Sprache und Emotionen

Wie das Gehirn emotional positiv oder negativ besetzte Wörter verarbeitet

11.01.2019 Eine in Neuropsychologia veröffentlichte Forschungsarbeit untersuchte, ob die Semantik eines Wortes oder niederschwellige visuelle Merkmale den Nutzen der frühen neuronalen Verarbeitung beeinflussen.

Vielen Objekten wird eine emotionale Bedeutung zugewiesen. Ein alter Schrank z.B. hat eine besondere emotionale Wertigkeit, wenn er von den Eltern vererbt wurde.

Emotionale Bedeutung von Wörtern

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Bild: lenalensen (pixabay)

Auch Wörter haben eine solche emotionale Bedeutung. Die Namen von Fremden haben zunächst keinen emotionalen Wert; lernt man die Personen dann näher kennen, werden deren Namen emotional positiv oder negativ besetzt. Die aktuelle Studie untersuchte, wie das Gehirn solche Stimuli verarbeitet.

Louisa Kulke vom Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie der Universität Göttingen und Kollegen analysierten, "wie Menschen neutrale Zeichen, Wörter und Gesichter mit emotionalen Wertigkeiten, auch Valenzen genannt, verbinden".

Die Teilnehmer der Studie lernten diese Verknüpfungen innerhalb weniger Stunden über systematische Belohnungen und Verluste. So erhielt ein ursprünglich neutrales Wort eine positive emotionale Verknüpfung durch einen erhaltenen Obulus. Negative emotionale Verknüpfungen wurden geschaffen, indem Geld abgezogen wurde.

Positive Assoziationen wurden deutlich schneller gelernt

Die Befunde demonstrierten, dass positive Verbindungen deutlich schneller als neutrale oder negative emotionale Verknüpfungen gelernt wurden. "Etwas Positives wird also besonders schnell mit dem Gesicht einer Person oder einem Wort verknüpft", schreiben die Psychologen.

Mit Hilfe eines EEG untersuchten die Wissenschaftler auch, wie die verschiedenen Stimulie in Gehirn verarbeitet werden. Sie stellten fest, dass das Gehirn zwischen 200 bis 300 Millisekunden für die Feststellung brauchte, ob ein Bild oder Wort positiv oder negativ ist.

"Wörter, die mit Verlust assoziiert wurden, rufen bereits nach 100 Millisekunden spezifische neuronale Reaktionen im visuellen Kortex hervor", sagte Kulke. "Das Gehirn unterscheidet also blitzschnell, was für eine neu erlernte Bedeutung das Wort für uns hat, besonders wenn diese Bedeutung negativ ist."

Auch die bereits vorhandenen semantischen Bedeutungen schienen eine Rolle zu spielen, was mit dem Wort verknüpft wird, schreiben die Forscher.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Neuropsychologia (2018). Doi: https://doi.org/10.1016/j.neuropsychologia.2018.12.012

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