Postpartale Wut im Wochenbett

Emotionspsychologie

Wut als Merkmal postnataler Stimmungsstörungen: Studie

26.06.2018 Frauen in der postpartalen Phase sollten zusätzlich zu Depressionen und Angststörungen auf Wut untersucht werden laut einer in Birth veröffentlichten psychologischen Studie.

Obgleich Zorn bzw. Wut als ein Element der postpartalen Stimmungsprobleme für einige Frauen erkannt worden ist, ist das Gefühl nicht gut untersucht worden und ist auch nicht im weit verbreiteten Edinburgh Postnatal Depression Scale Screening Tool enthalten.

Bedeutendes Merkmal bei Wochenbettdepression

In einer Zusammenfassung der vorhandenen Forschungsliteratur (7 qualitative und 17 quantitative Forschungsarbeiten) fand Studienautorin Christine Ou Zorn von der Universität British Columbia, Kanada heraus, dass Wut eine bedeutende Eigenschaft bei postnataler Depression (auch Wochenbettdepression oder Kindbettdepression genannt) und womöglich anderen postpartalen Stimmungsstörungen sein kann.

Mütter in der postpartalen Phase können depressiv und ängstlich sein, aber die Forscher haben bisher nicht wirklich auf die Wut geachtet, sagte Ou.

Negative Auswirkungen

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Bild: Gerd Altmann (pixabay)

Es gibt Anzeichen dafür, dass diese Emotion - zusammen mit der Depressivität - die Intensität und Dauer der Depression verschlimmern kann. Das kann viele negative Auswirkungen auf Mutter, Kind und Familie und auf die Beziehung zwischen den Eltern haben, schreibt sie.

Ohnmachtsgefühle und enttäuschte Erwartungen

Ou's Analyse ergab auch, dass Gefühle der Ohnmacht, ein Missverhältnis zwischen Realität und Erwartungen der Mutterschaft, und unerfüllte Erwartungen zur Wut im Kontext der postpartalen Depression beitragen können.

Wut kann eine Reaktion auf nicht erfüllte Erwartungen sein, weil das Muttersein anders als erwartet ist, erklärte Ou. Mütter mögen das Gefühl haben, dass sie ihre eigenen Erwartungen nicht erfüllt haben, und dass auch andere sie verurteilen könnten, weil sie zum Beispiel nicht stillen.

Fehlende Unterstützung

Viele Mütter fühlten sich auch hinsichtlich der (fehlenden) Unterstützung von Partnern, Familienmitgliedern und Gesundheitsdienstleistern enttäuscht.

Ou stellte fest, dass in vielen Kulturen das Zeigen von Wut nicht als akzeptable Emotion - insbesondere für Frauen - angesehen wird, was der Grund dafür sein könnte, dass postpartale Wut nicht eingehend erforscht wurde.

Einige Theoretiker haben spekuliert, dass Frauen durch ihre Situation verärgert/wütend sein könnten, und wenn sich die Dinge nicht ändern, könnten manche Menschen in Depressionen verfallen, sagte sie.

Bei postpartaler Depression und Wut wissen wir nicht unbedingt, was zuerst kam - die Depression oder die Wut - aber wir sollten uns ansehen, ob Mütter wütend sind oder ob sie sowohl Wut als auch Depression erleben, schließt die Studienautorin.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Birth (2018). DOI: 10.1111/birt.12356

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