Gehirn der Frau

Das Frauenhirn verändert sich mit dem Östrogen-Zyklus

11.10.2016 Laut Forschern des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig zeigt das menschliche Gehirn auch bei Erwachsenen keine starre Struktur. Die im Fachblatt Nature Scientific Reports veröffentlichte Studie zeigt, dass der Hippocampus im weiblichen Gehirn mit steigenden Östrogen-Spiegeln wächst.

Hippocampus

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Bild: Gerd Altmann

Studienautorin Claudia Barth und ihr Team haben in ihrer Pilotstudie mit Hilfe von bildgebenden Verfahren festgestellt, dass sich das Gehirn von Frauen abhängig zum Zyklus des Östrogenniveaus - also zu den Hormonschwankungen während ihres Menstruationszyklus - verändert.

Dreißig longitudinale diffusionsgewichtete Scans einer einzelnen gesunden weiblichen Teilnehmerin wurden über zwei volle Menstruationszyklen aufgezeichnet. Dabei zeigte es sich, dass es insbesondere zu Veränderungen in der Hippocampusstruktur kommt - einer Region im Gehirn, die eine wichtige Rolle bei Gedächtnis, Emotionen und Stimmung spielt.

"Wir haben herausgefunden, dass parallel zum ansteigenden Östrogenspiegel bis zum Eisprung auch das Volumen des Hippocampus zunimmt - sowohl das seiner grauen als auch seiner weißen Substanz", sagte sie.

Auswirkungen auf das Verhalten

Die Forscher können allerdings nichts darüber sagen, wie sich diese Veränderungen auf Verhaltensweisen und kognitive Funktionen auswirken. Aus Tierexperimenten ist bereits bekannt, dass nicht nur der Hippocampus, "sondern auch verschiedene Verhaltensweisen einer Art monatlichem Zyklus unterliegen."

Die Forscher wollen nun in weiteren Studien die Ergebnisse an einer großen Zahl an Teilnehmerinnen testen und die Auswirkungen auf das menschliche Verhalten untersuchen.

"Sollte sich beispielsweise herausstellen, dass Frauen in bestimmten Phasen ihres Monatszyklus besonders aufnahmefähig sind, könnte das möglicherweise für Therapien genutzt werden", sagte Barth.

Prämenstruelle Dysphorie

Eigentliches Ziel ihrer neurowissenschaftlichen Untersuchungen ist die Erforschung der sogenannten Prämenstruellen Dysphorie, kurz PMDS. Etwa jede zwölfte Frau leidet unmittelbar vor 'ihren Tagen' unter dieser Krankheit. Es tauchen dann besonders starke physische und psychische Beschwerden auf, wie Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, Depressivität.

"Um die neuronalen Prozesse hinter diesem Leiden zu verstehen, müssen wir zunächst herausfinden, welchem monatlichen Rhythmus das Gehirn gesunder Frau folgt. Erst dann können wir die Unterschiede zu PMDD-Betroffenen festmachen", sagte Forscherin Julia Sacher.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Max-Planck-Institut, Nature Scientific Reports - doi:10.1038/srep32833; Okt. 2016

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