Emotionen / Emotionslosigkeit in der Trauer

Emotionspsychologie - Psychosomatik

Emotionsregulation und Immunfunktion während der Trauer: Expressive Unterdrückung und kognitive Neubewertung und das Immunsystem bei trauernden Menschen

06.02.2020 Manche Menschen, die mit dem Verlust eines geliebten Menschen konfrontiert werden, versuchen, ihre Gelassenheit zu bewahren, aber es scheint emotional bzw. psychisch gesünder, den eigenen Emotionen freien Lauf zu lassen laut einer in Psychosomatic Medicine veröffentlichten Studie mit 99 Personen, die kürzlich einen Ehepartner verloren hatten.

Die Forscher um Richard Lopez vom Fachbereich Psychologie des Bard College, Annandale, New York, befragten trauernde Ehepartner, um zu untersuchen, wie sie mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgingen.

Emotionsregulation in Stresssituationen

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Bild: George Hodan

Konkret bewerteten die Teilnehmer auf einer Skala von eins bis sieben, wie sehr sie mit Aussagen über bestimmte Bewältigungsstrategien übereinstimmen. So wurden sie beispielsweise gebeten, einer Aussage zuzustimmen oder nicht zuzustimmen, die besagt: "Wenn ich mit einer Stresssituation konfrontiert bin, versuche ich ruhig darüber nachzudenken".

Auch wurde ihnen Blut abgenommen, damit die Forscher die Werte von Entzündungsmarkern, sogenannte Zytokinen, messen konnten.

Körperliche Entzündungen stehen in Verbindung mit vielen Erkrankungen, darunter auch schwerwiegende Herz-Kreislauf-Probleme wie Schlaganfall und Herzinfarkt, schreiben die Wissenschaftler.

Aus- und Unterdrückung der Emotionen

Dabei stellten sie fest, dass scheinbar emotionslose Menschen - bzw. Personen, die es im Allgemeinen vermieden, ihre Emotionen auszudrücken - mehr körperliche Entzündungen aufwiesen als Teilnehmer, die ihre Gefühle frei ausdrückten.

Diese Ergebnisse unterstreichen wirklich, wie wichtig die eigene Emotionsregulation ist: Die eigenen Emotionen sollten nach dem Tod des Ehepartners akzeptiert und nicht unterdrückt werden, glauben die Autoren.

Nicht alle Bewältigungsstrategien sind bei Trauer gleich gut

Die Forschung legt auch nahe, dass nicht alle Bewältigungsstrategien bei Trauer gleich gut sind, und dass einige Strategien nach hinten losgehen und schädliche Auswirkungen haben können, insbesondere in Bevölkerungsgruppen, die angesichts bedeutender Lebensstressoren, wie dem Verlust eines geliebten Menschen, besonders intensive Emotionen erleben, sagte Lopez.

Welche Strategie der Emotionsregulation hilft langfristig am besten?

Das Ausdrücken von Emotionen unmittelbar nach dem Verlust kann zu einer besseren körperlichen und psychischen Gesundheit führen. Tut man dies jedoch nach einer gewissen Zeit immer noch, kann es schwere und lang anhaltende psychische (Trauerstörung) und physische Gesundheitsprobleme widerspiegeln, schließen die Forscher.

Zukünftige Arbeiten der Wissenschaftler sollen die Merkmale von Menschen untersuchen, die sechs Monate und 12 Monate nach dem Tod eines Ehepartners nicht die erheblichen und lang anhaltenden physischen und psychischen Gesundheitsprobleme haben.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Psychosomatic Medicine (2019). DOI: 10.1097/PSY.0000000000000755

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