Placebo-Effekt (Psyche, Psychologie)

Psychologie-Lexikon - Medikamente / Therapien

Definition

Definition: Ein Placebo (lateinisch: 'ich werde gefallen'), andere Schreibweise Plazebo, ist normalerweise eine Zuckerpille oder Vitamintablette und enthält keine Arzneimittel bzw. Wirkstoffe, die eine bestimmte pharmakologische Wirkung zeigen können. Ein Nocebo ('ich werde nicht gefallen') sorgt für eine negative Verstärkung.

Placebos kommen in Studien zum Einsatz um die Wirkungsweise bestimmter Arzneimittel bzw. Psychopharmaka zu testen oder zu überprüfen; in Arztpraxen für die Behandlung (z.B. bei Ratlosigkeit des Arztes oder bei guten Ärzten, die Placebos bei Krankheiten oder Symptomen geben, die von selbst heilen).

Placebos sind oft mindestens genauso wirksam wie die getesteten Medikamente, wie zahlreiche Studien belegen.

Die Wirkung des Placebos: Wie kommt sie zustande?

26.09.2013 Die Befunde eines ausführlichen Überblicks des Placebophänomens und seiner Folgen für die klinische Medizin werden in einem Artikel von Fabrizio Benedetti vom Fachbereich Neurobiologie der Universität von Turin vorgestellt.

Placeboforschung

Dr. Benedettis Forschungsergebnisse orientieren sich auf den gegenwärtigen Stand der Placeboforschung, ein komplexes Feld, welches sich von der Pharmakologie bis zur Neurologie, von der Psychologie bis zur Psychophysiologie, und von der zellulären/molekularen Analyse bis zur modernen Neuroimaging Technik erstreckt.

Dr. Benedetti benutzte biochemische, zelluläre und physiologische Werkzeuge, fasste neue Forschungsbefunde zum Placeboeffekt in der Psychologie und Biologie und ihre Wirkung auf die Arzt-Patient-Beziehung zusammen. Seine Befunde lauten:

Befunde zum Placeboeffekt

Placeboeffekt: Wie kommt er zustande?

Quelle: University of Turin Medical School/Physiological Reviews, Sept. 2013

Psychologische Placebos und die psychische Befindlichkeit

05.02.2019 Eine in Scientific Reports publizierte Forschungsarbeit untersuchte die Wirkung von psychologischen Placebos in der Psychotherapie bzw. auf die psychische Befindlichkeit.

Jens Gaab von der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Basel und Kollegen erforschten die psychologischen Effekte von Placebo in drei Experimenten mit mehr als 400 gesunden Probanden.

Den Teilnehmern wurden kurze Filme gezeigt, die in überwiegend grünen Farben präsentiert wurden. Diese wurden in psychologischen Kontexten gezeigt; Z.B. wurde den Studienteilnehmern dabei erzählt, dass "grün beruhigt, weil es früh geprägte emotionale Schemata aktiviert". Oder die Videos wurden in einem neutralen Kontext vorgespielt.

Psychische Befindlichkeit verbesserte sich

Es zeigte sich, dass die Eigenbewertungen der Teilnehmer zur psychischen Befindlichkeit durch die Betrachtung der Kurzfilme positiver waren, wenn das Placebo "zusammen mit einem psychologischen Narrativ sowie im Kontext einer freundlichen Beziehung verabreicht wurde". Der demonstrierte Effekt war nach der Placebo-Verabreichung am größten, doch auch noch nach 7 Tagen feststellbar.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Placebos außerhalb des medizinischen Kontextes wirksam sind und daher in nicht-medizinischen Studien kontrolliert werden müssen.

Vergleichbar mit Psychotherapie

Gaab bemerkt: "Die beobachteten Effekte waren dabei vergleichbar mit jenen von psychotherapeutischen Interventionen bei gleichen Populationen". Die signifikante Wirkung psychologischer Placebos sei deshalb nicht nur für das Verständnis psychologischer Behandlungen von Bedeutung, sondern auch für Forschung und klinische Praxis, schließt der Wissenschaftler.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Scientific Reports - doi: 10.1038/s41598-018-37945-1

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