Brain Games: Gehirntraining mit Computerspielen

Biologische Psychologie - Gehirnforschung

News/Forschung zu Computerspielen, die die Verbesserung der Intelligenz/kognitiven Funktionen des Gehirns zum Ziel haben.

World of Warcraft verbessert kognitive Funktionen

Das Online-Computerspiel World of Warcraft (WoW) zu spielen, kann die kognitiven Funktionen bei älteren Erwachsenen verbessern, besonders bei jenen, die vorher schlecht bei kognitiven Tests abschnitten, entsprechend neuer Forschungsergebnisse der North Carolina State University.

WOW: kognitiv herausforderndes Spiel mit sozialen Interaktionen

"Wir wählten World of Warcraft, weil es Attribute hat, die Nutzen produzieren können", sagte Dr. Anne McLaughlin, Dozentin der Psychologie der North Carolina State University und Mitautorin der Studie. "Es ist ein kognitiv herausforderndes Spiel in einer sozialen interaktiven Umgebung, die den Nutzern neuartige Situationen präsentiert."

Die Forscher vom Gains Through Gaming Labor der Universität testeten die kognitiven Funktionen der Studienteilnehmer, im Alter von 60 bis 77, um ein Ausgangsniveau festzustellen. Die Forscher untersuchten dabei die kognitiven Funktionen: räumliche Fähigkeiten, Gedächtnis, und wie gut die Teilnehmer ihre Aufmerksamkeit auf etwas richten können.

Eine Versuchsgruppe spielte dann WoW für etwa 14 Stunden auf ihren Computern zuhause für ca. zwei Wochen, bevor sie nachgetestet wurde. Eine Kontrollgruppe spielte das Spiel nicht, aber wurde auch nach zwei Wochen nachgetestet.

Die Forscher fanden bei der Gruppe, die WoW spielte, eine starke Verbesserung bei den kognitiven Funktionen, obwohl die Wirkung entsprechend den Ausgangsniveauscores jedes Teilnehmers variierte.

Verbesserungen bei räumlichen Fähigkeiten und Aufmerksamkeit

"Unter den Teilnehmern, die auf dem Ausgangsniveau hohe Punkte bei den Tests zu den kognitiven Funktionen erzielten, gab es keine bedeutenden Verbesserungen nach dem Spielen von WoW - sie machten es bereits sehr gut", sagte McLaughlin. "Aber wir sahen bedeutende Verbesserungen bei den räumlichen Fähigkeiten und bei der Aufmerksamkeit der Teilnehmer, die schlecht bei den anfänglichen Tests abgeschnitten hatten."

Es zeigte sich aber keine Änderung beim Gedächtnis der Teilnehmer, sagte sie. Die Personen, die am schlechtesten bei den Anfangstests abschnitten, verbesserten sich am meisten, fügte Dr. Jason Allaire, außerordentlicher Professor der Psychologie und Mitautor der Studie hinzu, die online herausgegeben wurde in Computers in Human Behavior.

© PSYLEX.de - Quelle: Computers in Human Behavior, Februar 2012

Videospiele können bestimmte kognitive Fähigkeiten verbessern

Das Spielen von Videospielen / Computerspielen (pro Tag eine Stunde) kann die Leistung bei kognitiven Aufgaben verbessern, die ähnliche geistige Prozesse benötigen, laut einer Studie von Adam Chie-Ming Oei und Michael Donald Patterson von der Nanyang Technological University, Singapore.

Bejeweled - The Sims - Action-Spiele - Hidden Expedition

Die Teilnehmer spielten pro Tag eine Stunde fünf verschiedene Spiele auf ihrem Smartphones fünf Tage die Woche für einen Monat. Jedem Teilnehmer wurde ein Spiel zugewiesen. Einige spielten Spiele Bejeweled (eine Art Puzzlespiel), andere eine virtuelle Lebenssimulation wie The Sims, und eine weitere Gruppe spielte Action-Spiele oder hatten versteckte Objekte zu finden, wie in Hidden Expedition.

