Angst und die Amygdala

Forschung/Newsartikel zur Psychologie der Angst.

Angst ist mehr als eine simple Reaktion in der Amygdala

29.03.2016 Eine in der Zeitschrift The Journal of Neuroscience veröffentlichte Studie der University of Tulsa und des Laureate Institute for Brain Research haben Belege dafür gefunden, dass die menschliche Angst-Reaktion komplizierter ist als eine einfache Reaktion in der Amygdala.

Amygdala - Sitz der Angst

Viele Jahre der Forschung zeigen, dass ein Paar kleiner mandelförmiger Strukturen im Gehirn - die Amygdalae - der Sitz ist, wo Angst uns erfasst. Aber nun zeigen Forscher anhand der Ergebnisse mehrerer Experimente, dass andere Elemente ebenso mitspielen können.

Experimente mit 'Furchtlosen'

Um mehr darüber zu erfahren, was mit Leuten geschieht, wenn sie Angst erleben, untersuchten die Forscher drei Frauen: Zwei erwachsene weibliche Zwillinge konnten aufgrund einer genetischen Störung - dem Urbach-Wiethe-Syndrom - keine Angst erleben, und eine weitere erwachsene Frau besaß keine Amygdalae.

Alle drei Frauen machten freiwillig an den Angst hervorrufenden Experimenten mit, indem physische Reaktionen verursacht wurden, die normalerweise bei Angstgefühlen auftreten.

Experiment I

Im ersten Experiment wurde ein Apparat an ihren Gesichtern angebracht, worüber sie eine Gasmischung mit hohem Kohlendioxydanteil einatmeten: Dies lässt das Gefühl des Erstickens auftreten. Alle drei Frauen demonstrierten körperliche Reaktionen, die mit einer Angstreaktion im Einklang standen.

Experiment II

Im zweiten Experiment wurde allen drei Isoproterenol injiziert, wodurch man sich fühlt, als ob plötzlich eine große Dosis Adrenalin freigesetzt würde. Dies verursachte bei einer der Zwillingsschwestern eine Panikattacke. Es wurde aber nur eine leichtere Angstreaktion bei der anderen Zwillingsschwester ausgelöst, sowie eine der Wahrnehmung von Angst ähnlichen Reaktion bei der Frau ohne Amygdalae.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass Angst / Furcht nicht nur aus Reaktionen in den Amygdalae besteht - es gibt auch körperliche Reaktionen, die auftreten.
Und es scheint möglich, dass einige Instanzen der Angst tatsächlich emotionale Erwiderungen auf körperliche Reaktionen sind - wie z.B. plötzlicher Verlust von Sauerstoff, sagen die Forscher.

Sie bemerken, dass sie keine Erklärung dafür hätten, warum die Zwillinge anders auf dieselben Stimuli reagierten, doch weitere Studien mit Gehirnscans könnten helfen, die Dinge klarer zu sehen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Tulsa, The Journal of Neuroscience; März 2016

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