Rechts-Links-Schwäche (Psychologie)

Psychologie-Lexikon

Psychologen untersuchten die Ursachen für die Rechts-Links-Schwäche

17.10.2020 Warum verwechseln viele die rechte mit der linken Seite und umgekehrt? Links und rechts sind symmetrisch, also gibt es keinen wirklich klaren Unterschied zwischen ihnen, erklärt Ineke van der Ham, Neuropsychologin von der Universität Leiden.

Fast niemand hat ein Problem mit oben und unten oder vorne und hinten, weil sie den Unterschied sehen können. Zeit für ein wenig psychologische Forschungsarbeit.

Wie viele verwechseln die rechte mit der linken Seite?


Bild: pixabay

Auf Nachfrage sagten 15 % der Befragten in der aktuellen Studie, dass sie nicht zwischen links und rechts unterscheiden können, und 85 % sagten, das sei kein Problem für sie.

Die anschließenden Experimente ergaben jedoch ein anderes Bild: 46 Prozent der 485 Teilnehmer konnten den Unterschied erkennen, aber nicht weniger als 42% benötigten Hilfe, um zwischen den beiden Seiten zu unterscheiden, und wiesen damit eine Rechts-Links-Schwäche auf.

Strategien

Die Psychologen konnten beobachten, dass verschiedene Strategien entwickelt worden waren. Sie benutzen ihre Hände, indem sie zum Beispiel mit Daumen und Zeigefinger ihrer linken Hand eine L-Form machen, oder sie erinnern sich, mit welcher Hand sie schreiben, oder sie tragen vielleicht links oder rechts etwas Schmuck als Orientierungspunkt.

Was genau tun wir, wenn wir versuchen zu bestimmen, ob etwas links oder rechts ist? Die Forscher untersuchten, wie wir unseren eigenen Körper einsetzen, wenn wir uns zwischen links und rechts entscheiden müssen.

Einsatz des Körpers

In einem Experiment wurde den Teilnehmern ein Bild einer Puppe gezeigt, und sie mussten so schnell wie möglich angeben, welche Hand, die linke oder die rechte, rot gefärbt war.

Sie sahen die Puppe in allen möglichen verschiedenen Positionen: von vorne, von hinten, mit verschränkten oder nicht verschränkten Armen. Um zu sehen, ob das Verwirrung stiftete, hielten die Testpersonen ebenfalls die Hände in neutraler Position oder gekreuzt.

Wenn sich die Puppe in der gleichen Position wie der Teilnehmer befand, wurde die richtige Antwort am schnellsten gegeben. Es machte überhaupt keinen Unterschied, was die Teilnehmer mit ihren eigenen Händen taten.

Van der Ham: Diese Ergebnisse zeigen, dass wir bei der Angabe von links oder rechts hauptsächlich unser fixiertes Wissen über unseren eigenen Körper nutzen. Das Überkreuzen der eigenen Arme oder gar die Hände unter eine Decke zu legen, hatte keinen Einfluss auf den Test.

Viel üben

Wie kommt es, dass viele Menschen keine Rechts-Links-Schwäche haben bzw. kein Problem damit, zwischen links und rechts zu unterscheiden?

Van der Ham: Es ist wahrscheinlich, dass der Prozess für sie schon in sehr jungem Alter automatisch wurde.

Auf die Frage, ob man lernen könne, seine Leistung zu verbessern, wenn man es schwierig findet, antwortete Van Ham: Kinder sollten viel üben, damit sie es automatisch machen. Auf diese Weise lernen sie auch die Zeittafeln.

Es ist viel schwieriger, das in einem späteren Alter zu lernen, also ist die beste Alternative, eine bestimmte Strategie zu wählen, wie zum Beispiel die L-Form mit der linken Hand zu machen oder sich zu erinnern, mit welcher Hand man schreibt, und eine Rechts-Links-Schwäche auszugleichen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Quarterly Journal of Experimental Psychology (2020). DOI: 10.1177/1747021820968519

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