Verbesserung unterschiedlicher Fähigkeiten

Eines der ersten Videospiele
Eines der ersten Videospiele (Symbolbild)

Nach diesem Monat des 'Trainings' fanden die Forscher, dass die Actionspiel Spieler ihre Kapazität mehrere Objekte gleichzeitig zu verfolgen verbesserten, während Spieler von Hidden Expedition, Bejeweled und Virtual Reality Spieler ihre Leistung bei visuellen Suchaufgaben verbesserten.

Obwohl schon vorherige Studien darüber berichteten, dass Action-Spiele die kognitiven Fähigkeiten verbessern können, gaben die Autoren an, dass dies die erste Studie ist, die mehrere Videospiele in einer einzelnen Studie verglich, und zeigt, dass verschiedene Fähigkeiten durch das Spielen verschiedener Spiele verbessert werden können.

Videospiele verbessern die kognitiven 'Muskeln'

Sie fügen hinzu, dass Videospiele nicht eine allgemeine Verbesserung bezüglich geistiger Fähigkeiten zu verursachen scheinen. Eher wie Muskeln mit sich wiederholenden Übungen trainiert werden können, kann sich wiederholender Einsatz bestimmter kognitiver Prozesse in Videospielen, die Leistung bei anderen Aufgaben auch verbessern.

© PSYLEX.de - Quelle: PLOS ONE, März 2013

Computerspiele können Intelligenz verbessern

Bestimmte Genres von Video-/Computerspielen können helfen, das Gehirn zu trainieren, agiler zu werden und strategisches Denken zu verbessern, laut Wissenschaftlern.

Forscher der Queen Mary University of London und dem University College London (UCL). rekrutierten 72 Freiwillige und maßen ihre 'kognitive Flexibilität' - die Fähigkeit einer Person, sich anzupassen und zwischen Aufgaben zu wechseln, und bei einer vorgegebenen Zeit über mehrere Ideen nachzudenken, um die Probleme zu lösen.

StarCraft vs. The Sims

Zwei Gruppen Freiwilliger wurden trainiert, verschiedene Versionen von StarCraft (ein Echtzeitstrategiespiel) zu spielen; ein temporeiches Spiel, bei dem Spieler Ressourcen beschaffen, Armeen aufbauen und organisieren müssen, um einen Feind zu bekämpfen.

Ein Drittel der Gruppe spielte eine Lebenssimulation, namens The Sims, welches keine großen Anforderungen an das Gedächtnis oder viele Taktiken erfordert.

Alle Freiwilligen spielten die Videospiele 40 Stunden über sechs bis acht Wochen und wurden zuvor und danach einer Vielfalt psychologischer Tests unterzogen. Alle Teilnehmer waren weiblich, da die Studie außerstande war, eine ausreichende Anzahl männlicher Freiwilliger zu rekrutieren, die pro Woche weniger als zwei Stunden Computerspiele spielten.

StarCraft-Spieler waren kognitiv flexibler

Die Forscher entdeckten, dass die StarCraft-Spieler schneller und genauer bei der Ausführung der kognitiven Flexibilitätsaufgaben waren als jene, die The Sims spielten.

Dr. Brian Glass von der Queen Mary University sagte: "Vorherige Forschungen haben demonstriert, dass Action-Computer-/Videospiele wie Halo die Entscheidungsfindung beschleunigen können, aber die gegenwärtige Arbeit fand heraus, dass Echtzeitstrategiespiele unsere laufende Denkfähigkeit fördern und unser Fehlerlernen verbessern können."

"Unsere Studie zeigt, dass kognitive Flexibilität, ein Grundstein menschlicher Intelligenz keine statische Eigenschaft ist, sondern trainiert und verbessert werden kann, durch Spiele, die Spaß machen."

Kognitive Flexibilität

Professor Brad Love von UCL, sagte: "Kognitive Flexibilität variiert bei Menschen und im Alter. Ein Beispiel für kognitive Flexibilität ist der fiktionale Charakter Sherlock Holmes, der die Fähigkeit hat, sich simultan mit mehreren Aspekten in seinen Gedanken zu beschäftigen und sich geistig, als Reaktion auf sich ändernde Ziele und Umgebungsbedingungen, anzupassen."

"Kreative Problemlösung und 'Denken außerhalb der Box' erfordern kognitive Flexibilität. Vielleicht prämiert die moderne Informationsgesellschaft im Gegensatz zur sich wiederholenden Natur der Arbeit der letzten Jahrhunderte die kognitive Flexibilität."

