Kognitive Entwicklung des Kindes

Psychologie-Lexikon

Forschung/News zur kognitiven Entwicklung des Kindes.

Mentalisierung: Zu viel Fernsehen - schlechtere kognitive Entwicklung

Vorschulkinder, die einen Fernseher in ihrem Schlafzimmer haben und auch mehr dem Hintergrund-TV ausgesetzt sind, haben ein schlechteres Verständnis für die Überzeugungen und Wünsche anderer.

Fernsehkonsum und Theory of Mind

Forscher der Ohio State University interviewten und testeten 107 Vorschulkinder und deren Eltern, um die Beziehung zwischen Fernsehexposition und dem Verständnis der psychischen Vorgängen, wie Meinungen, Überzeugungen, Absichten, Bedürfnisse und Gefühle (auch als Theory of Mind bekannt - Mentalisierung ist ein ähnlicher Begriff) zu bestimmen.

Fernsehkonsum und Theory of Mind

Die Eltern wurden gefragt, wie viele Stunden ihre Kinder einem TV-Gerät ausgesetzt sind, einschließlich des laufenden Fernsehers im Hintergrund - also ein angeschalteter Fernseher, ohne dass man hinguckt.

Den Kindern wurden dann Aufgaben gestellt, basierend auf der Theory of Mind. Diese Aufgaben beurteilten, ob die Kinder erkannten, dass andere Menschen verschiedene Überzeugungen und Bedürfnisse haben können, dass Überzeugungen falsch sein können, und dass Verhalten seinen Ursprung in den Überzeugungen hat, erklären die Forscher.

Schlechteres Verständnis psychischer Vorgänge bei anderen

Sie stellten fest, dass, wenn es einen Fernseher im Zimmer des Kindes gab und es mehr dem im Hintergrund laufenden TV-Gerät ausgesetzt war, dies mit einem schlechteren Verständnis psychischer Vorgänge anderer in Verbindung stand (Alter und sozioökonomischer Status der Eltern wurden berücksichtigt).

Jedoch stellten die Forscher auch fest, dass Vorschulkinder, deren Eltern mit ihnen über das Fernsehen sprachen, besser bei den Beurteilungen hinsichtlich der Theory of Mind abschnitten.

Verantwortlich für störendes Sozialverhalten

Die Studie zeigt, dass Fernsehexposition die Entwicklung der Mentalisierung der Kinder beeinträchtigen kann, und laut den Forschern, kann diese Beeinträchtigung teilweise verantwortlich gemacht werden für störendes Sozialverhalten.

"Wenn Kinder die Theory of Mind erreichen, haben sie einen sehr wichtigen Meilenstein in ihrer sozialen und kognitiven Entwicklung geschafft", sagte die leitende Forscherin Amy Nathanson.

"Kinder mit entwickelterer Mentalisierung sind besser in der Lage, sich an sozialen Beziehungen zu beteiligen. Diese Kinder können einfühlsamer, kooperativer mit anderen Kindern interagieren und greifen weniger wahrscheinlich zum Mittel der Aggression, um ihre Ziele zu erreichen."

© PSYLEX.de - Quelle: The International Communication Association, Nov. 2013

Erfolgreiche schulische Entwicklung durch gesunde Gewohnheiten

Kinder aufzuziehen bedeutet oft, sich um ihre Gesundheit und ihre Entwicklung in der Schule zu sorgen.

Experten der Universität von Alabama, Birmingham, USA, sagen, dass eine gute Leistung in der Schule von den richtigen Entscheidungen zuhaus abhängt.

Gesunde Gewohnheiten

Gesundheitsgewohnheiten wie Ess- und Schlafmuster sind mit schulischem Erfolg verbunden, laut den Centers for Disease Control and Prevention.

"Das Gehirn kann nicht funktionieren, wenn Sie nicht genug Kalorien konsumieren, jedoch ist das im Allgemeinen nicht das Problem", erklärte Professorin Krista Casazza.

Gewohnheiten beim Essen

"Aber, wenn Kinder ohne ihr Frühstück in die Schule gehen, können ihre kognitive Funktionen beeinflusst werden."

