Häusliche Gewalt (Psyche, Psychologie)

Beziehungsprobleme

Definition: Häusliche Gewalt (oder andere Begriffe dafür: Gewalt in der Partnerschaft, in der Familie) ist gekennzeichnet durch Gewalthandlungen in der Ehe bzw. Beziehung und/oder Familie (gegen die Kinder oder Eltern).

Weniger häusliche Gewalt durch Marihuana

15.09.2014 Forscher haben herausgefunden, dass häufiger Marihuana-Konsum mit einer geringeren Häufigkeit von häuslicher Gewalt durch Ehemann oder Frau einhergeht.

"Unsere Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Konsum von Marihuana (2-3 mal pro Monat oder öfter; aber max. 1x pro Woche) und dem Auftreten von Gewalt in der Partnerschaft innerhalb eines Jahres", sagte Wissenschaftler Kenneth Leonard von der University at Buffalo School of Public Health.

Häusliche Gewalt und Cannabis

Für die Studie analysierten die Forscher Daten von 634 Paaren über neun Ehejahre (Beginn 1996).
Tatsächlich erlebten Marihuana-rauchende Paare mit größerer Wahrscheinlichkeit weniger häusliche Gewalt. Am seltensten traten Gewalttätigkeiten auf, wenn beide Partner häufig Marihuana rauchten.

Leonard warnte allerdings, dass die Studie nicht untersuchte, ob der Marihuana-Konsum an einem bestimmten Tag die Wahrscheinlichkeit für Gewalttätigkeitkeiten zu diesem Zeitpunkt beeinflusste.

"Es ist zum Beispiel möglich, dass - ähnlich wie in einer Trinkerpartnerschaft - Marihuana-konsumierende Paare ähnliche Werte und soziale Kreise teilen; und es sind diese ähnlichen Interessen, die die geringere Wahrscheinlichkeit für Konflikte verursachen", schrieb Leonard in der Psychology of Addictive Behaviors.

Ein weitere mögliche Erklärung: "Chronische Marihuana-Raucher zeigen abgestumpfte emotionale Reaktionen auf Bedrohungsreize, was auch die Wahrscheinlichkeit aggressiven Verhaltens verringern kann."

"Obwohl diese Studie die These unterstützt, dass Marihuana aggressive Konflikte in der Partnerschaft nicht steigert und sogar verringern kann", erklärte Leonard, "würden wir diese Befunde gerne repliziert sehen, und es sollte die Wahrscheinlichkeit für häusliche Gewalt am selben Tag bei täglichem Marihuana- und Alkoholkonsum untersucht werden."

© PSYLEX.de - Quelle: University at Buffalo School of Public Health / Psychology of Addictive Behaviors, August 2014

Häusliche Gewalt bei gleichgeschlechtlichen Paaren

22.09.2014 Häusliche Gewalt tritt bei homosexuellen Paaren mindestens so häufig wie - und wahrscheinlich sogar häufiger als - bei heterosexuellen Paaren auf, laut einer Analyse der Northwestern University Feinberg School of Medicine, USA.

Minderheiten Stress

"Die Belege unserer Metastudie (Analyse mehrerer Studien) legen nahe, dass das Minderheiten-Stress-Muster diese hohen Prävalenzraten (Häufigkeiten) erklären kann", sagte Studienautor Richard Carroll, Professor für Psychiatrie und Verhaltensforschung an der Nordwest und Psychologe am Northwestern Memorial Hospital.

"Häusliche Gewalt verschärft sich, denn homosexuelle Paare müssen mit zusätzlichem Stress umgehen, weil sie einer sexuellen Minderheit angehören. Dies führt zum Widerstreben, die Probleme partnerschaftlicher Gewalt anzugehen."

Die analysierten Studien haben gezeigt, dass häusliche Gewalt etwa 25% bis 75% der lesbischen, schwulen und bisexuellen Personen betrifft. Jedoch glauben die Wissenschaftler, dass es hier einen Mangel an repräsentativen Daten gibt und eine hohe Dunkelziffer noch höhere Raten nahelegt.

Etwa 25 Prozent der heterosexuellen Frauen erleben häusliche Misshandlungen, laut den Forschern, und sie weisen darauf hin, dass dieser Prozentsatz bei heterosexuellen Männer "bedeutend niedriger" ist.

Stigmatisierung

"Es hat viele Studien zur häuslichen Gewalt gegeben, aber es wurde noch nicht sehr sorgfältig die Subgruppe der gleichgeschlechtlichen Paare untersucht", sagte Carroll. "Ein anderes Hindernis ist, an die geeigneten Stichproben zu kommen, weil die gleichgeschlechtliche sexuelle Orientierung immer noch stigmatisiert wird. In der Vergangenheit sprach man nicht gerne darüber."

Die Forschungsstudien, die häusliche Gewalt unter gleichgeschlechtlichen Partnern untersuchten, haben sich vorrangig auf Lesbierinnen und weniger auf Schwule und Bisexuelle konzentriert laut den Wissenschaftlern.

"Männer mögen sich nicht als das Opfer betrachten, als unmännlich und außerstande, sich zu verteidigen", schreibt Carroll in Journal of Sex & Marital Therapy (s.a. Psychologie der Männlichkeit).

Möglich ist, so sagt er, dass homosexuelle Männer und Frauen häusliche Gewalt nicht melden aus Angst vor Diskriminierung und weil sie für die Misshandlungen vom Partner die Schuld bekommen könnten. Es könnte auch daran liegen, dass sie sich wegen ihrer sexuellen Orientierung Sorgen machen, bevor sie sie selbst akzeptiert hätten.

"Wir müssen Gesundheitsdienstleister über dieses Problem aufklären und sie daran erinnern, dass sie es bei homosexuellen Beziehungen erfassen, ganz so, wie sie bei heterosexuellen Patienten würden", sagte Carroll.

"Wir hoffen: Stigma und Stress für diese Menschen wird mit zunehmend tieferer Akzeptanz verschwinden, so dass sie die Hilfe bekommen können, die sie brauchen."

© PSYLEX.de - Quelle>: Journal of Sex & Marital Therapy / Northwestern University, September 2014

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