Emotionen und die Gene

Wie stark wir auf emotionale Informationen reagieren, wird durch unsere Gene beeinflusst

09.05.2015 Die Gene können beeinflussen, wie empfindlich jemand auf emotionale Informationen reagiert laut einer Studie der University of British Columbia (UBC).

Die Neurowissenschaftler fanden heraus, dass Träger einer bestimmten genetischen Variation positive und negative Bilder emotional lebhafter wahrnahmen, und eine erhöhte Aktivität in bestimmten Gehirnregionen zeigten.

"Die Leute sehen die Welt wirklich unterschiedlich", sagte die Autorin Rebecca Todd. "Für Menschen mit dieser Genvariation, stechen emotionale Dinge in der Welt stärker hervor."

ADRA2b

Das betreffende Gen ist ADRA2b; es beeinflusst den Neurotransmitter Noradrenalin. Vorherige Forschungen von Todd zeigten, dass Träger dieser Deletionsvariante (d.h. es fehlt das Gen) größere Aufmerksamkeit auf negative Wörter legten. Ihre aktuelle Forschung wollte mit Hilfe von Gehirnscans an 39 Teilnehmern (21 trugen die Genvariante) herausfinden, wie das Gen die Wahrnehmung (die Lebhaftigkeit) der Welt um einen herum beeinflusst.

"Wir haben schon geahnt, dass Personen mit der Deletionsvariante wahrscheinlich diese emotional verstärkte Lebhaftigkeit zeigen würden, doch sie übertrafen sogar unsere Voraussagen", sagte Todd in der Zeitschrift The Journal of Neuroscience.

Bestimmte Gehirnaktivität beeinflusst, ob uns die Welt eher belohnt oder bedroht

Träger der Genvariation zeigten eine deutlich höhere Aktivität in einer Region des Gehirns, die für die Regulation der Emotionen und die Auswertung von Freude und Bedrohung zuständig ist. Todd glaubt, dass dies erklären könnte, warum einige Menschen für Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und intrusive (aufdringliche) Erinnerungen, die einem Trauma folgen, anfälliger sind.

Unsere Emotionen entstehen also nicht nur dadurch, welche Gefühle durch die Interaktion mit unserer Umgebung bei uns ausgelöst werden, sondern dadurch, wie unser Gehirn unsere Wahrnehmung beeinflusst, sagte Autor Adam Anderson von der Cornell Universität.

"Da unsere Gene buchstäblich beeinflussen, wie positiv oder negativ wir unsere Welt sehen, folgt, dass die Welt uns mehr Belohnungen oder Bedrohungen, Ängste zu bieten scheint."

Vorteile durch zusätzliches Netzwerk

Todd sagt, dass die Genvariante Vorteile böte. Menschen, die diese Variante tragen, können auf ein zusätzliches Netzwerk in ihrem Gehirn zurückgreifen, das die emotionale Relevanz von Dingen der Umgebung berechnet.

"Diese Genvariotion erweist sich als hilfreich in allen Situationen, in denen es wichtig ist, die Umgebung auf Relevanz einzuschätzen."

Todd sagt, dass ein Paradebeispiel eines Trägers dieser Genvariation der französischer Romanautor Marcel Proust war: "Er biss in das Madeleine-Gebäck und schrieb dann sieben Bände Memoiren", sagte sie. "Er war wahrscheinlich auch emotional sehr empfindsam, und er war sehr kreativ. Er ist ein klassischer Deletionsträger."

Auftreten

Die ADRA2b Deletionsvariante tritt in unterschiedlichem Ausmaß in den verschiedenen Ethnien in Erscheinung. Obwohl etwa 50 Prozent der weißen Bevölkerung (der von diesen Forschern in Kanada untersuchten Personen) die genetische Variation trugen, ist sie auch in anderen Rassen, Völkern verbreitet. Zum Beispiel wurde in einer Studie festgestellt, dass nur 10 Prozent der Ruander die ADRA2b Genvariante besitzen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of British Columbia, Cornell Universität, The Journal of Neuroscience; Mai 2015

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