Psychologie-Lexikon - Entwicklungspsychologie

Entwicklungsverzögerung durch Vernachlässigung, körperliche Züchtigung

Körperliche Bestrafung und kognitive Vernachlässigung stehen in Verbindung mit bestimmten Formen der Entwicklungsverzögerung

08.02.2021 Eine im Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry (JAACAP) veröffentlichte Studie berichtet, dass in einer vielfältigen, länderübergreifenden Stichprobe Heranwachsender körperliche Bestrafung bzw. Züchtigung und kognitive Deprivation (geistige Vernachlässigung) deutlich mit bestimmten Bereichen der Entwicklungsverzögerung verbunden waren.

Die Ergebnisse basieren auf der Multiple Indicator Cluster Surveys, einer laufenden, internationalen Haushaltsbefragung, die von der UNICEF koordiniert und unterstützt wird.

Physische Züchtigung und geistige Vernachlässigung

Es wurden Daten einer Stichprobe von 29.792 Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren und ihren Betreuern aus 17 Ländern zu körperlicher Bestrafung, kognitiver Vernachlässigung und dem Risiko einer Entwicklungsverzögerung ausgewertet.

Zu den Faktoren, die zur Bestimmung der körperlichen Züchtigung herangezogen wurden, gehörten Schläge oder Klapse auf den Arm, die Hand oder das Bein. Geistige Vernachlässigung umfasste das Fehlen von Zählen oder Lesen mit dem Kind in den letzten 3 Tagen und das Fehlen von Büchern im Haushalt.

Sozioemotionale und kognitive Verzögerungen

Körperliche Disziplinierung war mit einer 50 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für das Risiko einer sozioemotionalen Verzögerung verbunden, mindestens 2,5 Mal höher als das Risiko durch kognitive Deprivation.

Das Nicht-Zählen oder das Nicht-Lesen mit dem Kind war mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von 47 Prozent bzw. 62 Prozent für das Risiko einer kognitiven Verzögerung verbunden. Körperliche Disziplinierung war nicht mit dem Risiko einer kognitiven Verzögerung verbunden.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Unterscheidung zwischen Angst und Deprivation in der kindlichen Entwicklung, die in der klinischen Neurowissenschaft etabliert ist, wichtig für die Forschung und Interventionen im Bereich der öffentlichen Gesundheit ist, schreiben die Autoren um Carmel Salhi von der Northeastern University, Boston.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Belegen, die sowohl körperliche Züchtigung als auch Erfahrungen mit geistigen Entbehrungen mit Armut und sozialer Marginalisierung in Verbindung bringen.

Zusammengenommen deutet dies darauf hin, dass Umverteilungsmaßnahmen, die sozioökonomische Belastungen abmildern, nachweislich positive Auswirkungen auf eine Reihe von kindlichen Entwicklungsergebnissen innerhalb einer Population haben können, schließen die Forscher.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry (2020). DOI: 10.1016/j.jaac.2020.02.016

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