Überfürsorgliche Eltern (Helikopter-Eltern)

Psychologie-Lexikon

News und Forschungsartikel zu überfürsorglichen, überbehütenden Eltern (Helikopter-Eltern, Hubschrauber-Eltern).

Überfürsorgliche Eltern sind glücklicher

Die Medien bezeichnen überfürsorgliche Eltern oft negativ als "Helikopter-Eltern" oder "Tigermütter"; doch wie sehr beeinflusst es das elterliche Wohl, wenn die Kinder das Zentrum der Familie darstellen?

Mehr Freude und Sinn im Leben

Neue Forschungsbefunde sagen, dass Eltern, die das Wohl ihrer Kinder über ihr eigenes stellen, nicht nur glücklicher, sondern auch mehr Sinn in ihrem Leben sehen.

"Diese Befunde stehen im Gegensatz zu Behauptungen seitens der populären Medien, dass die Priorisierung des Wohls der Kinder, das Wohl der Eltern unterminiert", schreiben die Forscher.

Die Wissenschaftler Claire E. Ashton-James, Kostadin Kushlev und Elizabeth W. Dunn führten zwei Studien mit 322 Eltern durch.

In der 1. Studie wurden Eltern darum gebeten, Fragebögen auszufüllen, die ihren Erziehungsstil (child-centrism scale), und ihre Lebensfreude und ihren Lebenssinn aufgrund ihrer Kinder einschätzten.

Die Forscher stellten fest, dass Kind-zentrierte Eltern wahrscheinlicher darüber berichteten, mehr Lebensfreude bzw. Glück und Sinn im Leben durch ihre Kinder zu erleben.

Positivere Gefühle durch Kindzentrierung

In der 2. Studie wurden die Teilnehmer gebeten, über die Aktivitäten ihres Vortages zu erzählen und zu berichten, wie sie sich während ihrer Tagesaktivitäten fühlten.

Die Ergebnisse zeigten, dass "Helikopter-Eltern" mehr positive Gefühle, weniger negative Gefühle und mehr Bedeutung im Leben erfuhren, während sie sich mit ihren Kindern beschäftigten.

Außerdem wurde das Wohlbefinden der "Tiger-Eltern" nicht negativ während des restlichen Tages beeinflusst, was nahelegt, dass der kinderzentrierte Ansatz nicht das elterliche Wohlbefinden beeinträchtigt, wenn sich die Eltern nicht um ihre Kinder kümmerten.

Fürsorge und Aufmerksamkeit

"Diese Befunde sagen, dass je mehr Fürsorge und Aufmerksamkeit Menschen anderen widmen, desto mehr Glück und Bedeutung empfinden sie", schreiben die Autoren. "Aus unserer Perspektive heißt das: je mehr Eltern in das Wohl ihrer Kinder investieren - also je stärker sie das Kind 'zentrieren' - desto mehr Freude, Wohlbefinden und Bedeutung erhalten sie durch die Elternschaft."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Claire E. Ashton-James, Department of Psychology and Education, VU University Amsterdam, van der Boechorststraat 1, 1081JP Amsterdam, Okt. 2013

Verhalten von Helikopter-Eltern kontraproduktiv

Wenn Ihre Mutter oder Ihr Vater sich jemals an einen Ihrer Professoren gewandt, bei einem Streit mit Ihren Zimmergenossen eingegriffen, oder nach einem Job in Ihrem Namen gesucht hat, könnten sie überfürsorgliche sogenannte Helikopter-Eltern (auch Helicopter Parents bzw. Hubschrauber-Eltern genannt) sein.

Überfürsorgliche Erziehung kontraproduktiv


Bild: Fürsorgliche Eltern

Eine Forschungsstudie von Professoren der Brigham Young Universität zeigt, dass trotz ihrer guten Absichten, die überängstliche Natur der Hubschrauber-Eltern der Grund sein könnte, warum ihre Kinder manchmal die Schule schwänzen oder zu spät die Hausaufgaben machen.

