Soziale Entwicklung des Kindes

Psychologie-Lexikon - Entwicklungspsychologie

Forschung/News zur psychosozialen Entwicklung des Kindes.

Reputation bereits bei fünfjährigen Kindern wichtig

Fünf- bis Sechsjährige sind freundlicher zu ihren Altersgenossen (Peers), wenn sie beobachtet haben, dass diese mit anderen Kindern auf eine positive Weise interagieren.

Kinder besitzen bzw. entwickeln also schon früh ein Gefühl für den "Ruf" ihrer Peers, laut einer Studie von Kenji Onishi und Kollegen der Osaka Universität, Japan.

Die Forscher beobachteten das normale Verhalten von Kindern im Kindergarten und stellten fest, dass unbeteiligte (kindliche) Zuschauer auf einem Spielplatz wahrscheinlicher einem Kind ein Objekt oder Hilfe anboten, wenn dieses bei helfendem Verhalten anderen Kindern gegenüber beobachtet wurde.

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Bild: Der Spielplatz von Jacques Laurent Agasse

Kinder benahmen sich wahrscheinlicher prosozial, wenn sie beobachteten, dass ihre Peers dies taten. Das Beobachten prosozialen Verhaltens eines anderen Kindes, rief auch positive Emotionen in Richtung dieses Kindes bei unbeteiligten Zuschauern hervor.

Kooperation mit jemanden, basierend auf dessen Ruf oder Beobachtungen des Verhaltens gegenüber anderen Personen, ist für den Erfolg von kooperierenden Gemeinschaften wichtig. Obwohl "nett zu sein" nicht immer eine Revanche des Empfängers nach sich zieht, steigert es die Chancen einer Person, dass andere Mitglieder der Gemeinschaft ihr helfen.

Die Ergebnisse dieser Studie demonstrieren die Verhaltenstendenz der Kinder hin zu solch indirekter sozialer Reziprozität, und zeigen, dass dies durch die Zunahme der positiven Emotionen vermittelt werden könnte, wenn ein Kind bei einer prosozialen Handlung beobachtet wurde.

© PSYLEX.de - Quelle: Osaka Universität, August 2013

Wie man die Falsche-Überzeugungen-Aufgabe vor dem vierten Geburtstag besteht

Als soziale Wesen müssen Menschen konstant die Absichten, Überzeugungen, Begierden und andere Geisteszustände von Anderen überwachen.

Perspektive Anderer einnehmen können

Eine besonders wichtige soziale Fertigkeit ist die Fähigkeit, die Perspektive einer anderen Person einzunehmen und zu verstehen, was die Person weiß, sogar wenn es sein kann, dass dieses Wissen letztlich falsch ist.

False-Belief-Task / False-Belief-Aufgabe

Frühere Forschungen haben gezeigt, dass Kinder vor dem Alter von vier Jahren in Standardaufgaben durchfallen, die dafür entworfen wurden, falsche Überzeugungen bzw. falsche Annahmen zu messen; jedoch, neue Forschungsergebnisse zeigen, dass sehr kleine Kinder die nonverbalen Versionen dieser Falsche-Überzeugungen-Aufgaben (im Englischen False-Belief-Task deshalb auch 'False-Belief'-Aufgabe genannt) bestehen können.

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Bild: Smarties-Task (Symbolbild)
Paula Rubio-Fernández vom Universitätscollege London und Bart Geurts von der Universität von Nijmegen testeten 3-jährige Kinder mit Hilfe einer Standardaufgabe, genannt Smarties-Aufgabe, und benutzten eine veränderte Version der False-Belief-Aufgabe, genannt Duplo-Task bzw. Duplo-Aufgabe.

Einschub: Smarties-Aufgabe bzw. Smarties-Task

  1. Kind wird der Inhalt eine Dose (mit Smarties) gezeigt;
  2. Dose wird geschlossen;
  3. Freund des Kindes wird verschlossene Dose gezeigt;
  4. Kind wird gefragt, was Freund denkt.

Die Duplo-Aufgabe wurde dafür entworfen, um die Unterbrechungen in der Aufnahme der Perspektive bei Kindern zu reduzieren.

Kinder bestanden mehrheitlich die False-Belief-Aufgabe

Die Forscher stellten fest, dass, während nur 22,7% der Kinder die Smarties-Aufgabe schafften, 80% der Kinder die Duplo-Aufgabe bestanden.

Dies zeigt, dass 3-jährige Kinder eine verbale False-Belief-Aufgabe bestehen können, wenn sie in der Lage sind, die Perspektive des Protagonisten im Auge zu behalten.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Psychological Science; Nov. 2012

Sprache der Mutter und soziale Entwicklung des Kindes

01.08.2015 Die mütterliche Kommunikation hat eine starke Wirkung auf die spätere soziale Kompetenz von Kindern. Oder: Wie Kinder bei der Entwicklung von Empathie unterstützt werden können.

Psychologen der University of York zeigen, dass eine bestimmte von den Eltern eingesetzte Sprache, dem Kind beim Verständnis der Gedanken anderer helfen kann, wenn es älter wird.

Mind-mindedness

Studienautorin Dr Elizabeth Kirk untersuchte die Effekte von "mind-mindedness" (die Fähigkeit, dem Kind mentale Zustände wie - Wünsche, Absichten, Überzeugungen - zuzuschreiben), und beobachtete dazu 40 Mütter und ihre Babys im Alter von 10, 12, 16 und 20 Monaten.

