Mobbing: Ratschläge, Rat, Tipps

Ratschläge an Opfer meist nicht hilfreich

17.05.2017 Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz erhalten oft viele Ratschläge von Mitarbeitern und Familienangehörigen. Während diese meist gut gemeint sind, sind viele dieser Ratschläge unpraktisch oder machen die Situation sogar noch schlimmer laut einer im Fachblatt Journal of Applied Communication Research publizierten Studie.

Wenn man Mobbing selbst nicht erlebt hat, versteht man es nicht und es ist auch schwer, sich das vorzustellen, sagte Studienautorin Stacy Tye-Williams von der Iowa State University.

Der Tipp zu kündigen

Und doch, hindert es Arbeitskollegen, Familienangehörige und Bekannte nicht, Rat und Tipps zu geben, weil sie helfen wollen. Der häufigste Rat ist, den Job hinzuschmeissen.

Zu kündigen ist nicht nur eine finanziell unvernünftige Option, sagte Tye-Williams, viele Opfer fühlen sich auch unschuldig und sollten nicht die Arbeit verlieren, die sie gerne machen.

Sie fühlen das "moralische Recht" auf ihrer Seite und sind bereit, die Misshandlungen hinzunehmen, damit der Mobber nicht gewinnt. Still zu leiden verbessert die Situation aber meist nicht für die Opfer, sagte sie.

Die Top-Five der Empfehlungen

Die häufigsten fünf Empfehlungen an die Betroffenen waren:

  1. Kündige oder geh aus der Situation raus - 27 Prozent.
  2. Ignoriere es oder überhöre es; laß es vorübergehen - 23 Prozent.
  3. Greif den Mobber an - 17 Prozent gegenüber.
  4. Bleibe ruhig und gelassen - 10 Prozent.
  5. Melde das Mobbing - 10 Prozent.

Einem kleinen Prozentsatz der Opfern wurde auch geraten, den Täter "zu schlagen" oder "die Sache zu beenden".

Was raten die Opfer anderen Mobbingopfern?

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Bild: Ulrike Mai

Viele Opfer fürchteten Vergeltung oder weitere Erniedrigungen, wenn sie direkt den Täter ansprachen und damit konfrontierten, und wegen Ermangelung besserer Alternativen tun sie nichts gegen die Misshandlungen.

Trotz der schlechten Ratschläge, die sie selbst erhalten, sagten die meisten Opfer, dass sie anderen in ihrer Situation dasselbe raten würden. Dies erschien den Forschern am Anfang rätselhaft, aber bald wurde ihnen klar, dass die Opfer einfach keine Strategien hatten, um mit den Mobbingtätern angemessen umzugehen.

Die Opfer fühlten sich tatsächlich wie erstarrt und wussten nicht, was man gegen Mobbing tun kann.

Was tun?

Um eine Methode oder Modell zu entwickeln, wie man mit Arbeitsplatzmobbing umgeht, muss man mit einem offenen Dialog beginnen, in dem die Leute (mit)teilen können, was bei ihnen funktioniert hat, und im Brainstorming kreative und unterschiedliche Lösungen erarbeiten, sagte Tye-Williams.

Ein wichtiger Anfang ist, einen nützlicheren Rat zu entwickeln, und erzählen, wie Opfer erfolgreich ihre Situation gemeistert haben.

Das Beste, was Familienmitglieder, Freunde und Kollegen machen können, ist, einfach ohne Bewertung und Verurteilung zuhören, um den Mobbingopfern bei der Suche nach verfügbaren Optionen zu helfen, sagte sie.

Sich nicht aufregen?

Den Ratschlag zu geben, keine Emotionen (nicht zu weinen, sich nicht aufzuregen) zuzulassen, setzt die Mobbingerfahrung herab und ist nicht hilfreich. Dies ist ein befremdlicher Ratschlag, sagte Tye-Williams, angesichts der emotionalen Qualen, die die Betroffenen oft durchmachen.

Es ist wichtig, dass die Opfer über traumatische Arbeitserlebnisse sprechen und ihnen erlaubt wird, ihre sehr normalen Gefühle auszudrücken, schreibt sie.

Stilles Erdulden

Einige Mobbingopfer, denen gesagt wird, sie sollten sich beruhigen, hören auf, über die Misshandlungen zu erzählen und fangen an, sie still zu erdulden.

Deshalb ist es wichtig, den Opfern einen sicheren Ort zu bieten, um über die Situation offen zu sprechen, damit sie merken, dass ihnen zugehört wird, sagte Tye-Williams.

Vorgesetzte, Personal-Betriebsleiter

In ihrer Forschungsarbeit fand sie allerdings heraus, dass Vorgesetzte oder Personal-Betriebsleiter die Opfer oft nicht ernst nehmen, und dass das Problem nicht gelöst wird.

Tye-Williams sagt: In vielen Fällen erwarteten die Vorgesetzten, dass die Angestellten die Situation selbst auflösten. Doch solch eine Fehlwahrnehmung und Erwartung verkennt die Komplexität und Irrationalität von Mobbing am Arbeitsplatz.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Iowa State University, Journal of Applied Communication Research - DOI: 10.1080/00909882.2017.1288291; Mai 2017

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