsichtlich der Stärke bewerten sollten. Während die Bilder mit (starkem oder schwachem) Schmerzstimulus wiederholt gezeigt wurden, verwandelten sie sich selbst in einen starken oder einen schwachen Schmerzhinweis, der die Erwartungen der Teilnehmer beeinflussen würde.

Schmerzerfahrung wurde beeinflusst

Es zeigte sich, dass die Schmerzhinweise unbewusst gelernt werden konnten, da die Teilnehmer über gesteigerte Schmerzen berichteten, wenn sie das Stark-Schmerz-Bild sahen, und über reduzierte Schmerzen, wenn sie das mit geringem Schmerz assoziierte Bild gezeigt bekamen.

Die Intensität der Schmerzerfahrungen hingen damit nicht vom tatsächlich erfahrenden Schmerz ab, denn der war immer gleich.

Und es machte keinen Unterschied, ob die Bilder bewusst oder unbewusst wahrgenommen wurden.

"Diese Ergebnisse demonstrieren, dass Schmerzreaktionen durch Erfahrung bzw. Lernen geformt werden können. Und es kann außerhalb der bewussten Wahrnehmung geschehen. Unbewusstes Lernen kann also eine weitreichende Wirkung auf höhere kognitive Prozesse im Allgemeinen haben", sagte Jensen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Karolinska Institutet, PNAS; Mai 2015

Die Macht der Erwartung über das Schmerzerleben

13.05.2016 Die Erwartungen haben einen großen Einfluss auf Psyche und Wahrnehmung des Menschen - wie z.B. der Placebo-Effekt zeigt: Obwohl die Patienten keinen Wirkstoff, sondern nur eine Zuckerpille erhalten, kann es zu positiven Auswirkungen auf Symptome und Krankheiten kommen.

Verantwortlich dafür ist die Erwartungshaltung, sagt eine in der Zeitschrift Trends in Cognitive Sciences veröffentlichte Studie der Universität Würzburg.

In einer Forschungsarbeit untersuchte die Studienautorin Dr. Katharina Schwarz vom psychologischen Fachbereich, welchen Einfluss die Erwartung auf die Schmerz-Wahrnehmung hat.

In einem Experiment wurde den Teilnehmern (Männern) am 1. Versuchstag Schmerzen unterschiedlich starker Hitzestimuli über ein Unterarmband beigebracht. Die Männer sollten die wahrgenommenen Schmerzen dann einstufen (von 'kein Schmerz' bis 'unerträglich').

Bei der nächsten Sitzung informierten die Versuchsleiter die Hälfte der männlichen Probanden (über eine Informationsschrift), dass Männer eher empfindlicher als Frauen sind, weil diese durch die Geburtsschmerzen besonders abgehärtet seien.

Die andere Hälfte der Männer bekam die Info, dass Männer weniger empfindsam gegenüber Schmerzen seien, weil sie aus evolutionspsychologischer Sicht eher weniger Schmerzen spüren würden, da dies ihre Aufgabe als Jäger unterstützen würde.

Tatsächlich zeigten die Männer - die vorher erfahren hatten, Frauen seien schmerzempfindlicher als Männer - bei der nun folgenden Versuchswiederholung eine höhere Schmerztoleranz; die Männer - die die Info über die 'stärkere' Frau bekamen - zeigten eine geringere Schmerztoleranz.

"Der Placebo-Effekt funktioniert bei der Behandlung von Schmerzen und Depressionen oft sehr gut", sagt Schwarz. Symptome können sich allein durch die an ein Medikament gekoppelte Erwartung verbessern. "Und das ist nicht nur eine subjektive Empfindung des Patienten, sondern auch physiologisch messbar."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Würzburg, Trends in Cognitive Sciences - doi: 10.1016/j.tics.2016.04.001; Mai 2016

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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