Weniger Stress im Ruhestand?

Der Ruhestand führt zu weniger Stress, aber nicht für ärmere Menschen

16.05.2017 Laut einer im Fachblatt Journal of Gerontology veröffentlichten Studie der Universität Manchester scheint der Ruhestand unterschiedliche Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit (insbesondere Stress) zu haben - abhängig vom sozioökonomischen Status im Berufsleben.

Die neue Studie zeigt, dass ärmere Menschen oder Personen in Berufen mit einem niedrigeren Status häufig eine schlechtere Gesundheit und höhere biologische Stressresponse-Werte im Ruhestand haben, während Personen in Jobs mit einem hohen Status geringere Stress-Niveaus haben.

Cortisol-Verlauf

Für die Studie untersuchten die Forscher die Cortisol-Werte (zu fünf Zeitpunkten über den Tag verteilt) von Angestellten (aus niedrigen, mittleren und hohen Positionen) vor und nach dem Eintritt in den Ruhestand, und verglichen sie mit denen von Angestellten, die weiter arbeiteten.

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Bild: Gerd Altmann

Cortisol ist ein Stress-Hormon, das einem täglichen Verlaufsprofil folgt: 30 Minuten nach dem Aufwachen ist es auf dem Höhepunkt und ist dann zur Schlafenszeit auf ein sehr niedriges Niveau zurückgekehrt.

Stressoren stören den Verlauf

Stressfaktoren stören das tägliche Profil von Cortisol, resultierend in hohen Werten von Cortisol und einem flacheren täglichen Abfallen vom morgendlichen Hoch bis zur Schlafenszeit, schreiben die Wissenschaftler.

Ein flacherer täglicher Cortisol-Abfall ist ein Schlüssel-Biomarker, der mit erhöhtem Stress und kardiovaskulärer Sterblichkeit verbunden ist, sagen sie.

Stressreduktion im Ruhestand

Die Studienbefunde zeigen, dass der Ruhestand mit einem niedrigeren Stress-Niveau insgesamt verbunden war.

Diejenigen, die sich kürzlich aus dem Arbeitsleben zurückgezogen hatten, zeigten einen steileren täglichen Abfall im Vergleich zu denjenigen, die noch beschäftigt blieben.

Vorteile nur durch Jobs mit hohem Status

Doch eine tiefere Analyse der Daten zeigte, dass der Nutzen des Ruhestandes auf die Senkung der biologischen Stress-Ansprechwerte nur auf diejenigen in Jobs mit einem hohen Status beschränkt war.

Arbeiter in Jobs mit dem niedrigsten Status hatten flachere tägliche Cortisol-Verläufe im Vergleich zu denjenigen in den Spitzenjobs. Und der Ruhestand hat diese Unterschiede bei den biologischen Stress-Werten erhöht laut den Befunden der Studie.

Grund für unterschiedliche Gesundheitsverläufe im Alter

Warum verringern sich die biologischen Stresswerte nicht, wenn man nicht mehr einer Arbeit mit geringem Status nachgehen muss; dies erscheint kontraintuitiv, sagte Studienautorin Dr. Tarani Chandola.

Dies könnte daran liegen, dass Arbeiter, die sich aus Jobs mit einem niedrigen Status zurückziehen, einem erhöhten finanziellen Druck und anderen Problemen im Ruhestand konfrontiert sehen, vermutet sie.

Die Befunde könnten damit zumindest teilweise die Muster sozialer Unterschiede bei der Gesundheit im höheren Alter erklären, schließt Chandola.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Manchester, Journal of Gerontology - dx.doi.org/10.1093/geronb/gbx058; Mai 2017

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