Schmerzmittel / Schmerzmedikamente (Gehirn)

Neurologische Erkrankungen / Störungen

Forscher 'schalten' (chronischen) Schmerz im Gehirn ab

29.11.2014 Wissenschaftler haben einen neuen Weg gefunden, Schmerzen zu kontrollieren; die Befunde sind vielversprechend und ein effektives Schmerzmittel könnte in der unmittelbaren Zukunft zur Verfügung stehen.

Ein internationales Forscherteam weist auf einen Rezeptor im Gehirn, der, wenn aktiviert bzw. eingeschaltet, Schmerzen blocken oder aufheben kann.

Adenosin-A3-Rezeptor

Die Aktivierung des A3-Rezeptors - entweder durch den nativen (körpereigenen) chemischen Stimulator (das kleine Molekül Adenosin) oder durch leistungsstarke synthetische niedermolekulare an den nationalen Gesundheitsinstituten der USA (NIH) entwickelte Medikamente - verhindert oder eliminiert Schmerzen.

Wenn der Adenosin-A3-Rezeptor (A3AR) mit chemischen Stimulanzien aktiviert wird, lindert er den Schmerz, ohne eine Toleranz gegenüber dem chemischen Mechanismus oder einer Abhängigkeit gegenüber dem chemischen Wirkstoff zu entwickeln, berichten die Wissenschaftler von der Saint Louis Universität in der Zeitschrift Brain.

Es ist seit langem bekannt, dass Adenosin starke schmerzreduzierende Eigenschaften hat, sagte die leitende Autorin Daniela Salvemini. Die Befunde wiesen darauf hin, dass das Ziel einer effektiven Behandlung chronischer Schmerzen durch A3AR erreicht werden kann, da seine Aktivierung eine besonders robuste Schmerzreduktion bei verschiedenen Schmerzformen bietet, sagte sie.

Die derzeitigen Schmerztherapien sind mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden und verringern oft die Lebensqualität. In ihrer Studie aktivierten Salvemini und ihr Team den Rezeptor im Gehirn und im Rückenmark von Nagetieren, was zu einer verbesserten Schmerzkontrolle führte.

Laut dem Bericht, kann die A3AR Aktivierung auch chronischen neuropathischen Schmerz, der langsam aufgrund der Nervenschädigungen fortschreitet, ähnlich dem durch Chemotherapie- oder Knochenkrebs verursachten Schmerz, reduzieren.

Interessanterweise laufen bereits fortgeschrittene A3AR-Aktivierungsstudien, die die Wirksamkeit von chemischen A3AR-Stimulatoren als entzündungshemmende und Antikrebs-Mittel überprüfen.

Es wird vielleicht nicht mehr sehr lange dauern bis die ersten Medikamente dieser Art gegen Schmerzen eingesetzt werden können.

© PSYLEX.de - Quellen: Saint Louis University Medical School, University College London, Second University of Naples, University of Arizona, National Institutes of Health, Brain; November 2014

Natürliche Schmerzmittel des Gehirns nehmen bei chronischen Schmerzen zu

27.10.2015 Eine neue Studie der Universität Manchester konnte zum ersten Mal zeigen, dass die Anzahl der Opiatrezeptoren im Gehirn sich erhöhen, um schwere Schmerzen bei unter Arthritis Leidenden zu begegnen.

Die Studie entstand durch die Beobachtung der Forscher, dass einige Menschen besser als andere Schmerzen zu ertragen scheinen. Daher untersuchten die Forscher diese Bewältigungsmechanismen in der Hoffnung, einen neuen Behandlungsansatz für dieses belastende Symptom zu entdecken.

Anzahl der Opioidrezeptoren erhöht sich

Seit längerem wissen wir, dass Rezeptoren in unserem Gehirn auf natürliche schmerzstillende Opiate wie Endorphine reagieren, doch die Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass diese Rezeptoren an Zahl zunehmen und uns so helfen, besser mit langfristigen schweren Schmerzen fertigzuwerden.

Dr. Christopher Brown und seine Kollegen erzeugten mit einem Laser Hitze auf der Haut der freiwilligen Teilnehmer und zeigten:

Je mehr Opiatrezeptoren im Gehirn sind, desto größer die Fähigkeit, dem Schmerz standzuhalten.

Mehr Rezeptoren bei chronisch Kranken

17 Patienten mit Arthritis und neun gesunde Kontrollteilnehmer wurden während des Versuchs mit Positronen-Emissions-Tomographie (PET) gescannt, um die Verteilung der Opioidrezeptoren zu zeigen. Sie stellten fest, dass Personen mit Arthritis und chronischen Schmerzen mehr Opiatrezeptoren-Orte im Gehirn hatten als die gesunden Kontrollteilnehmer.

