Unterdrücken von Emotionen

Emotionspsychologie

Unterdrücken von Emotionen reduziert die Erinnerungen an negative Ereignisse

15.03.2018 Durch den Blick in die Gehirne von Studienteilnehmern, die negative Emotionen unterdrücken sollten, konnten Wissenschaftler neue Erkenntnisse darüber gewinnen, wie die Emotionsregulation negative Gefühle und Erinnerungen beeinflusst.

Die Forscher um Yuta Katsumi von der University of Illinois at Urbana-Champaign hoffen, dass die Ergebnisse zu neuen Methoden der Behandlung von Depressionen führen werden.

Neuronale Korrelate expliziter und impliziter Emotionsunterdrückung

Die in der Zeitschrift Neuropsychologia veröffentlichte Studie untersuchte die Aktivität in den Gehirnen von Testpersonen, die den emotionalen Inhalt von neutralen und negativen Bildern bewerteten, während sie mit Hilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie beobachtet wurden.

Vorher wurden die Probanden explizit (verbale Anweisungen) oder implizit (Priming) eingeleitet in die Ziele der Emotionsunterdrückung. Eine Woche später wurde das Gedächtnis der Teilnehmer im Hinblick auf die Bilder getestet.

Explizite u. implizite Emotionsunterdrückung

Das heißt, die Teilnehmer erhielten entweder ausdrücklich die Anweisung, bewusst ihre emotionalen Reaktionen auf die Bilder zu unterdrücken, oder wurden unbewusst durch vorher gelesenes Material darauf geprimt, die emotionale Kontrolle auszuüben.

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Bild: Fer Galindo

Die explizite Unterdrückung reduzierte die emotionale Bewertung negativer Bilder; und explizite und implizite Unterdrückung verringerten das spätere Erinnerungsvermögen.

Mit anderen Worten: Sowohl bewusste (explizite) als auch unbewusste (implizite) emotionale Unterdrückung reduzierte die Fähigkeit der Teilnehmer, sich an die negativen Bilder eine Woche später zu erinnern. Im Vergleich zu den anfangs empfundenen Gefühlen beim Betrachten der Negativbilder, fühlten sich jedoch nur die explizit zur Emotionshemmung aufgeforderten Teilnehmer weniger schlecht beim Betrachten der negativen Bilder.

Amygdala und Hippocampus

Die funktionellen MRT-Daten zeigten, dass explizite, aber nicht implizite, emotionale Unterdrückung die Aktivität in der Amygdala, einer Hirnregion, die bei der emotionalen Verarbeitung hilft, vermindert. Jedoch wurden beide Formen der Emotionsunterdrückung mit einer reduzierten funktionellen Konnektivität in Hirnregionen assoziiert, die helfen, emotionale Erinnerungen zu kodieren, fanden die Forscher heraus.

Dies mag erklären, warum sowohl explizite als auch implizite emotionale Unterdrückung das Gedächtnis der Teilnehmer an negative Fotografien reduzierte.

Die erfolgreiche Kodierung

D.h.: Auf der neuronalen Ebene war der Einfluss der expliziten Unterdrückung also eindeutig mit einer verminderten Aktivität in der Amygdala während der emotionalen Bewertungen verbunden, und in der Amygdala und dem inferioren frontalen Gyrus während der erfolgreichen Kodierung verknüpft.

Obwohl sowohl die explizite als auch die implizite emotionale Unterdrückung die funktionelle Konnektivität zwischen diesen Regionen und dem Hippocampus - der mit einer erfolgreichen Kodierung verknüpft war - verminderte, wurde die explizite Unterdrückung eindeutig mit Interferenzen bei Amygdala-Hippocampus-Interaktionen in Verbindung gebracht, was nicht mehr das spätere Erinnerungsvermögen für die explizit unterdrückten Elemente voraussagte.

Insgesamt fördern diese Ergebnisse das Verständnis der allgemeinen und dissoziierbaren Mechanismen der expliziten und impliziten emotionalen Unterdrückung von Wahrnehmung und Gedächtnis und legen ihre Auswirkungen auf die Bottom-up- und Top-down-Mechanismen nahe, die an Emotion-Kognitions-Interaktionen beteiligt sind, schließen die Forscher.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Illinois at Urbana-Champaign; Neuropsychologia (2018). DOI: 10.1016/j.neuropsychologia.2018.02.010

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