Internet-Mobbing, Cybermobbing

Psychische Probleme - Mobbing

Definition

Definition: Mit dem Begriff Cybermobbing wird die Belästigung, Nötigung oder Diffamierung von Personen (vorrangig) über das Internet (oder auch Handys) bezeichnet. Es ist also Mobbing unter Zuhilfenahme moderner Kommunikationswege.

Andere Namen für Cyber-Mobbing sind Internet-Mobbing, Cyber-Bullying und Cyber-Stalking (Cyber kommt vom englischen Kürzel für "Kybernetik"). Bullying steht generell für das Mobben von Schülern. (Allgemeine Definition von Mobbing)

Wird Ihr Kind im Internet gemobbt?

Internet-Mobbing beinhaltet, dass junge Leute durch die Verwendung von technischen Geräten wie Computer oder Mobiltelefone im Internet (besonders Facebook) belästigt, bedroht oder in Verruf / Verlegenheit gebracht werden.

Die Nemours Stiftung sagt, dass mögliche Warnzeichen von Cyberbullying beinhalten:

Warnzeichen / Symptome

Quelle: Nemours Stiftung, August 2011

Cyberbullying wohl selten alleiniger Faktor bei Teenager-Suizid

23.10.2012 Cyberbullying / Cybermobbing ist selten der alleinige Faktor für Suizid bei Jugendlichen laut einer kleinen Studie.

Depressionen und Bullying in Schule

Cyberbullying und Selbstmord

Die Forscher stellten fest, dass die meisten Teenager-Selbstmordopfer sowohl online als auch in der Schule tyrannisiert wurden und zudem viele auch an Depressionen litten.

Für die Studie analysierten die Forscher 41 Selbstmordfälle in Australiie, Kanada, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. Es gab 24 weibliche und 17 männliche Opfer im Alter zwischen 13 bis 18.

Vierundzwanzig Prozent der Teenager waren die Opfer von homophoben Mobbing. Von diesen war die Hälfte homosexuell und die andere Hälfte wurde als heterosexuell oder mit unbekannter sexueller Vorliebe identifiziert worden.

78 Prozent der Teenager wurden sowohl in der Schule als auch über das Internet tyrannisiert. Nur 17 Prozent wurden ausschließlich online gemobbt. 32 Prozent der Opfer hatten eine affektive Störung und 15 Prozent war mit einer Depression diagnostiziert worden.

Die Studie wurde auf einer nationalen Konferenz der American Academy of Pediatrics in New Orleans präsentiert.

Internetmobbing ist nur ein Faktor

Internetmobbing ist ein Faktor bei einigen Suiziden bzw. Suizidversuchen, aber es gibt fast immer andere Faktoren wie Mobbing von Angesicht zu Angesicht, sagte Dr. John LeBlanc in einer Universitätsmitteilung.

Cybermobbing tritt normalerweise im Kontext von regelmäßigen Mobbing auf, schreiben die Wissenschaftler.

Er und seine Kollegen stellten fest, dass Cyberbullying über verschiedene Medien auftritt, wobei 'Formspring' (anonymes Frageportal) und Facebook ausdrücklich in 21 Fällen, und Text- oder Videomitteilungen bei 14 Fällen auftraten.
Quelle: American Academy of Pediatrics, Okt. 2012

Abendliches Familienessen reduziert Auswirkungen von Cybermobbing bei Jugendlichen

10.09.2014 Das abendliche Essen in der Familie (gemeint ist die warme Hauptmahlzeit des Tages...in Deutschland wäre es vielleicht eher das Mittagessen) kann die Auswirkungen von Internetmobbing/Cybermobbing bei Jugendlichen dämpfen, laut einer Studie der McGill Universität, Kanada.

Denn das Essen im Familienkreis stellt soziale Unterstützung und Austausch im Haus dar, was dem Wohl der Kinder zugute kommt. McGill Professor Frank Elgar sagt, dass Familienkontakt und Kommunikation auch einige Effekte des Stresses durch Cybermobbing reduzieren können.

Essendes Kind
Bild: clker/pixabay

Jeder fünfte Jugendliche macht Erfahrungen mit Internet-Mobbing, sagt Elgar, der auch Forscher am Douglas Mental Health Institute ist. Viele Jugendliche verwenden soziale Medien, und Internet-Mobbing und Missbrauch sind für Eltern und Pädagogen schwer zu überwachen, so dass es äußerst wichtig ist, Schutzfaktoren für Jugendliche, die solchem Cybermobbing ausgesetzt sind, zu identifizieren.

