Emodiversität: Emotionale(r) Vielfalt, Reichtum

Emotionspsychologie

Emodiversität und das Immunsystem

14.08.2017 Das Immunsystem des Körpers tritt normalerweise bei Krankheiten oder Verletzungen in Aktion, aber wenn es über einen längeren Zeitraum überaktiv ist, können die Konsequenzen schädlich sein.

"Chronische systemische Entzündung" (gekennzeichnet durch erhöhte Mengen an entzündungshemmenden Zytokinen im Körper) ist mit einer Reihe von körperlichen und psychischen Erkrankungen, einschließlich Herzerkrankungen, Diabetes und Depressivität verbunden.

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Bild: Ryan McGuire

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Entzündungsreaktionen teilweise erklären können, wie Emotionen "unter die Haut" gehen und die Anfälligkeit für Krankheiten beeinflussen können. Die aktuelle Studie untersuchte, wie Vielfalt bzw. relativer Reichtum an Emotionen von Personen - die von den Psychologen Emodiversität genannt wurde - mit einer systemischen Inflammation (Entzündung) in Verbindung stehen.

Positive Emotionen waren ausschlaggebend

Die in der Zeitschrift Emotion veröffentlichte psychologische Studie der Wissenschaftler um Anthony D. Ong und Lizbeth Benson von der Cornell Universität stellte fest, dass Menschen mit einer geringeren systemischen Entzündung nicht einfach über mehr Freude bzw. Glücksgefühle berichteten, sondern vielmehr eine größere Vielfalt positiver Emotionen jeden Tag erlebten.

Mit Hilfe der Tagebuch-Daten von 175 Erwachsenen im Alter von 40 bis 65 Jahren, die über 30 Tage am Ende des Tages Berichte über ihre positiven und negativen Emotionen niederschrieben, fanden die Wissenschaftler, dass eine größere Vielfalt bei den täglichen positiven Emotionen mit geringeren Entzündungswerten bei einigen Inflammationsmarkern (vor allem bei IL-6, CRP, Fibrinogen) verknüpft war.

Dies trat unabhängig vom durchschnittlichen Niveau der positiven und negativen Emotionen, Body Mass Index, entzündungshemmenden Medikamenten, medizinischen Erkrankungen, Persönlichkeit und Demographie auf.

Keine Verknüpfung mit negativen Emotionen

Es wurden keine signifikanten Verknüpfungen zwischen insgesamter oder negativer Emodiversität und dem Entzündungsniveau beobachtet.

Diese Erkenntnisse betonen die einzigartige Rolle, so die Psychologen, die tägliche positive Emotionen bei der biologischen Gesundheit spielen.

Die Richtung der Wirkung konnte allerdings nicht bestimmt werden: Es könnte sein, dass eine geringere Emotionsvielfalt durch erhöhte Entzündungswerte verursacht werden, anstatt dass sie sie verursachen.

Wenn es zum Beispiel um Depressionen geht, wird immer noch gestritten, ob erhöhte Inflammationswerte bei Depressionen Ergebnis oder Ursache sind. Es besteht also ein Bedarf an guten Längsschnittstudien, um diese Beziehungen zu klären.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Cornell Universität; Emotion - http://dx.doi.org/10.1037/emo0000343; Aug. 2017

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