Mobbing in der Schule: Lehrer (Maßnahmen)

Psychische Probleme - Mobbing

Langfristige Maßnahmen von Lehrern

17.01.2017 Eine im Klinkhardt-Verlag veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass kooperative Ansätze gegen Gewalt und Mobbing in der Schule besser langfristig greifen als autoritäre.

Die dreijährige Studie der Universität Potsdam und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg "Lehrerhandeln bei Gewalt und Mobbing" untersuchte, wie Lehrer in Situationen reagieren, in denen es zu Mobbing und Gewalt gekommen ist.

Dazu befragten sie über 2.000 männliche und weibliche Schüler und 550 Lehrer und Lehrerinnen in Sachsen

Ergriffene Maßnahmen

Am häufigsten - unabhängig von der Form der Gewaltakte und des Mobbingverhaltens - suchten die Lehrer das Gespräch mit den involvierten Schülern.

Deutlich dahinter kamen dann Disziplinarmaßnahmen wie: gestisches oder mimisches Eingreifen und andere Maßnahmen.

Selten kam es zur Zusamnenarbeit mit dem Lehrerkollegium, der Schulklasse; auch langfristige Interventionen auf Schul- oder Klassenebene gab es selten.

Doch diese seien langfristig die Vielversprechendsten, schreiben die Studienautoren Prof. Dr. Wilfried Schubarth und der Psychologe Prof. Dr. Ludwig Bilz.

Wirksamkeit

"Es ist kein Wunder, dass die ergriffenen Maßnahmen oftmals verpuffen und nicht die erhoffte Wirkung erzielen. Auf Dauer wirksamer ist es, die gesamte Klasse und das Kollegium einzubeziehen. Bisher dominieren Hilfsangebote für Einzelne in der Praxis, während nur knapp 20 Prozent der Schülerschaft von kooperativen Angeboten berichten. Rund 30 Prozent haben autoritäre Reaktionen durch Lehrkräfte beobachtet", erklärt Schubarth.

bullying

"Wir haben herausgefunden, dass Lehrkräfte besonders dann intervenieren, wenn ihr Verständnis von Gewalt breit ist und sie beispielsweise soziale Ausgrenzung und Hänseleien erkennen. Lehrer, deren Verständnis für Gewalt sich auf körperliche Gewalt beschränkt, greifen seltener ein", schreibt der Psychologe Bilz.

"Das hat Folgen für die Schüler: In den Klassen, in denen Lehrer ein breites Gewaltverständnis besitzen, gibt es deutlich mehr Mädchen und Jungen, die bei einer Mobbing-Situation einschreiten würden. Wir empfehlen deshalb die Arbeit am Gewaltverständnis der Lehrer und Schüler, um so die Sensibilität zu erhöhen."

Erkennen von Mobbing-Verhaltensweisen

Die Studienautoren haben außerdem die Lehrer auf deren Fähigkeit befragt, wie gut sie die Mobbing-Verhaltensweisen ihrer Schüler erkennen würden.

"Wir haben Lehrer gefragt, welche Schüler in ihren Klassen Täter und welche Opfer sind. Erstaunlich war, dass ihnen die Identifikation zwar generell schwerfiel, der Täterstatus aber bei besonders leistungsstarken und -schwachen Schüler besser erkannt wurde", sagte Schubarth.

Zusammenfassend schlagen die Wissenschafter eine "gemeinsame Strategie auf der Basis eines Wertekonsenses" als wirksamste Lösung gegen Schulmobbing und -gewalt vor.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Klinkhardt-Verlag, idw-online, Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg; Jan. 2017

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