Die Studie, herausgegeben in der Zeitschrift JAMA Pediatrics, untersuchte die Rolle von häufig in der Familie eingenommener Mahlzeiten bei der Linderung der Effekte von Online-Mobbing auf die psychische Verfassung von Jugendlichen. Die Forscher begutachteten 20.385 Jugendliche im Staat Wisconsin, USA. Sie maßen den Kontakt mit Internet-Mobbing und traditionellem (persönlichen) Mobbing und ein breites Spektrum psychischer Verfassungsvariablen, wie Depression, Angst, Substanzmissbrauch, selbstverletzendes Verhalten, suizidale Gedanken und Versuche.

"Wir fanden, dass emotionale, Verhaltens- und Substanzmissbrauchsprobleme unter den Opfern von Cybermobbing um das 2,6 bis 4,5-fache häufiger auftraten", sagt Elgar. "Und diese Auswirkungen wurden nicht durch persönliches Mobbing verursacht; sie waren auf Internet-Mobbing beschränkt."

Die Autoren stellten fest, dass die Cybermobbing-Viktimisierung ('zum Opfer machen') sich stärker auf die Probleme bei Jugendlichen auswirkte, die weniger mit der Familie aßen, was nahe legt, dass diese Familienkontakte und Kommunikation einige der belastenden Effekte von Cyberbullying entschärfen.

"Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber wir wollen nicht zu stark vereinfachen, was wir beobachteten", sagt Elgar. "Viele Jugendliche nehmen keine regelmäßigen Mahlzeiten (am Mittag, Abend) mit der Familie ein, aber erhalten Unterstützung auf andere Weise - wie durch das gemeinsame Frühstück oder das morgendliche Zur-Schule-bringen."

Elgar sagte auch, dass diese elterliche Involvierung und Supervision lange brauchen könnte, damit Opfern von Cyberbullying geholfen ist. "Jugendlichen bei ihren Online-Leben zu unterstützen, kann ihnen Fähigkeiten geben, um mit Online-Schikane oder Mobbing besser fertigzuwerden, was ansonsten leicht unerkannt bleibt."

© PSYLEX.de - Quelle: McGill Universität / JAMA Pediatrics, September 2014

Persönliches Mobbing schlimmer als Internetmobbing

11.03.2015 Schülerin: "Du siehst ihr Grinsen, hörst ihr Lachen, siehst ihre Gesichter, während sie zusehen, wie du zerbrichst". "Weil Du Mobbing vis-a-vis nicht blocken kannst", Schüler, 16.

156 Schüler wurden in einer australischen Studie darum gebeten, ihre Gefühle und Wahrnehmungen als Mobbingopfer zu beschreiben.

Professor Marilyn Campbell von der Queensland University of Technology (QUT) analysierte die Reaktionen der Schüler auf persönliches und Internetmobbing (auch Internet-Mobbing genannt) und fragte, was für sie schlimmer war.

Campbell sagte, dass deutlich mehr Opfer (59%) persönliches Mobbing als schlimmer und grausamer beurteilten als Internetmobbing.

26 Prozent empfanden beide Formen gleichermaßen schlimm, und 15 Prozent hielten Internetmobbing für schlimmer.

Die Kinder fürchteten sich vor den Angriffen, aber interessanterweise war den meisten auch peinlich, dass andere mit ansahen, wie sie gemobbt wurden, sagte Campbell.

Die Autorin wollte mit ihrer Studie vor allem den Opfern eine "Stimme" verleihen, die Opfer von 'traditionellem' und Internetmobbing geworden waren.

"Wenige Studien haben die Wahrnehmungen gemobbter Schüler direkt untersucht, die beide Formen erfahren haben", sagte sie.

Möglichkeit unmittelbarer Gegenmaßnahmen wichtig

Und diese Studie zeige, dass Cyberbullying nicht als gleich schlimm oder schlimmer erfahren wird, wie oft in anderen Studien beschrieben wurde. Der Grund dafür ist: Die Opfer können im Internet sofort und direkt etwas gegen die Täter unternehmen (z.B. die Nachricht löschen und den Angreifer blocken), was beim persönlichen Mobbing schwieriger ist.