Casazza schlägt vor, dass Kinder den Tag mit Früchten, Proteinen und Vollkorn beginnen. Vermieden werden sollte: gesüßtes Getreide, weil es ein Hoch und dann ein Crash im Zuckerspiegel verursacht.

"Ein ausbalanciertes Frühstück kurbelt den Körper für eine lange Zeit an und hilft, das Aufmerksamkeitsniveau bis zum Mittagessen aufrechtzuerhalten, dann muss wieder gut gegessen werden", sagte Casazza. "Dies hält dann bis zum Abendessen an, so dass sie sich nicht nach der Schule ausgehungert auf irgendwelche Snacks stürzen."

Wenn die Kinder etwas vor dem Abendessen essen müssen, sollten diese Möglichkeiten berücksichtigt werden:

Schlafgewohnheiten

Sobald Hausaufgaben und das Abendessen gemacht sind, sollte Schlaf die Priorität haben. "Kinder brauchen einen guten Schlaf um eine gute Schulleistung bringen zu können", sagt Kristin Avis.

"Ein Mangel an Schlaf kann zu Problemen mit der Aufmerksamkeit und dem Gedächtnis in der Schule führen; affektive Impulssteuerung und die Stimmungsregulierung kann beeinflusst werden, was sogar zu Ängstlichkeit und Depression führen kann", sagte Avis.

Schlafendes Kind von Bernardo Strozzi
Schlafendes Kind von Bernardo Strozzi

Avis sagt, Kinder im Alter von 6 bis 12 sollten jede Nacht neun Stunden Schlaf bekommen, genauso wie Jugendliche im Alter von 13 bis 18, aber diese kommen normalerweise auf einen Schnitt von etwa sieben Stunden pro Nacht. (Zu den neuesten Schlafrichtlinien.)

"Eltern denken oft,dass eine Nacht mit wenig Schlaf nicht so schlimm ist, aber das reicht schon, um Kinder am nächsten Tag negativ in ihrer Aufmerksamkeit zu beeinflussen", erklärte Avis. "Bei chronischem Schlafmangel sieht die Sache natürlich viel schlechter aus."

Schlaf nachholen?

Selbst Schlaf am Wochenende nachzuholen (s. auch Artikel zum Schlafnachholen), kann die Sache verschlimmern.

"Wenn Kinder am Samstag ausschlafen, haben sie es schwer Samstagabend einzuschlafen, also schlafen sie lange in den Sonntag hinein und haben es nun Sonntagabend schwer einzuschlafen. Also sind sie Montagmorgen müde, und es ist für sie schwer dem Unterricht zu folgen."

Avis empfiehlt sieben Tage die Woche eine gleichbleibende Schlafenszeit.

"Ihre innere Uhr wird so gestellt und unterstützt, so dass die Kinder zu einer bestimmten Zeit zu Bett gehen, gut durchschlafen und den nächsten Morgen ausgeruht aufwachen", sagte Avis.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Alabama at Birmingham, August 2013

Luftverschmutzung verlangsamt intellektuelle Entwicklung des Kindes

07.03.2015 Kinder zeigten eine langsamere kognitive Entwicklung, wenn ihre Schulen in Gebieten mit hoher (verkehrsgebundener) Luftverschmutzung lagen laut spanischen Forschern.

Die Wissenschaftler des Centre for Research in Environmental Epidemiology (CREAL) untersuchten 7 bis 10-jährige Kinder in Barcelona hinsichtlich des Arbeitsgedächtnis und der Aufmerksamkeit. Es wurden 2.715 Schüler aus 39 Schulen über ein Jahr alle drei Monate getestet.

Die kognitiven Testresultate der Kinder, die in die Schulen mit luftverschmutzten Umgebungen gingen, wurden dann verglichen mit denen von Kindern, deren Schulen in Gegenden lagen, wo die Luft sauberer war. Es wurden Kinder ähnlicher sozioökonomischer Herkunft verglichen.

Langsamere kognitive Entwicklung

Die in PLOS Medicine veröffentlichte Studie fand heraus, dass es langfristig zu einer Verlangsamung der kognitiven Entwicklung bei den Kindern der Schulen kam, die in luftverschmutzten Gegenden lagen.

strassenverkehr
Bild: Raul Morales (pixabay)

Zum Beispiel gab es eine 11,5 prozentige Erhöhung der Leistung des Arbeitsgedächtnisses in den weniger verunreinigten Schulen, jedoch nur eine 7,4 prozentige in Schulen mit stärkerer Luftverschmutzung.

