Mimikforschung (Mimik u. Psychologie)

Allgemeine Psychologie

Mimikforschung: Psychologie, die sich mit Entstehen, Erleben, Funktionen der Mimik, des Gesichtsausdrucks beschäftigt. Mit Mimik oder Gesichtsausdruck werden die sichtbaren Bewegungen des Gesichts bezeichnet. Sie kann Gefühle oder Aussagen ausdrücken.

Mit Sonnenbrille gelassener durchs Leben

Ein Forscherteam um Daniele Marzoli testete die Theorie, dass die Stimmung durch die Mimik einer Person beeinflusst werden kann; sie untersuchten, ob unwillkürliches sonneninduziertes Stirnrunzeln eine Auswirkung auf die Gefühlslage einer Versuchsperson hat.

Emotionale Reaktion durch Stirnrunzeln?

Die in Cognition & Emotion herausgegebene Forschungsstudie untersuchte, wie der Gesichtsausdruck eine emotionale Reaktion auslösen kann.

smiley-sonnenbrille

137 weibliche Teilnehmer im Alter zwischen 18-40 und 145 männliche Teilnehmer im Alter zwischen 18-39 nahmen an der Studie teil. Das Experiment fand am Strand statt, und die eine Hälfte der Teilnehmer trug eine Sonnenbrille, die andere nicht.

Einige gingen mit der Sonne im Rücken und andere auf die Sonne zu. Die Teilnehmer wurden zufällig ausgewählt und sollten in einem Fragebogen Auskunft über ihre Verärgerung und Aggressionen geben.

Weniger Aggressivität bei Sonnenbrillen-Trägern

Diejenigen, die der Sonne entgegen gingen berichteten über größere Aggressivität als jene, die die Sonne im Rücken hatten, oder diejenigen, die eine Sonnenbrille trugen.

Obwohl die Mehrheit der Teilnehmer berichtete, dass sie sich nicht vom Sonnenlicht beeinflusst fühlten, stand die selbstberichtete Aggression in direkter Verbindung mit dem Ausmaß ihrer Irritation durch die Sonne in ihren Augen.

Insgesamt gingen diese Befunde konform mit der Ansicht der Autoren, dass Verärgerung der Ausdruck ist, der am stärksten durch das von der Sonne hervorgerufene Stirnrunzeln widergespiegelt wird, und bestätigt die vielen Laborbefunde, die eine kausale (ursächliche) Verbindung zwischen der Kontraktion der Gesichtsmuskeln und anhaltenden emotionalen Reaktionen demonstrierten.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Chieti-Pescara / Cognition & Emotion, Jan. 2014

Computer erkennt Mimik des Menschen

Forscher der Ohio State University in den USA ließen einen Computer darauf 'trainieren', 21 verschiedene Gesichtsausdrücke zu erkennen.

mimiken

Das Team ließ einen Computer Fotos der Gesichter von 230 Freiwilligen - hauptsächlich Collegestudenten - analysieren. Die Fotos wurden gemacht, während die Teilnehmer auf verbale Reize (mit unterschiedlichen Mimiken) reagierten.

Jedes Bild wurde dann von einem Programm - dem 'Facial Action Coding System' - auf Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Mimik untersucht.

Es stellte sich heraus, dass die Software 21 deutliche Emotionen erkennen konnte, inklusive 'freudig überrascht' oder 'traurig-böse'. Dies ist eine Verdreifachung dessen, was von Forschern für die kognitive Analyse bislang geschafft wurde.

Autor Aleix Martinez sagte der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences: "Das zeigt uns, dass fast jeder diese 21 Emotionen auf dieselbe Weise durch seine Mimik ausdrückt - zumindestens in unserer Kultur."

Die Forscher hoffen, dass die Technik zukünftig für die Diagnose und Behandlung von psychischen Störungen wie Autismus und Posttraumatische Belastungsstörung hilfreich sein könnte.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Ohio State University, April 2014

Ansonsten finden sicherlich auch NSA oder andere Überwachungsorgane Verwendung für die Software: In Blitzesschnelle anhand der Mimik den emotionalen Zustand eines Menschen zu erfassen, wäre sicherlich ein nettes neues Spielzeug für die 'Gedankenpolizei'. ;-)

Weniger Emotionen durch Botox?

Für Botox-Benutzer, die darum besorgt sind, dass die muskellähmenden Spritzen ihrem Gesicht die Fähigkeit nehmen, Emotionen zu zeigen, zeigt eine neue Studie, dass sie sich tatsächlich darum sorgen sollten. Menschen, denen das Toxin injiziert wird, können tatsächlich in ihren Emotionen gedämpft werden.

Die Studie wurde in der Juniausgabe der Zeitschrift Emotion herausgegeben.

Botox kann temporär auch Emotionen lähmen

Forscher am Barnard College in New York City stellten fest, dass Gesichtsausdrücke eine Rolle dabei spielen, wie sich Ihre Emotionen entwickeln, nicht nur darin, wie Sie sie zeigen, damit andere sie sehen.

Mimik beeinflusst Emotionen

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Bild: Botulinum neurotoxin (Botox)

Die Studie meint, dass Mimik selbst emotionale Erfahrungen durch eine Art Rückmeldeschleife beeinflussen können. Kurz: Botox - ein Toxin, das Muskeln schwächt oder lähmt - ändert nicht nur das Aussehen, sondern scheint auch wirklich Emotionen zu dämpfen.

"Im grösseren Zusammenhang, passt die Arbeit mit verbreitetenen Auffassungen zusammen, wie: 'fake it till you make it', sagt Mitautor Joshua Davis, ein Psychologieprofessor am Barnard College in einer Pressemitteilung.

"Mit dem Aufkommen von Botox ist es jetzt möglich, mit Leuten zu arbeiten, die eine temporäre, reversible Paralyse der Muskeln haben, die an Gesichtsausdrücken beteiligt sind.

Die Muskel-Paralyse erlaubt uns, die Wirkungen des Gesichtsausdrucks und der anschließenden sensorischen Rückmeldung auf das Gehirn zu isolieren, das durch andere Faktoren folgen würde, wie: Absichten, die sich auf die Mimik beziehen, und motorische Befehle um einen Gesichtsausdruck zu zeigen."

Durch Botox weniger Rückmeldung im Gehirn

Davis erklärte, dass "mit Botox, eine Person auf ein emotionales Ereignis z.B. eine traurige Filmszene reagieren kann, aber weniger Bewegung in den Gesichtsmuskeln hat, die injiziert worden sind, und deshalb weniger Rückmeldung im Gehirn über solch verminderte Gesichtsexpressivität ankommt.

Auf diese Art wird ein Test möglich, ob Mimik und die sensorische Rückmeldung von ihr zum Gehirn, unsere Emotionen beeinflussen können."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Emotion, Juni 2010

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