Ein Mädchen, 12, sagte: "Ich war so verärgert, dass die Person, die mich übers Internet mobbte sich hinter dem Computer wie ein Feigling versteckte."
Und ein Junge, 15, sagte: "Körperlich misshandelt zu werden ist viel schlimmer, als von einem Mitleid erregenden Loser übers Internet verletzt zu werden."

Es ist der Abstand, erzeugt durch die Technologie, der einigermaßen schützt:

"Es war wirklich, reale Kommunikation, nicht digital, das trifft dich tiefer", sagte ein Mädchen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Queensland University of Technology, Journal of School Violence; März 2015

Internetmobbing tritt nicht isoliert auf

12.03.2017 Internetmobbing (Cybermobbing, auch Internetbullying oder Cyberbullying genannt) ist größtenteils eine Erweiterung des direkten Mobbings, und findet nicht eine Vielzahl neuer Opfer laut einer im Fachblatt European Child and Adolescent Psychiatry veröffentlichten Studie der Universität Warwick.

In einer Studie mit fast 2.745 Schülern im Alter zwischen 11 und 16 aus England berichteten 29 Prozent gemobbt zu werden, doch nur ein Prozent der Heranwachsenden waren Opfer von Onlinemobbing.

Die Teilnehmer der Umfrage waren nach

  1. direkter Viktimisierung (z.B. "geschlagen, getreten" oder "beschimpft/beleidigt" worden zu sein);
  2. indirekter Viktimisierung (z.B. es wurden Lügen, Gerüchte hinter dem Rücken verbreitet); und
  3. Internet-Viktimisierung (z.B. Verbreitung von Lügen/Gerüchten online, Veröffentlichung peinlicher Bilder online ohne Erlaubnis, oder Bedrohungen oder aggressive E-Mails, Direktnachrichten, SMS-Nachrichten oder Tweets)
gruppiert worden.

Geringere Selbstachtung und häufiger Verhaltensprobleme

Alle Jugendlichen, die in irgendeiner Form gemobbt wurden, hatten eine geringere Selbstachtung und zeigten häufiger Verhaltensprobleme als Nicht-Opfer.

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Bild: Gerd Altmann

Teilnehmer, die über mehrere Wege gemobbt wurden - direkte, indirekte und Online-Viktimisierung kombiniert - zeigten das geringste Selbstwertgefühl und die meisten emotionalen (s.a. Mobbing und die Emotionen) und Verhaltensprobleme.

Die Studie belegt, dass Internetmobbing ein weiteres Mittel für das traditionelle Mobbing ist; dadurch aber nicht viele 'unique' (alleinige) Online-Opfer geschaffen werden.

Infolgedessen sollten sich die Mobbing-Präventionsstrategien weiterhin hauptsächlich auf das traditionelle, persönliche fortgesetzte Tyrannisieren konzentrieren, weil dieses die Wurzel für die große Mehrheit des Internetmobbings ist, sagte Studienleiter Dieter Wolke vom Fachbereich für Psychologie.

Mobbing ist ein Weg, um Macht und die Akzeptanz anderer zu erlangen - der 'Coole' in der Klasse zu sein, sagte er. Internetmobbing ist also ein weiteres Mittel, das an die Klassenkameraden gerichtet ist, die der Mobber - und das Opfer - in der Schule kennen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Warwick, European Child and Adolescent Psychiatry - DOI: 10.1007/s00787-017-0954-6; März 2017

Online-Mobbing verschlechtert Schlaf und macht depressiver

10.05.2019 Von Cybermobbing betroffene Jugendliche leiden eher unter schlechtem Schlaf, was wiederum das Risiko für Depressionen erhöht, stellt eine in SLEEP präsentierte Forschungsarbeit fest.

Misol Kwon von der Universität Buffalo und Kollegen untersuchten den Zusammenhang zwischen Cyber-Viktimisierung und Schlafqualität.

Die Psychologen befragten mehr als 800 Jugendliche nach Schlafqualität, erlebten Aggressionen im Internet und Depression.