Dr. Glass fügte hinzu: "Die Freiwilligen, die die komplexeste Version des Videospiels StarCraft spielten, schnitten bei den psychologischen Tests am Ender der Studie am besten ab".

© PSYLEX.de - Quelle: Queen Mary University, University College London

Gehirntraining: Portal 2 besser als Lumosity?

13.10.2014 Forscher der Florida State University haben in einer kleinen Studie zwei Spiele gegeneinander antreten lassen: Lumosity (kommerzielles webbasiertes Braingame) und Portal 2 (Computerspiel der Unterhaltungsbranche). Untersucht wurde, welches der beiden Spiele die kognitiven Fähigkeiten effektiver verbesserte.

Die Forscher Valerie J. Shute, Matthew Ventura und Fengfeng Ke entschlossen sich Portal 2 gegen Lumosity antreten zu lassen, weil sie das Computerspiel Portal 2 faszinierend fanden und herausfinden wollten, ob es - wovon sie nach dem Spielen überzeugt waren - tatsächlich ihre Gehirnleistung verbessert.

Brain Games und Plastizität

Braingaimes

Lumosity und andere ähnliche Produkte werden als Gehirntraining(sprogramme) oder Work-out-Spiele verkauft, die einen Nutzen daraus ziehen, was Neurowissenschaftler jüngst entdeckten: dass das menschliche Gehirn Plastizität besitzt - was bedeutet: es ist fähig, zu wachsen und sich zu verändern (mit anderen Worten: es kann Regionen je nach Nutzung in Größe und Reaktionseigenschaft variieren).

Frühere Forschungsstudien hatten dagegen noch behauptet, dass sich das Gehirn im weiteren Lebensverlauf einer Person nicht mehr verändert, wenn es erst einmal 'fertig entwickelt' ist.

Brain Games leiten den Benutzer durch eine Reihe von Rätseln, die es zu lösen gilt. Hinter Spielen wie Portal 2 steckt derselbe Grundgedanke: Die Spieler müssen Rätsel lösen, um zu weiteren Portalen zu gelangen.

Um die zwei Spiele gegeneinander zu testen, teilten die Forscher 77 Freiwillige in zwei Gruppen ein: eine Gruppe spielte acht Stunden Lumosity, die andere Gruppe Portal 2. Die Teilnehmer beider Gruppen nahmen vor und nach dem Spielen an standardisierten Tests teil, die Problemlösungs-, räumliche Fähigkeiten und Ausdauer maßen. Die Forscher stellten fest, dass die Portal-2-Spieler statistisch besser abschnitten als die Lumosity-Spieler.

Die Forscher schreiben in Computers and Education, dass ihre Befunde hoffentlich durch eine Studie mit mehr Teilnehmern repliziert wird, und dass dies eventuell zu Testverfahren führt, die Softwareprodukte auf ihre Eignung zum Gehirntraining prüfen können.

© PSYLEX.de - Quelle: Florida State University / Computers and Education, Oktober 2014

Ist (kommerzielles) Gehirntraining wirksam? Placebo-Effekt

24.06.2016 Eine Studie untersuchte die Placebo-Effekte kognitiver Trainingsprogramme: Gehirntrainingsprogramme wie Lumosity (Geldstrafe wegen zu vollmundiger Versprechen) oder NeuroNation berufen sich oft auf wissenschaftliche Studien, die zeigen sollen, dass ihre Produkte den Intellekt einer Person schärfen können.

Placebo-Effekte

Aber zumindest einige dieser angeblichen Vorteile scheinen aufgrund von Placeboeffekten zustande zu kommen, verkündet eine in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie der George Mason Universität.

gehirntraining
Bild: OpenClipartVectors

Wenn Test-Teilnehmern gesagt wird, dass sie an einer Studie teilnehmen, die die kognitiven Leistungen wie IQ oder Gedächtnis verbessern sollen, dann schneiden sie bei danach abgehaltenen IQ-Tests 5 - 10 Punkte besser ab als diejenigen, die über die möglichen mentalen Vorteile im Dunkeln gelassen werden, berichtet Studienleiter Cyrus Foroughi vom Fachbereich für Psychologie.

