Furcht (Psychologie)

Biologische Psychologie - Gefühle

News und Forschungsartikel zur Psychologie der Furcht ... Artikel zur Angst, Angststörung.

Furcht: Warum reißen wir die Augen weit auf?

Gesichter mit weit aufgerissenen Augen signalisieren normalerweise Furcht; dies vergrößert unser Gesichtsfeld und erleichtert anderen die Gefahr auszumachen.

Nutzen des Ausdrucks der Furcht

Forscher der Universität von Toronto sagen, dass der Ausdruck von Furcht durch große, geweitete Augen sowohl der Person, die den Ausdruck macht, als auch der Person nützt, die ihn sieht.

Größeres visuelles Feld

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Bild: Jean-Baptiste Greuze

Die Befunde zeigen, dass erweiterte Augen ein größeres visuelles Feld schaffen, welches uns besser helfen kann, potenzielle Bedrohungen unserer Umgebung ausfindig zu machen.

Aber diese erweiterten Augen helfen auch, ein klareres Blicksignal an Beobachter zu senden: "Schau dort", sagen sie, was helfen kann, dass eine Gefahr von anderen schneller ausfindig gemacht werden kann.

"Es gibt einen Grund dafür, dass emotionale Ausdrücke so gezeigt werden", sagte einer Forscher. "Sie sind sozial nützlich für die Übermittlung von Gefühlslagen, aber sie sind eben auch als einfache physische Signale nützlich."

Sozialer Nutzen aufgerissener Augen

In der Studie konnten Teilnehmer mit erschrecktem Gesicht und aufgerissenen Augen visuelle Muster besser im peripheren Gesichtsfeld ausmachen, als Teilnehmer, die einen neutralen Ausdruck oder einen Ausdruck des Ekels machten.

Und warum kann besser signalisiert werden, woher die Gefahr kommt ? Durch die weit aufgerissenen Augen gibt es einen stärkeren Kontrast zwischen Iris und dem Weiß der Augen, so dass die Blickrichtung besser durch Beobachter identifiziert werden kann.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Toronto, Mai 2013

Nahe Bedrohungen wecken eine primitivere Form der Furcht

02.07.2020 Das Gehirn geht mit einer wahrgenommenen furchteinflößenden Bedrohung unterschiedlich um, je nachdem, wie nahe sie ist. Wenn die Gefahr weit entfernt ist, greifen mehr die Problemlösungsbereiche des Gehirns ein.

Aber bei einer nahen Bedrohung treten mehr die animalischen Instinkte in Aktion, und das logische Denken wird reduziert. Dies zeigt eine psychologische Studie, die virtuelle Realität nutzte, um Bedrohungen in der Nähe oder in der Ferne erscheinen zu lassen.

Klinischer Nutzen der Befunde bei PTBS

Klinisch gesehen haben Menschen, die unter posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) leiden mit größerer Wahrscheinlichkeit furchterregende Bedrohungen erlebt, die in ihren persönlichen Bereich eingedrungen sind, oder ein Verbrechen aus nächster Nähe miterlebt.

Es sind Menschen, die dazu neigen, dieses lang anhaltende Bedrohungsgedächtnis zu entwickeln, sagte Kevin LaBar, Professor für Psychologie und Neurowissenschaften an der Duke University und Seniorautor eines Artikels, der diese Woche in den Proceedings of the National Academy of Sciences erscheint.

VR-Simulation in Ego-Perspektive

Bei der VR-Simulation wurden 49 Versuchspersonen in eine Ego-Perspektive versetzt, in der sie sich entweder eine dunkle Gasse oder eine hellere, von Bäumen gesäumte Straße entlang bewegten, während sie in der MRT-Röhre lagen und ihr Gehirn gescannt wurde.

Die Umgebungsgeräusche und der visuelle Hintergrund wurden verändert, um einen Kontext für die Bedrohung im Gegensatz zu sicheren Erinnerungen zu schaffen.

Am ersten Testtag erhielten die Testpersonen einen leichten Schock, als der "Bedrohungsavatar" erschien, entweder zwei oder drei Meter entfernt, aber nicht, als sie den sicheren Avatar in denselben Entfernungen sahen.

Die Daten des ersten Tages zeigten, dass Bedrohungen aus der Nähe furchterregender waren, und dass sie limbische und "Überlebensschaltkreise" im Mittelhirn in einer Weise in Anspruch nahmen, wie es bei den weiter entfernten Bedrohungen nicht der Fall war.

Stärkere Furcht bei naher Gefahr

Am nächsten Tag trafen die Testpersonen erneut auf die gleichen Szenarien, aber zunächst wurden nur wenige Schocks verabreicht, um sie an den bedrohlichen Kontext zu erinnern. Wieder einmal zeigten die Testpersonen eine größere Furcht-Verhaltensreaktion auf nahe Bedrohungen als auf ferne.

Am zweiten Tag hatten wir wieder Furchtzustände, sowohl bei nahen als auch bei fernen Bedrohungen, aber bei der nahen Bedrohung war die Furcht stärker, sagte der Psychologe.

Es ist bezeichnend, dass die Bedrohungen aus der Nähe, die die Überlebensreaktionen in Gang setzten, sich auch als schwerer auszulöschen erwiesen, nachdem keine Schocks mehr erzeugt wurden.

Die weiter entfernten Bedrohungen, die das höherrangige Denken im Kortex in Anspruch nahmen, waren leichter auszulöschen.

Das Kleinhirn reagiert

Die nahen Bedrohungen ließen das Kleinhirn reagieren, und das Fortbestehen dieses Signals sagte laut LaBar voraus, wie viel Angst am nächsten Tag wieder aufkam. Es ist der evolutionär ältere Kortex.

Die weiter entfernten Bedrohungen zeigten eine größere Konnektivität zwischen Amygdala, Hippocampus und ventral-medialem präfrontalen Kortex und den Bereichen des Kortex, die mit komplexer Planung und visueller Verarbeitung verbunden sind, Bereiche, die nach Ansicht der Forscher eher mit dem Nachdenken über den Ausweg aus und der Bewältigung einer Situation zusammenhängen.

Das Verständnis der Reaktion des Gehirns auf ein Trauma auf dieser Ebene könnte neue Therapien für PTBS aufzeigen, schreiben die Psychologen.

Sie denken, dass das Kleinhirn ein vielversprechender Ort sein könnte, um zu intervenieren. Klinisch gesehen ist es ein neues Interventionsziel.

Wenn es irgendwie gelingt, diese hartnäckige Bedrohungsdarstellung im Kleinhirn loszuwerden, würde man wohl später weniger wahrscheinlich (die Angst ... vor der Furcht) wieder einsetzen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Proceedings of the National Academy of Sciences - https://doi.org/10.1073/pnas.2004258117

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