Mensch erkennt Emotionen bei Tieren

Emotionspsychologie

Menschen erkennen die Emotionen in den Stimmen aller landlebenden Wirbeltiere

26.07.2017 Bereits Darwin nahm an, dass der stimmliche Ausdruck von Emotionen auf unsere frühesten irdischen Vorfahren zurückginge. Wenn diese Hypothese wahr ist, sollte man erwarten, dass es Species-übergreifende universale akustische Lautäußerungen der Emotionen zu finden gibt.

Emotionale akustische Lautäußerungen

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Bild: Paul Brennan

Frühere Studien deuteten bereits darauf hin, dass emotionale Lautäußerungen von vielen Säugetierarten geteilt werden, und dass Menschen diese Merkmale erkennen und den emotionalen Inhalt ableiten können.

Die aktuelle im Fachblatt Proceedings of the Royal Society veröffentlichte internationale Studie untersuchte, ob diese akustischen Charakeristika auch auf nicht-säugende Landwirbeltiere generalisierbar sind?

In dieser Studie sollten 75 Menschen (Muttersprache Englisch, Deutsch oder Mandarin) den emotionalen Inhalt der (aufgezeichneten) Lautäußerungen von neun Wirbeltierarten aus drei verschiedenen biologischen Klassen beurteilen: Amphibien, Reptilien und Säugetiere; genauer: bei Bromelienlaubfrosch, Amerikanischem Alligator, Schwarzkopfmeise, Rabe, dem afrikanischen Buschelefant, Großem Panda, Hausschwein, Berberaffe (eine Makakenart) und dem Menschen (Tamile - Einwohner des indischen Subkontinents - keiner der Teilnehmer sprach tamilisch).

Die Forscher stellten fest, dass die Teilnehmer alle in der Lage waren, höhere Erregungsstufen in den Lautäußerungen bei allen Arten zu identifizieren.

Dieses Ergebnis war auch über die verschiedenen Sprachgruppen hinweg (Englisch, Deutsch und Mandarin Muttersprachler) beständig, was darauf hindeutet, dass diese Fähigkeit bei Menschen biologisch verwurzelt ist, schreiben die Forscher um Studienautorin Dr. Piera Filippi.

Wenn ich mit den Tieren reden könnte

Die Studienteilnehmer waren in der Lage, den Erregungszustand eines Tieres auf der ganzen Linie korrekt zu identifizieren. Art-spezifisch identifizierten die Teilnehmer über 95 Prozent die menschlichen Vokalisierungen des Tamilen korrekt, was keine große Überraschung ist.

Aber sie erreichten auch noch immerhin 90 Prozent beim Bromelienlaubfrosch, der nun nicht sehr nah mit dem Menschen verwandt ist.

Beim Riesen-Panda waren es 94 Prozent, beim afrikanischen Busch-Elefanten waren es 88 Prozent; selbst beim Alligator betrug die Trefferquote, richtig die emotionale Erregung zu bestimmen, noch eindrucksvolle 87 Prozent. Schlusslicht bildeten die emotionalen Lautäußerungen des Berberaffens mit 60 Prozent.

Universelles Signalsystem

Filippi sieht die geringere Genauigkeit für die Makaken-Vokalisationen und höhere Scores für weiter entfernte Verwandte wie Frosch und Alligator als Stärkung der Annahme von Darwin, dass wir über ein universelles Signalsystem verfügen, das 350 Millionen Jahre zurückreicht. Wenn sich z.B. diese Form der Kommunikation nur unter den Primaten entwickelt hätte, würde man einen höheren Punktwert beim Berberaffen sehen.

Grundton und Schwerpunktwellenlänge

Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen mehrere akustische Parameter verwenden, um die relative Erregung in den Lautäußerungen für jede Spezies zu ermitteln, aber sich vor allem auf die Grundfrequenz und die Schwerpunktwellenlänge (Maß für den Mittelpunkt des Frequenzspektrums im Signal) verließen, um höhere emotionale Erregungen bei den Arten zu identifizieren.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass grundlegende Mechanismen des stimmlichen emotionalen Ausdrucks von den Wirbeltieren (und damit auch vom Menschen) geteilt werden und ein homologes Signalsystem darstellen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Vrije Universität Brüssel, Ruhr-Universität Bochum, Proceedings of the Royal Society - DOI: 10.1098/rspb.2017.0990; Juli 2017

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