Vorteile des Alterns (Psychologie)

Psychologie-Lexikon - Gerontopsychologie

Ältere Menschen sind gelassener als jüngere Leute,
und sie definieren Emotionen zum Teil anders

08.03.2016 Eine neue Studie hat herausgefunden, dass ältere Menschen ein besseres Verständnis für ihre Emotionen - wie Heiterkeit, Schwermut und Einsamkeit haben - als jüngere Erwachsene.

Verbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen

Rebecca Ready vom Fachbereich für Psychologie und Gehirnforschung an der Universität Massachusetts Amherst glaubt, dass die Ergebnisse "klinisch hochwichtig sind."

Sie nimmt an, dass die Ergebnisse Pflegern, Psychotherapeuten, und Pflegekräften in Wohneinrichtungen des betreuten Wohnens besser helfen können, die Emotionen älterer Menschen zu verstehen. Dass ein älterer Mensch häufig Probleme in einem anderen, und vielleicht auch progressiveren Licht sieht, könnte zu einer verbesserten Behandlung und Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen führen.

Gelassenheit

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Bild: janeb13 (pixabay)

In einer Wortgruppierungsaufgabe verbanden ältere Erwachsene eher positivere emotionale Begriffe mit Gelassenheit - wie fröhlich, glücklich und froh - als jüngere Leute. Die Autoren denken, dass "dieses weitere Konzept zur Gelassenheit" mit der Tatsache verbunden ist, dass Ältere eher über beruhigende positive Emotionen berichten als jüngere.

Traurigkeit, Einsamkeit

Überraschenderweise verbanden jüngere Erwachsene eher negative, abfällige Begriffe mit den Gefühlen Traurigkeit und Einsamkeit - wie: sich zu schämen oder von sich selbst angewidert sein - als ältere Personen.

Wurden andere emotionale Wörter mit Traurigkeit gruppiert, wählten die älteren Teilnehmer eher Wörter wie kleinlaut und schwermütig, während jüngere eher Wörter wählten wie: Unzufriedensein mit sich selbst, beschämt sein, wütend sein und von sich selbst angewidert sein.

Ein ähnliches Muster wurde für das Wort Einsamkeit beobachtet.

An dieser Studie nahmen 32 ältere Erwachsene im Alter zwischen 60 und 92 und 111 jüngere im Alter zwischen 18 und 32 teil.

Die Teilnehmer sollten 70 emotionale Begriffe darauf beurteilen, ob die Wörter eine positive oder negative Konnotation (Nebenbedeutung) hatten, und ob die Wörter eher aktivierten bzw. anregten. Zum Beispiel wurde das Wort 'aufgeregt' allgemein als ein Wort hoher Aktivierung eingeschätzt, während Gelassenheit mit geringerer Aktivierung verbunden wurde. Die Teilnehmer sollten dann ähnliche Wörter zusammengruppieren.

Emotionen waren für Ältere stimulierender

Bereit und Kollegen fanden, dass die Wortgruppierungen der älteren und jüngeren Personen bei vielen Wörtern ähnlich waren, aber sie bemerkten systematische Unterschiede bei den Wörtern Schwermut, Einsamkeit und Gelassenheit.

Sie fanden auch, dass ältere Erwachsene emotionale Begriffe am positiver und aktiver wahrnahmen als jüngere Teilnehmer. Emotionen waren insgesamt für ältere Teilnehmer stimulierender als für die jüngeren.

Auch berichteten die älteren Teilnehmer über weniger depressive Symptome als die jüngeren. Die altersbefingten Unterschiede bei diesen Symptomen berücksichtigend, sagte Ready in der Zeitschrift Aging and Mental Health: "Wir konnten ein tieferes Verständnis über einige relativ unbekannte Vorteile des Alterns gewinnen, wie positivere Emotionen und weniger Scham, die mit den Gefühlen Traurigkeit oder Einsamkeit verbunden sind."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Massachusetts Amherst, Aging and Mental Health; März 2016

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