Die Analyse zeigte einen signifikanten indirekten Effekt der schlechten Schlafqualität in der Beziehung zwischen Cyber-Viktimisierung und Depression bei Jugendlichen. Insbesondere die Internet-Viktimisierung von Jugendlichen führte zu einer schlechten Schlafqualität, was auch zu einer erhöhten Depressivität führte, schreiben die Studienautoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Sleep, Volume 42, Issue Supplement_1, April 2019, Page A322, https://doi.org/10.1093/sleep/zsz067.800

(Cyber-)Bullying: Eine Frage der Gerechtigkeit

20.11.2019 Im Internet herrschen andere Voraussetzungen als auf dem Schulhof. Körperliche Stärke spielt keine Rolle mehr, durch Anonymität ist keine Strafe zu befürchten. Die Mechanismen, die sowohl online als auch offline zu Bullying führen, sind jedoch ganz ähnlich.

Das zeigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Institut für Pädagogik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Sowohl Tätern als auch Opfern fehlt das Vertrauen in eine gerechte Welt.

"Cyber-Bullying ist viel weniger zeit- und ortsgebunden", sagt Dr. Matthias Donat. Klassisches Bullying findet auf dem Schulhof oder im Klassenzimmer statt. Zu Hause haben die Schüler, die schikaniert werden, normalerweise Ruhe. Beim Cyber-Bullying ist das anders. "Sobald ich das Smartphone in die Hand nehme, geht das Bullying weiter", sagt Donat. Ganz klar trennen ließen sich online und offline jedoch nicht, so Donat. Schließlich hat heute fast jeder Schüler ein Smartphone. Es gebe allerdings Unterschiede.

So komme es im Internet nicht auf körperliche Stärke an. Teilweise verschwinden dort die Grenzen zwischen Tätern und Opfern. Es gebe auch Bullying-Opfer, die sich online rächen. Dennoch gingen er und seine Kolleginnen von der Abteilung pädagogische Psychologie am Institut für Pädagogik der MLU davon aus, dass die dahinterliegenden Mechanismen ähnlich sind.

In früheren Studien konnten sie zeigen, dass der sogenannte Gerechte-Welt-Glaube eine wichtige Rolle für Offline-Bullying spielt. "Wir verstehen den Gerechte-Welt-Glauben als Persönlichkeitsmerkmal, das sich bereits in der Kindheit entwickelt", so Donat. Es gehe um die Überzeugung, dass jeder bekommt, was er verdient und verdient, was er bekommt. Schüler, die nicht an eine gerechte Welt glauben, neigen eher dazu, andere zu schikanieren. Umgekehrt ist aber auch bei Bullying-Opfern der Glaube an eine gerechte Welt schwach ausgeprägt.

Diesen Zusammenhang konnten die Forscher in ihrer aktuellen Studie auch für den Online-Bereich zeigen. Dafür wurden über 1.000 Schüler der achten Klasse aus verschiedenen Schulformen zu ihrer Internetnutzung sowie zu ihrem Cyber-Bullying-Verhalten beziehungsweise ihren Erfahrungen befragt. Neben dem Gerechte-Welt-Glauben wurden auch weitere Persönlichkeitsmerkmale, etwa Empathie, abgefragt.

"Sowohl bei Tätern als auch Opfern von Cyber-Bullying ist der Glaube an eine gerechte Welt gering", sagt Donat. "Wir erklären uns das aber unterschiedlich." Die Ergebnisse der Studie zeigen nämlich auch, dass Täter sich vor allem von Lehrkräften ungerecht behandelt fühlen, Opfer jedoch von ihren Mitschülern.

Einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Gerechte-Welt-Glaube und Bullying herzustellen, sei aufgrund des Studiendesigns jedoch schwierig. Dafür bräuchte es aufwändige Langzeitstudien. "Wir gehen von wechselseitigen Beziehungen aus", sagt Donat. Denn auch wenn sich der Gerechte-Welt-Glauben in der Kindheit zu entwickeln beginnt, konnten Studien bereits zeigen, dass er sowohl erschüttert als auch gestärkt werden kann.

Um Bullying in Schulen zu vermeiden, schlagen die Forscher daher vor, dass Lehrer im Klassenzimmer besonders auf Gerechtigkeit achten sollen. "Fühlen Schüler sich von ihren Lehrern gerecht behandelt, neigen sie weniger zu Bullying", so Donat. Das helfe auch den Opfern.

Lehrer sollten außerdem darauf achten, dass sich die Schüler gegenseitig gerecht behandeln, und mit ihnen über Gerechtigkeit und das subjektive Empfinden von Gerechtigkeit sprechen.

Quellenangabe: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Social Psychology of Education (2019). doi: 10.1007/s11218-019-09530-5

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