Der Forscher möchte den Trainingsprogrammen fürs Gehirn nicht jegliche Wirkung absprechen, aber ein Großteil der Erfolge beruht sicher auf einem Placebo-Effekt, sagte er.

Test der fluiden Intelligenz

An der Studie nahmen 50 Personen teil, wobei die eine Hälfte über Flyer darüber unterrichtet wurde, dass das Training des Arbeitsgedächtnisses die fluide Intelligenz (Fähigkeit, logisch zu denken und Probleme zu lösen) verbessern kann, während die anderen über Flyer rekrutiert wurden, die lediglich Testpersonen suchten.

Beide Gruppen unterzogen sich eines einleitenden IQ-Tests und machten dann eine Stunde 'Gehirnjogging'. "Wir ließen sie nur sehr kurz trainieren, damit es tatsächlich auch keinen Effekt gäbe", sagte Foroughi. Er betont, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass gerademal eine Stunde Gehirnjogging die Intelligenz von jemandem erhöhen konnte.

Am nächsten Tag unterzog sich jeder einem anschließenden IQ-Test.

5-10 IQ-Punkte aufgrund Placeboeffektes

Teilnehmer, die über die Vorteile von Gehirntraining erfahren hatten, zeigten eine Verbesserung von 5 - 10 Punkten bei einem Standard-100-Punkte-IQ-Test. Doch diejenigen, die nichts davon wussten, was sie erwartete, zeigten die gleichen Ergebnisse wie vor dem Training.

Die Forscher sind sich nicht klar darüber, wie ein Placebo-Effekt den IQ einer Person verbessern könnte. Foroughi sagte, dass es die 'informierten' Teilnehmer möglicherweise mehr motivierte oder sie sich sicherer fühlten beim abschließenden Intelligenz-Test.

Menschen, die ihr Gehirn richtig fordern wollen, sollten besser etwas tun, was sie wirklich gerne machen - wie z.B. ein Kreuzworträtsel oder Sudoku lösen - statt sich durch Gehirntrainingsprogramme zu schleppen, sagte Foroughi abschließend.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: George Mason University, Proceedings of the National Academy of Sciences - doi/10.1073/pnas.1601243113; Juni 2016

Spiele zum Gehirntraining bieten keinen Gewinn fürs Gehirn

05.08.2018 Eine neue im Fachblatt Neuropsychologia veröffentlichte Studie entkräftet die Behauptung, dass die Verbesserung bei Brain-Games (Spiele, die Gehirnfunktionen trainieren sollen) zu einer verbesserten Leistung bei anderen, nicht - trainierten kognitiven Aufgaben führen kann.

Bobby Stojanoski vom Owen Lab at Western's Brain and Mind Institute der Western Universität untersuchten, ob stundenlanges Gehirntraining in einem Spiel jemandem einen Vorteil in einem zweiten Spiel verschaffen könnte, das den gleichen Bereich des Gehirns nutzt.

Aber die Neuroforscher konnten keine solche Übertragung beobachten: Die hohen Punktzahlen der Teilnehmer im ersten Spiel (dem, auf dem sie trainierten) verbesserten die Leistung im zweiten Spiel nicht und entsprachen lediglich den Punktzahlen, die von einer "untrainierten" Kontrollgruppe erreicht wurden.

Trotz stundenlangem Gehirntraining in einem Spiel waren die Teilnehmer im zweiten Spiel nicht besser als diejenigen, die nur das 2. Braingame spielten - jedoch nicht das erste. Gehirntraining verbesserte nicht die kognitiven Fähigkeiten, nicht mal bei ähnlichen Aufgaben.

Eine vorherige Studie hatte die kognitive Leistungsfähigkeit von 11.000 Menschen überwacht, die sechs Wochen lang ihr Gehirn spielend trainierten. Sie hatte herausgefunden, dass ein gutes Abschneiden bei diesen Gehirnjogging & Gedächtnistrainingspielen weder das Arbeitsgedächtnis noch den IQ verbessert.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Neuropsychologia - https://doi.org/10.1016/j.neuropsychologia.2018.07.013

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