Die Professoren Laura Padilla-Walker und Larry Nelson untersuchten 438 Studenten von vier Universitäten. Etwa ein Viertel der Studenten berichtete, dass Eltern "wichtige Entscheidungen für mich treffen", Und etwa ein Drittel der Eltern berichtete, dass sie wichtige Entscheidungen für ihre Kinder treffen.

In ihrer Analyse der Daten, fanden die Forscher, dass dies in Bezug auf das Studium kontraproduktive Auswirkungen hat. Wie sie in der Oktoberausgabe des Journal of Adolescences schreiben, betrifft dies mehr als nur die Hausaufgaben.

Notwendig, selbst Erfahrungen zu machen

Es ist besser, wenn sich Heranwachsende selbst um ihr eigenes Wachstum und ihre eigene Entwicklung kümmern, dadurch dass sie eigenständig ihre Probleme mit Zimmergenossen lösen sollten und selbst Entscheidungen über ihre Arbeit treffen, sowie selbst um Hilfe bei den Professoren bitten, schreiben die Studienautoren.

Dadurch, dass man es nicht tut, berauben die Erwachsenen ihre Kinder um die Erfahrungen und das Ausprobieren ihrer Fertig- und Fähigkeiten, was notwendig ist, um diese auszubauen bzw. erst zu entwickeln. Sie sind notwenidig, um Erfolg im Job, in der Ehe und erwachsenen sozialen Interaktionen zu haben.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Journal of Adolescences, Sept.2012

Überfürsorgliche Eltern erschweren ihren Kindern den Übergang ins Erwachsenenleben

29.06.2016 Eine in der Fachzeitschrift Journal of Child and Family Sciences veröffentlichte Studie der Florida State University untersuchte, inwieweit überfürsorgliche - sogenannte 'Helikopter-Eltern' - den Übergang ins Erwachsenenleben ihrer Sprößlinge beeinflussen.

Die Forscher befragten mehr als 460 Universitätsstudenten im Alter von 18 bis 25 Jahren darüber, wie ihre Mütter ihre Lebensentscheidungen beeinflussten (z.B. wie ihre Mütter auf vorgegebene Beispielsituationen reagieren würden). Sie schauten sich insbesondere die Mütter an, weil diese traditionell die primäre Fürsorger-Rolle übernehmen.

Sie erfassten auch die Fähigkeiten der Studenten, sich bei komplizierten Aufgaben oder widrigen Situationen zu bewähren, sowie die Ausprägungen von Depression, Lebenszufriedenheit, Angst und körperliche Gesundheit.

Lebenszufriedenheit, körperliche Gesundheit und Selbstwirksamkeit

Studenten mit Müttern, die ihnen mehr Autonomie erlaubten, berichteten über höhere Lebenszufriedenheit, körperliche Gesundheit und Selbstwirksamkeit.

Studenten mit Hubschrauber-Eltern berichteten jedoch mit größerer Wahrscheinlichkeit über eine geringere Selbstwirksamkeit (Annahme, dass man in einer bestimmten Situation etwas erreichen oder bewirken kann), bzw. eine schlechter ausgebildete Fähigkeit, mit schwierigen Lebensaufgaben und Entscheidungen umgehen zu können.

Angst und Depression

Und Teilnehmer mit einer geringeren Selbstwirksamkeit zeigten auch größere Werte bei Angst und Depression, sowie eine geringere Lebenszufriedenheit und eine schlechtere physische Gesundheit, sagte Studienautorin Mallory Lucier-Greer.

Die Wissenschaftler wollen ihre Arbeit ausweiten auf beide Elternteile und junge Erwachsene, die den ersten Schritt ins Arbeitsleben machen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Florida State University, Journal of Child and Family Sciences - DOI: 10.1007/s10826-016-0466-x; Juni 2016

Helikopter-Erziehung kann das emotionale Wohlbefinden und das Verhalten von Kindern negativ beeinflussen

18.06.2018 Es ist natürlich für Eltern, alles für die gesunde und sichere Entwicklung ihrer Kinder zu tun. Aber Kinder brauchen Raum, um selbstständig zu lernen und zu wachsen, ohne dass Mutter und Vater sie ständig überwachen laut einer aktuellen im Fachblatt Developmental Psychology veröffentlichten Forschungsarbeit.

