Positive Einstellung gegenüber dem Älterwerden

Psychologie-Lexikon - Gerontopsychologie

Zusammenhang zwischen längerem Leben und der positiven Einstellung gegenüber dem Altern

12.04.2020 Alt werden ist ein Ziel der meisten Menschen. Wie alt man wird, kann nicht nur von der eigenen Einstellung zum Älterwerden abhängen, sondern auch von der Einstellung der Menschen um einen herum.

Psychische Gesundheit und längeres Leben

Eine Studie von Orb Media konnte zeigen, dass Menschen mit einer positiven Einstellung zum Älterwerden länger leben und eine bessere psychische Gesundheit haben.

Personen, die das Altern als etwas Schlechtes ansehen, erleiden mit größerer Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder sterben einige Jahre früher, schreiben die Autoren.

Gesundes Altern

Warum ist gesundes Altern wichtig? Weil laut Orb im Jahr 2050 fast jeder sechste Mensch auf der Welt über 65 Jahre und fast eine halbe Milliarde über 80 Jahre alt sein wird.

Becca Levy, Professorin für Epidemiologie an der Yale School of Public Health, erforscht seit den 1990er Jahren die Einstellung zum Altern.

Faktor Stress

In einer ihrer Studien fand Levy heraus, dass US-Amerikaner mit positiveren Ansichten über das Altern 7,5 Jahre länger lebten als jene mit negativen Ansichten. Studien in Deutschland und Australien haben zu ähnlichen Ergebnissen geführt.

Sie führt dies auf das Stressniveau zurück. Studien haben gezeigt, dass chronischer Stress nicht nur das Gehirn altern lässt, sondern eine Person auch auf zellulärer Ebene verändern und den Alterungsprozess beschleunigen kann.

Einstellung der Kultur

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Bild: pixabay

Die Studie von Orb fand auch heraus, dass die Einstellung einer Kultur gegenüber ihren älteren Bürgern einen tiefgreifenden Einfluss haben kann. Sie befragte 150.000 Menschen in 101 Ländern nach ihren Erfahrungen und Meinungen bezüglich des Alterns und der älteren Menschen.

Auf einer Skala von 1 (sehr geringer Respekt) bis 5 (sehr hoher Respekt) fand Orb heraus, dass die durchschnittliche globale Einstellung insgesamt 3,75 beträgt. Die Durchschnittswerte in den einzelnen Ländern reichen von 2,75 bis 4,8. Ungarn und Usbekistan belegten mit 4,8 den Spitzenplatz.

Pakistan, mit seiner langen Tradition des Respekts vor den Älteren, gehörte zu den Ländern, die am besten abschnitten.

Diese Einstellung zum Älterwerden ist eine viel gesündere Einstellung zum Alterungsprozess, als wenn alle Vorstellungen von Wohlbefinden und Attraktivität und Selbstwert so eng an die Jugend gebunden sind, sagte Faiza Mushtaq, Assistenzprofessor für Soziologie am Institute of Business Administration in Karatschi, Pakistan.

Die Vereinigten Staaten z.B. gehörten zu den zehn Schlusslichtern, zusammen mit Venezuela, das die achtschlechteste Einstellung zu seiner alternden Bevölkerung hat.

Levy betont, dass Menschen kulturelle Stereotypen ignorieren sollten und selbst entscheiden können, wie sie sich dem Alter und dem Älterwerden nähern wollen. Menschen, die weniger fernsehen, sich weniger auf den Plattformen der sozialen Medien aufhalten und resilientere (psychisch widerstandsfähigere; s.a. Resilienz im Alter) Persönlichkeiten haben, würden nämlich dem Älterwerden eher positiv gegenüberstehen, sagte Levy.

Die Menschen verwechseln immer wieder Altern und Sterben

Das Ändern von Stereotypen ist kein einfaches Unterfangen. Menschen entwickeln ihre Ansichten über das Altern bereits im Kleinkindalter, sagt Corinna Loeckenhoff, eine außerordentliche Professorin für Gerontologie in der Medizin am Weill Cornell Medical College, die sich kulturübergreifend mit Altersstereotypen beschäftigt hat.

Aber diese Ansichten ändern sich auch aufgrund von Erfahrungen. Leider beruhen negative Überzeugungen oft auf unzutreffenden Eindrücken.

Wenn Menschen älter werden, bleibt ihr Gesundheitszustand in der Regel bis etwa fünf Jahre vor ihrem Tod stabil, sagt Loeckenhoff. Erst dann werden die meisten Menschen den mit dem Alter verbundenen geistigen und körperlichen Verfall erleben. Die Menschen vermischen immer wieder Altern und Sterben, sagt sie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Orb Media

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