Psychologische Distanz

Psychologie-Lexikon

Definition

Die psychologische Distanz beeinflusst das Ausmaß, in dem wir über ein Ereignis, eine Person oder eine Idee auf hoher oder niedriger Ebene denken, und dies wird beeinflussen, wie konkret oder abstrakt diese Gedanken sind.

High level construal (hohe Abstraktionsstufe): Wenn man auf dieser Ebene distanziert denkt, betrachtet man das Ganze oder das "Big-Picture" (das große Ganze), nicht die Details. Beim High level construal konzentrieren sich die Menschen auf zentrale Merkmale, die den Gesamtzusammenhang der Situation oder des Objekts erfassen.

Low level construal ist, wenn Menschen konkreter denken; es ist mit psychologischer Nähe verbunden (man denkt mehr im "Hier und Jetzt"). Wenn Menschen auf geringer Abstraktionsstufe denken, konzentrieren sie sich sehr detailliert auf die Gegenwart. Auf der niedrigen Ebene - psychologisch nah - konzentrieren sich die Menschen auf die peripheren, sekundären Merkmale, die für den Gesamtzusammenhang der Situation oder des Objekts weniger wichtig sind.

Dies sind Begriffe aus der Construal Level Theory (CLT) - einer Theorie aus der Sozialpsychologie, die die Verknüpfung zwischen psychologischer Distanz und geistiger Abstraktion beschreibt. In der CLT geht eine hohe psychologische Distanz (High level construal) mit einer hohen Stufe an mentaler Abstraktion einher und umgekehrt.

Nach der construal level theory nehmen die Menschen Ereignisse wahr, die in verschiedenen Kategorien von psychologischer Distanz variieren:

Unter Sozialpsychologen wird auch diskutiert, ob es weitere Kategorien wie eine informative, erfahrungsmäßige oder affektive Distanz gibt.

Das große Ganze im Auge behalten, kann die Entscheidungsfähigkeit verbessern

14.07.2018 Eine in der Fachzeitschrift Organizational Behavior and Human Decision Processes publizierte Stude legt nahe, dass eine größere persönliche Distanz von einer Entscheidung den größten Nutzen für einen selbst und andere bringen kann.

Ein Schlüssel zur Maximierung des Nutzens für jeden ist die Erkenntnis, dass gelegentlich die beste Entscheidung für einen selbst, allen anderen am meisten nützen wird, sagt Hauptautor Paul Stillman vom Fachbereich Psychologie der Ohio State Universität.

In der Studie stellten Stillman und seine Kollegen fest, dass die Menschen dazu neigten, die effizienteste Entscheidung zu treffen - diejenige, die den größten Gesamtwert für die Gruppe ergab -, wenn sie das Gesamtbild betrachteten oder den Wald vor lauter Bäumen sahen.

High-Level-Construal

Diese "Big Picture"-Perspektive ist das, was Psychologen als "High-Level-Construal" (hohe Abstraktionsstufe) bezeichnen und bedeutet, psychologische Distanz zur Entscheidung zu schaffen.

gesichter auf distanz
Bild: Gerd Altmann

Die Distanz kann z.B. Zeit sein, wenn man eine Veranstaltung auf ein Jahr hin plant. Oder sie kann (räumlich) entfernt sein, weil sie Personen oder Orte miteinbezieht, die weit entfernt sind, oder weil man eher eine hypothetische als eine reale Situation betrachtet, sagte Stillman. (Zur Definition)

High-Level-Construal ermöglicht es einem, zurückzutreten und die Konsequenzen der Entscheidung zu sehen und klarer zu sehen, wie man am besten Ressourcen zuteilen könnte, sagte er.

In einem Experiment sollten die Versuchsteilnehmer eine Aufgabe lösen, die sie dazu veranlasste, abstrakter oder unmittelbarer und gegenwärtiger zu denken. Einige Teilnehmer hatten das Ziel, die Gesundheit zu verbessern, und sollten eine Liste von Zielen erstellen, die ihnen dabei helfen könnten, wie man z.B. ein "längeres Leben" erreicht. Das brachte sie in eine psychologisch distanziertere - in eine "Big-Picture"-Stimmung.

Andere wurden aufgefordert, eine Liste zu erstellen, wie sie das Ziel einer besseren Gesundheit erreichen können, wie z.B. "sportlich aktiver zu werden". Das brachte sie in eine psychologisch nähere - in eine gegenwärtigere Stimmung.

Alle Teilnehmer spielten dann ein Wirtschaftsspiel, in dem sie neun Entscheidungen darüber treffen mussten, wie sie ihr Geld mit vier anderen Personen teilen sollten. Man sagte ihnen, dass die anderen nicht wüssten, wer die Entscheidung traf, und keiner der Teilnehmer konnte das Geld weitergeben.

Nutzen-Maximierung

Für die Hälfte der Teilnehmer bedeutete die Maximierung des Nutzens immer die Bevorzugung anderer. Zum Beispiel, für jeden $1, den sie sich selbst im Spiel gaben, verlor jeder der anderen vier Leute $9, während die Situation für die andere Hälfte der Teilnehmer umgekehrt war - maximaler Nutzen bedeutete immer, sich selbst zu bevorzugen.

Die Ergebnisse zeigten, dass Teilnehmer, die angeregt worden waren, das große Ganze zu sehen (High-Level-Construal), wahrscheinlicher als die anderen Entscheidungen trafen, die den Gesamtwert maximierten - ob sie nun diejenigen waren, die am meisten profitierten, oder ob es die anderen waren.

Eine zweite Studie war ähnlich, aber in diesem Fall verwendeten die Psychologen eine andere Methode, um bei einigen der Teilnehmer psychologische Distanz zu schaffen. Die Hälfte der Teilnehmer wurde darauf hingewiesen, dass die Belohnungen in einem Jahr verteilt werden (was zu einem Big-Picture-Denken führen würde) und die andere Hälfte wurde darauf hingewiesen, dass sie morgen verteilt werden (geringere mentale Abstraktionsstufe).

Dem "Hier und Jetzt" überlegen

Wie in der ersten Studie waren eher die Teilnehmer mit der größeren psychologischen Distanz in der Lage die Maximierung des Gesamtwertes für die Gruppe zu erreichen, unabhängig davon, ob sie davon am meisten profitiert haben oder nicht.

Zwei weitere Experimente mit unterschiedlichen Szenarien bestätigten diese Ergebnisse.

Insgesamt, so schreiben die Psychologen, zeigen die Ergebnisse einen Weg, um Verschwendung und Ineffizienz bei der Entscheidungsfindung zu minimieren und den Nettogewinn für alle zu maximieren.

Wenn man eine gewisse psychologische Distanz zu seiner Entscheidung schafft, neigt man dazu, die Dinge eher im Einklang mit den langfristigen Zielen zu sehen, und man kann über die unmittelbaren Überlegungen des Hier und Jetzt hinausblicken, sagte er.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Organizational Behavior and Human Decision Processes - DOI: 10.1016/j.obhdp.2018.05.004

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