Die Studie fand heraus, dass eine übermäßige Kontrolle durch die "Hubschraubereltern" die Fähigkeit eines Kindes negativ beeinflussen kann, seine Emotionen und sein Verhalten zu steuern.

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Bild: Pezibear

Die Psychologen begleiteten 422 Kinder über acht Jahre und bewerteten sie im Alter von 2, 5 und 10 Jahren im Rahmen einer Studie zur sozialen und emotionalen Entwicklung. Die Kinder in der Studie waren überwiegend weiß und afroamerikanisch und aus wirtschaftlich unterschiedlichen Verhältnissen.

Die Daten wurden aus Beobachtungen von Eltern-Kind-Interaktionen, Berichten von Lehrern und Selbstberichten der 10-Jährigen gesammelt.

Ständige Kontrolle und Anleitung

Die Forscher konnten beobachten, dass Helikoptereltern (überfürsorgliche Eltern) ihr Kind ständig anleiteten, indem sie ihm sagten, womit es spielen soll, wie man mit einem Spielzeug spielt, wie man nach dem Spielen aufräumt und zu streng oder anspruchsvoll sind, sagte Nicole B. Perry vom Fachbereich Psychologie der Universität Minnesota.

Die Kinder reagierten unterschiedlich. Einige wurden trotzig, andere waren apathisch und einige zeigten Frustration.

Verhaltens- und Emotionsregulation

Hatte ein Kind im Alter von 2 Jahren überfürsorgliche Eltern hatte es im Alter von 5 Jahren eine schlechtere Verhaltens- und Emotionsregulation, zeigten die psychologischen Befunde.

Je besser die emotionale Regulation eines Kindes im Alter von 5 Jahren war, desto geringer war die Wahrscheinlichkeit, dass es emotionale Probleme hatte, und desto wahrscheinlicher hatte es im Alter von 10 Jahren bessere soziale Fähigkeiten und war produktiver in der Schule.

Ebenso waren Kinder mit besserer Impulskontrolle im Alter von 10 Jahren weniger anfällig für emotionale und soziale Probleme und besser in der Schule.

Kinder, die die Fähigkeit entwickelt haben, sich in schwierigen Situationen effektiv zu beruhigen (also eine gute Emotionsregulation besaßen) und sich angemessen zu verhalten (Impulskontrolle), haben es leichter, sich an die immer schwieriger werdenden Anforderungen vorpubertärer Schulumgebungen anzupassen, so Perry.

Autonomie von Kindern im Umgang mit emotionalen Herausforderungen

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Erziehung von den sogenannten Hubschrauber-Eltern zur Unterstützung der Autonomie von Kindern im Umgang mit emotionalen Herausforderungen.

Perry schlug vor, dass Eltern ihren Kindern helfen können, ihre Emotionen und ihr Verhalten zu kontrollieren, indem sie mit ihnen darüber sprechen, wie sie ihre Gefühle verstehen und erklären, welche Verhaltensweisen sich aus dem Gefühl bestimmter Emotionen sowie den Folgen unterschiedlicher Reaktionen ergeben können.

Dann können Eltern ihren Kindern helfen, positive Bewältigungsstrategien wie tiefes Atmen, Musik hören, Malen oder Rückzug in einen ruhigen Raum zu finden.

Eltern können selbst auch gute Beispiele für ihre Kinder abgeben, indem sie positive Bewältigungsstrategien anwenden, um ihre eigenen Emotionen und Verhaltensweisen zu kontrollieren, wenn sie verärgert sind, sagte Perry.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Developmental Psychology - http://dx.doi.org/10.1037/dev0000536

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