Diese Ergebnisse wurden durch direkte Messungen der verkehrsgebundenen Schadstoffe an den Schulen begleitet.

Anfällig gegenüber Verschmutzung durch Strassenverkehr

Die Befunde legen nahe, dass das sich entwickelnde Gehirn der Kinder anfällig gegenüber der Verschmutzung durch den Strassenverkehr verhält.

Dieser Befund sollte Auswirkungen auf die Vorschriften hinsichtlich der Luftverschmutzung und den Standort neuer Schulen haben, sagen die Autoren.

Obwohl die Autoren bereits auf sozioökonomische Faktoren kontrolliert haben, könnte die Genauigkeit dieser Befunde durch andere unbekannte Risikofaktoren, die die kognitive Entwicklung beeinflussten, limitiert sein. Es besteht also dringend weiterer Forschungsbedarf. (s.a. die Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die Intelligenz)

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Centre for Research in Environmental Epidemiology, PLOS Medicine; März 2015

Luftverschmutzung und die Gehirnentwicklung von Kindern

27.03.2015 Eine neue (weitere
s. o.) Studie zeigt, dass der Kontakt mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) in der Luft (zum Teil durch Auspuffgase, Kohleverbrennung und Rauchen verursachte toxische Substanzen) für die Gehirnentwicklung von Kindern schlecht ist.

In der bislang größten MRT-Studie fanden Forscher vom Children's Hospital Los Angeles und der Columbia University eine deutliche Beziehung zwischen pränataler PAH-Exposition und Störungen in Teilen des Gehirns, die die Informationsverarbeitung und Verhaltenskontrolle unterstützen.

Verlangsamung der Verarbeitungsgeschwindigkeit und Verhaltensprobleme

Die in JAMA Psychiatry veröffentlichte Arbeit legt nahe, dass der vorgeburtliche Kontakt mit diesen Umweltgiften die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns verlangsamen und Verhaltensprobleme (wie ADHS) hervorrufen kann.

PAHs entstehen durch eine nicht vollständige Verbrennung organischen Materials, können die Plazenta passieren und das fötale Gehirn schädigen.

Bradley S. Peterson haben 40 (latein- bzw. afroamerikanische) Schulkinder in einer Magnetresonanztomographie-Studie von der fötalen Phase bis zum Alter von 7-9 Jahren begleitet. Ihre Mütter wurden pränatal auf PAH überwacht.

Reduzierte weiße Hirnsubstanz der linken Hälfte

Die Autoren fanden einen Zusammenhang zwischen dem pränatalen PAH-Kontakt und einer Verringerung der weißen Gehirnsubstanz bei den Kindern (später in der Kindheit), die fast ausschließlich auf die linke Hirnhälfte beschränkt blieb und fast die gesamte Hemisphäre umfasste.

Eine verringerte Oberfläche der weißen Substanz der linken Seite des Gehirns war mit einer langsameren Verarbeitungsgeschwindigkeit in Intelligenztests und mit Verhaltensproblemen wie ADHS-Symptomen und Verhaltensstörungen verbunden laut den Resultaten.

Da die Studienbefunde auf eine Minderheit in der Bevölkerung mit einem hohen Armutsniveau und geringem Bildungsniveau beschränkt war, kann es jedoch sein, dass die Ergebnisse (statistisch) nicht auf andere Bevölkerungsgruppen anwendbar sind.

Verarmte, städtische Minderheitsbevölkerungen sind aber normalerweise Luftschadstoffen unverhältnismäßig oft ausgesetzt so die Autoren.

"Unsere Befunde demonstrieren die besorgniserregenden Auswirkungen durch die Luftverschmutzung auf die Gehirnentwicklung von Kindern und die Folgen dieser Effekte auf Kognition (Intelligenz) und Verhalten", sagte Peterson.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Children's Hospital Los Angeles, Columbia University, JAMA Psychiatry; März 2015

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