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Bild: GLady/pixabay

Sie zeichnete die elterliche Sprache auf, während Mutter und Kind 10 Minuten spielten. Die Psychologen protokollierten alle 'Gedanken-bezogenen Kommentare' der Mutter: Folgerungen über die Denkprozesse ihres Kindes über das Verhalten. Zum Beispiel: Wenn ein Kind Probleme damit hatte, eine Tür eines Spielzeugautos zu öffnen, bezeichnete sie es möglichkerweise als 'frustrierend'.

Entwicklung der soziokognitiven Fähigkeiten

Als die Kinder 5-6 Jahre alt waren, wurden 15 Mutter-Kind-Paare erneut aufgesucht und die Theory of Mind (ToM), auch native Theorie genannt, bzw. die soziokognitiven Fähigkeiten der Kinder erfasst.

Dazu wurde die Methode 'Strange Stories Task' oder ToM-Geschichten benutzt, um das Niveau der Kinder festzustellen, auf dem sie fähig waren, die Gedanken anderer Personen zu erfassen bzw. zu erahnen.

'Strange Stories Task' oder ToM-Geschichten

Bei den ToM-Geschichten geht es darum, den Kindern kurz einige soziale Szenarien vorzustellen (gegensätzliche Emotionen, Lügen, Notlügen, Überzeugung, Witz, Vergessen, Missverständnis, doppelter Bluff, Redewendung, Realität, Sarkasmus).

Den Kindern wird dann eine Verständnisfrage gestellt, und es folgt ein Test, um zu überprüfen, ob sie die mentale Manipulation in der Geschichte verstanden haben.

Befunde

Die Ergebnisse zeigten einen starken positiven Zusammenhang zwischen den Gedanken-bezogenen Kommentaren im Alter von 10, 12 und 20 Monaten und dem Punktestand des Kindes bei den ToM-Geschichten. Die Fähigkeit der Kinder im Alter von 5 Jahren, die Gedanken von anderen zu verstehen, war verbunden damit, wie sehr ihre Mütter mit ihnen (als sie Babys waren) Gedanken- und Gefühls-bezogen kommunizierten.

Diese Befunde zeigen, wie die Fähigkeit einer Mutter, sich auf die Gedanken und Gefühle ihres Babys früh einzulassen, ihrem Kind bei der empathischen Entwicklung hilft. Dies hat wichtige Folgen für die soziale Entwicklung des Kindes und stattet Kinder mit der wichtigen Fähigkeit aus, zu verstehen, was andere Menschen denken und fühlen könnten, sagte Kirk in der Zeitschrift British Journal of Developmental Psychology.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of York, British Journal of Developmental Psychology; Juli 2015

Dem Kind vorlesen kann die Sozialkompetenz verbessern

10.04.2018 Eltern, die ihren Kindern und Kleinkindern vorlesen, können ihnen bei der Entwicklung der Sozialkompetenz helfen laut einer neuen im Fachblatt Pediatrics veröffentlichten Studie.

Vorlesen und Vorspielen können insbesondere störende Verhaltensweisen - wie Hyperaktivität und Aggression - ausgleichen und die Aufmerksamkeit verbessern, stellten die Forscher fest.

Regelmäßiges Vorlesen

Um zu demonstrieren, dass gewohnheitsmäßiges Vorlesen Vorteile für die soziale Kompetenz mit sich bringen kann, wiesen die Forscher um Dr. Alan Mendelsohn von der New York University 675 Familien nach dem Zufallsprinzip entweder einem Programm namens Video Interaction Project (VIP) oder der Nicht-Teilnahme an diesem Programm zu.

Das Vorlese-Programm VIP 0-3 lief von der Geburt bis zum Alter von 3 Jahren; VIP 3-5 vom dritten bis zum fünften Lebensjahr. Während der Besuche beim Kinderarzt wurden die Familien des Programms beim Vorlesen bzw. beim Spielen mit ihren Kindern aufgezeichnet.

Das Video wurde dann mit einem Coach besprochen, der den Eltern half, mehr über ihre entscheidende Rolle in der Entwicklung ihres Kindes zu erfahren.

Verbesserungen bei Hyperaktivität, psychosozialen Risiken

VIP 0-3 und VIP 3-5 waren unabhängig voneinander mit einem verbesserten 4,5-jährigen Behavior Assessment System for Children, Second Edition T-Scores verbunden.

Die Ergebnisse von kombiniertem VIP 0-3 und VIP 3-5 war mit einer deutlichen Reduktion der Hyperaktivität verbunden.

VIP 0-3 war mit einer reduzierten klinisch signifikanten Hyperaktivität und einer relativen Risikoreduktion für ein erhöhtes psychosoziales Risiko verbunden.

Wenn man gemeinsam ein Buch liest, gibt man dem Kind die Möglichkeit, darüber nachzudenken, was es bedeutet, Gefühle wie glücklich und traurig zu haben, was andere in einem sozialen Kontext denken und wie man damit, und mit anderen Herausforderungen im Leben umgeht.

Darüber hinaus müssen sich alle auf dasselbe konzentrieren und die Kinder lernen, wie man aufpasst, schließt Mendelsohn.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: New York University; Pediatrics - doi: 10.1542/peds.2017-3393

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