Hemisphären / Hirnhälften (Gehirn)

Gehirnforschung

Definition

Cerebrum (Großhirn) und Cerebellum (Kleinhirn) bestehen aus jeweils zwei Hemisphären (Hälften), wobei diese über Nervenfassern miteinander verbunden sind. Die stärkste Bündelung von Nervenfasern zwischen den Großhirnhälften ist der Balken (das Corpus callosum). In Längsrichtung ist das Cerebrum durch eine tiefe Längsfurche (Fissura longitudinalis cerebri) in die zwei Hälften separiert.

Gehirnhälften verstärken die Kommunikation zur Kompensation der Alterungsprozesse

22.09.2017 Eine verstärkte Kommunikation zwischen entfernten Hirnregionen hilft älteren Erwachsenen, die negativen Aspekte des Alterns auszugleichen, berichtet eine neue Studie, die in Human Brain Mapping veröffentlicht wurde.

Das ältere Gehirn tendiert dazu, bilateral stärker zu kommunizieren als das junge Gehirn. Obwohl diese Feststellung viele Male beobachtet wurde, war bislang nicht klar, ob dieses Phänomen hilfreich oder schädlich ist, und bislang hatte keine Studie diesen Effekt direkt manipuliert.

Stärkere bilaterale Kommunikation

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Bild: Die beiden Hirnhälften

Simon Davis und Kollegen benutzten die Gehirn-Stimulationstechnik der Transkraniellen Magnetstimulation (TMS), um die Hirnaktivität gesunder älterer Erwachsener während der Gedächtnisprozesse zu beeinflussen.

Wandten die Forscher TMS bei einer Frequenz an, die die Aktivität in einem Bereich des Gedächtnisses in der linken Hemisphäre dämpfte, erhöhte sich die Kommunikation der gleichen Region in der rechten Hemisphäre, was darauf hindeutet, dass die rechte Hemisphäre kompensierte, um bei der Aufgabe zu helfen.

Im Gegensatz dazu: Wurde dieselbe präfrontale Region angeregt, erhöhte sich nur die Kommunikation des lokalen Netzes der Regionen in der linken Gehirnhälfte. Dies legt nahe, dass die Kommunikation zwischen den Hemisphären ein gezielter Prozess ist, der nach "Bedarf" stattfindet, schreiben die Autoren.

Strukturelle Neuroplastizität des Gehirns

Als die Neurowissenschaftler die Verbindungen (weiße Substanz) zwischen diesen bilateralen Regionen untersuchten, zeigten Teilnehmer mit stärkeren Fasern weißer Materie, die linke und rechte Hemisphären miteinander verbinden, eine stärkere bilaterale Kommunikation, was ein deutliches Indiz dafür ist, dass strukturelle Neuroplastizität das Gehirn auch im späteren Leben leistungsfähig erhält.

Gute Straßen sorgen für effizientes Reisen, und das Gehirn ist da ähnlich. Durch die Nutzung vorhandener Pfade können alternde Gehirne einen alternativen Weg finden, um die neuronalen Berechnungen durchzuführen, die für funktionierende Hirnprozesse notwendig sind, schreibt Studienautor Simon Davis von der Duke Universität.

Künftige Techniken der Hirnstimulation könnten diesen bilateralen Effekt gezielt nutzen, um die Kommunikation zwischen den Hemisphären zu fördern und hoffentlich eine gesunde Kognition über die gesamte Lebensspanne zu erhalten, schreiben die Forscher.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Duke Universität; Human Brain Mapping - DOI: 10.1002/hbm.23803; Sept. 2017

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