Persönlichkeit (Gehirn)

Persönlichkeitsforschung - Gehirnforschung

Studie entdeckt Verbindung zwischen Persönlichkeit und Struktur des Gehirns

25.01.2017 Psychologen der Universitäten Cambridge und Magna Graecia berichten im Fachblatt Social Cognitive and Affective Neuroscience, dass sie bemerkenswerte Zusammenhänge zwischen der Struktur des Gehirns und den 'Big Five' (den fünf Hauptdimensionen in der Persönlichkeitspyschologie) gefunden haben.

Die Gestalt unseres Gehirns selbst kann überraschende Hinweise darüber bieten, wie wir uns verhalten - und welches Risiko wir für die Entwicklung bestimmter psychischer Erkrankungen haben, schreiben die Forscher.

Big-Five-Modell

Das von Psychologen entwickelte Big-Five-Modell der fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit beinhaltet folgende Persönlichkeitstypen:

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Bild: Gerd Altmann

Die Wissenschaftler scannten die Gehirne von mehr als 500 Menschen im Alter zwischen 22 und 36 und schauten sich speziell den Cortex an, die Großhirnrinde - die äußere, an Nervenzellen reiche Schicht des Großhirns.

Cortex und die Big Five

Insbesondere konzentrierten sie sich auf die Kombination aus Dicke, Fläche und der Zahl der Falten bei unterschiedlichen Persönlichkeiten.

Die Psychologen um Luca Passamonti und Roberta Riccelli fanden heraus, dass

Die Studie erlaubt selbstverständlich keine Aussage zur Kausalität (was war zuerst da).

Diese Ergebnisse zeigen - so die Forscher, dass die anatomische Variabilität in den präfrontalen Cortices mit individuellen Unterschieden in den sozio-kognitiven Merkmalen, die vom Big-Five-Modell beschrieben werden, verbunden ist.

Kortikale Dicke und Fläche / Faltung sind im umgekehrten Verhältnis voneinander als Funktion verschiedener Persönlichkeitsmerkmale abhängig (Neurotizismus, Extraversion und Gewissenhaftigkeit gegenüber Aufgeschlossenheit), was die Hirnreifungseffekte widerspiegeln könnte, die prädisponieren oder vor psychiatrischen Erkrankungen schützen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universitäten Cambridge und Magna Graecia, Social Cognitive and Affective Neuroscience - DOI: https://doi.org/10.1093/scan/nsw175; Jan. 2017

Geschlechtsspezifische Effekte auf die Hirnstruktur von kalten und emotionslosen Persönlichkeitsmerkmalen

27.12.2017 Laut einer aktuellen Studie zeigen sich 'kalte' und emotionslose Persönlichkeitsmerkmale bei Jungen in Veränderungen der Gehirnstruktur - bei Mädchen ist dies nicht der Fall.

Im Rahmen des FemNat-CD-Projekts, einem europäischen Forschungsprojekt zu den Ursachen und der Behandlung von "regelverletzendem und aggressivem Verhalten bei Mädchen mit Störungen des Sozialverhaltens", untersuchten Wissenschaftler um Nora Maria Raschle von der Universität Basel die Gehirnentwicklung von knapp 190 gesunden Jugendlichen mit Hilfe von MRT-Scans.

Kühle und emotionslose Charaktereigenschaften

Laut den Studienautoren können "kühle und emotionslose" Charaktereigenschaften die Gewissens- und Empathieentwicklung beeinflussen, zu Störungen des Sozialverhaltens und sogar zu Psychopathologien führen.

Die im Fachblatt Neuro Image Clinical publizierte Studie konzentrierte sich dabei im Gegensatz zu früheren Forschungsarbeiten auf psychisch gesunde Heranwachsende. Die Psychiater wollten herausfinden, ob die Verknüpfungen zwischen Hirnstruktur und -funktion allein auf die kalten, emotionslosen Persönlichkeitseigenschaften oder auf komorbide Bedingungen zurückzuführen sind.

Vorderer Teil der Insula

Tatsächlich konnte bei männlichen Heranwachsenden mit kalten und emotionslosen Charakterzügen Veränderungen im vorderen Teil der Insula festgestellt werden; in dieser Gehirnregion werden Emotionen und empathische Prozesse bearbeitet.

Bei weiblichen Heranwachsenden konnte eine solche Verbindung nicht beobachtet werden.

Die Wissenschaftler konnten diese hirnstrukturellen Merkmale nachweisen, obwohl keiner der Probanden psychiatrisch symptomatisch auffällig war (z.B. eine Verhaltensstörung zeigte).

Nun wollen die Forscher untersuchen, weshalb einige dieser Heranwachsenden später psychopathologisch auffällig werden, und andere nicht.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Basel; Neuro Image Clinical - doi: 10.1016/j.nicl.2017.12.015; Dez. 2017

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