Die Zunahme der Opioidrezeptoren im Hirn deutet auf eine adaptive (angepasste) Reaktion auf den chronischen Schmerz, wodurch er besser ertragen werden kann, sagen die Forscher.

Dr. Brown sagte in der Zeitschrift Pain: "Soweit wir wissen, konnte damit zum ersten Mal gezeigt werden, dass diese Veränderungen mit einer erhöhten Resilienz gegenüber Schmerzen verbunden und adaptiv sind."

Die Mechanismen dieser adaptiven Veränderungen sind unbekannt. Wenn aber herausgefunden wird, wie sie verstärkt werden können, stünden Wege offen, die natürliche Widerstandkraft gegenüber Schmerzen - ohne das Risiko für die mit vielen Schmerzmitteln verbundenen Nebenwirkungen - zu erhöhen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Manchester, Pain; Okt. 2015

Psychische Störungen und Schmerzmittelmissbrauch

Teenager und junge Erwachsene mit psychischen Störungen haben ein gesteigertes Risiko für den langfristigen Konsum von verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln wie Vicodin (Hydrocodon) und Oxycontin (Oxycodon) nach einer neuen Studie.

Psychische Krankheiten erhöhen Schmerzmittel Verbrauch

Forscher überprüften Daten von mehr als 62.000 jungen Menschen im Alter von 13 bis 24 aus den westlichen, mittelwestlichen und südwestlichen Vereinigten Staaten. Diejenigen mit psychischen Problemen bei der Gesundheit zeigten eine grössere Wahrscheinlichkeit rezeptpflichtige Opioide gegen chronische Schmerzen einzunehmen, und hatten eine 2,4-mal höhere Wahrscheinlichkeit langfristig Opioid-Benutzer zu werden, als jene ohne psychische Störungen.

Langfristige Opioid Verwendung kam unter männlichen, älteren Jugendlichen und jenen, die in ärmeren Gegenden wohnen, häufiger vor.

Die Forscher sprechen von langfristiger Verwendung, wenn die Opioide für mehr als 90 Tage, innerhalb von sechs Monaten ohne Pausen von mehr als 30 Tagen, eingenommen werden.

Die Studie erschien am 6. Juni im Journal of Adolescent Health.

Warum werden soviel Schmerzmittel genommen?

Es gibt eine Reihe von Gründen, warum Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Störungen wahrscheinlicher langfristig Opioide einnehmen, sagte Autorin Dr. Laura Richardson vom Seattle Children's Research Institute und der Universität von Washingtonin in einer Institutspressemitteilung.

Depression und Angst können Schmerzsymptome steigern und zu längerer Behandlung führen, und Ärzte können depressive Patienten als noch beeinträchtigter ansehen, und deswegen bereit sein, bei diesen die Schmerzsymptome über einen längeren Zeitraum zu behandeln.

Während der letzten zwei Jahrzehnte hat es eine merkliche Zunahme der langfristigen Einnahme und des langfristigen Missbrauchs von Opioid-Schmerzmitteln in den Vereinigten Staaten gegeben.

Die Verschreibung von Opioiden macht inzwischen fast 87 Prozent des Missbrauchs von verschreibungspflichtigen Medikamenten unter High-Schoolstudenten aus laut der Pressemitteilung.
Quelle: Journal of Adolescent Health. Juni 2012

Tod durch Schmerzmittel

Die Zahl der Todesopfer durch Überdosen an rezeptpflichtigen Schmerzmitteln hat sich im letzten Jahrzehnt in den USA mehr als verdreifacht laut einer vom U.S. Centers for Disease Control and Prevention veröffentlichten Analyse.

'Epidemie' der Schmerzmittel tötet mehr als Heroin und Kokain

Der neue Bericht zeigt, dass jeden Tag mehr als 40 Personen (allein in den USA) an Überdosen durch rezeptpflichtige Schmerzmittel wie Hydrocodon (Vicodin), Oxycodon (OxyContin), Methadon und Oxymorphon (Opana) sterben.

Überdosen, durch Rezept-Schmerzmittel sind auf einem epidemischen Niveau und töten nun schon mehr US-Amerikaner als Heroin und Kokain zusammen, sagte CDC Direktor Thomas Frieden, M.D., MPH.

Die gesteigerte Verwendung von Rezept-Schmerzmitteln aus nicht-medizinischen Gründen zusammen mit wachsenden Verkäufen hat zur großen Anzahl von Überdosen und Todesfällen beigetragen, bemerkte er.

Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten ist eine stille Epidemie, die Tausende von Leben nimmt und Gemeinschaften und Familien in Amerika auseinanderreißt, sagte Gil Kerlikowske, Direktor von National Drug Control Policy.
Quelle: National Drug Control Policy, Nov. 2011

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