Gedächtnis, Lernen und Sport

Gehirnforschung - Gedächtnisforschung

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Sport nach dem Lernen verbessert das Gedächnis

Doch dazwischen sollten vier Stunden Pause liegen

17.06.2016 Eine in Current Biology präsentierte Studie der Radboud Universität legt eine interessante Strategie für die Verbesserung des Gedächtnisses nahe: Sport nach dem Lernen soll das Erinnerungsvermögen erhöhen, aber nur wenn man in einem bestimmten Zeitfenster körperlich aktiv wird.

Die Studie zeigt, dass wir die Konsolidierung des Gelernten verbessern können, wenn wir Sport nach dem Lernen machen, sagte Studienautor Guillén Fernández.

Gedächtnis-Konsolidierung und Langzeitgedächtnis

In der neuen Studie untersuchten die Forscher die Effekte von Sport auf Gedächtnis-Konsolidierung und Langzeitgedächtnis.

72 Studienteilnehmer lernten 40 Minuten 90 Bilder-Assoziationen bevor sie zufällig einer von drei Gruppen zugeteilt wurden:

Sporttraining

Das Sporttraining bestand aus 35 Minuten Intervalltraining auf einem Hometrainer mit einer Intensität von bis zu 80 Prozent der maximalen Herzrate der Teilnehmer.

Achtundvierzig Stunden später kehrten die Teilnehmer für einen Test zurück, um zu zeigen, an wieviel sie sich erinnerten, während ihr Gehirn mittels Magnetresonanztomografie gescannt wurde.

Besserer Abruf durch 4 Stunden Pause vor Sport

Diejenigen, die erst vier Stunden nach dem Lernen sportlich aktiv waren, konnten die Informationen zwei Tage später besser abrufen als diejenigen, die sofort nach dem Lernen trainierten oder überhaupt keinen Sport machten.

Die Bilder des Gehirns zeigten auch, dass Sport nach einer zeitlichen Verzögerung mit genaueren Repräsentationen im Hippocampus verbunden waren - eine Region, die für Lernen und Gedächtnis wichtig ist - wenn jemand eine Frage richtig beantwortete.

Erklärungsversuch

Es ist jedoch noch unklar, wie oder warum verzögerte körperliche Aktivität diese Wirkung auf das Gedächtnis hat.

Jedoch weisen frühere Studien mit Labortieren darauf hin, dass natürlich vorkommende chemische Komponenten im Körper - bekannt als Katecholamine, einschließlich Dopamin und Norepinephrin (Noradrenalin) - die Konsolidierung der Speicherung verbessern können, sagen die Forscher. Und Katecholamine kann man z.B. durch Sport erhöhen.

Die Forscher wollen nun Timing und die molekularen Grundlagen von Sport und dessen Einfluss auf Lernen und Gedächtnis ausführlicher untersuchen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Radboud Universität, Current Biology - DOI: 10.1016/j.cub.2016.04.071; Juni 2016

Vergleich: Sport am besten fürs Erinnern

26.10.2016 Eine neue im Fachblatt Cognitive Systems Research veröffentlichte Studie der Fachhochschule Oberösterreich zeigt, dass Sport im Anschluss an das Lernen das Gelernte im Gedächtnis festigen kann - ganz im Gegensatz zum Spielen eines Actionspiels (Ego-Shooter) am Computer nach dem Lernen.

Die Forscher um Dr. Harald Kindermann baten 60 Männer im Alter zwischen 16 und 29, sich eine Reihe von gepaarten Vokabeln (entlang einer Route auf einer Stadtkarte) einzuprägen. Anschließend wurden sie zufällig auf drei Gruppen verteilt:

  1. Eine Gruppe spielte ein gewalthaltiges Computerspiel (den Ego-Shooter Counter-Strike),
  2. eine ging laufen und
  3. eine (die Kontrollgruppe) verbrachte ihre Zeit einfach nur draußen.
Die Forscher verglichen dann, wie gut sich die Teilnehmer jeder Gruppe an die gelernten Informationen erinnerten.

Läufer erinnerten sich am besten

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Läufer am besten erinnerten; sie erinnerten sich besser an die Informationen als vor dem Lauf.

Die Teilnehmer der Kontrollgruppe zeigten einen etwas schlechteren Gedächtnisabruf und die Spieler des Computerspiels demonstrierten den schlechtesten Gedächtnisabruf.

Die Forscher nehmen an, dass viele komplexe Faktoren diese Effekte beeinflussen.

Cortisol

So hat z.B. das Stresshormon Cortisol einen Einfluss auf unser Gedächtnis: Unter bestimmten Umständen hilft es uns, dass wir uns an bestimmte Dinge erinnern, und in anderen Fällten verschlechtert es unser Gedächtnis.

Es gibt zwei Stress-Typen in diesem Zusammenhang, psychologischer und körperlicher Stress, und es könnte sein, dass die bei physischen Stress - wie Laufen - ausgelösten Substanzen das Gedächtnis verbessern.

Mögliche Erklärungen

Die Forscher haben zwei Haupthypothesen:

Erstens könnte es sein, dass gewalthaltige Computerspiele das Gehirn glauben lassen, es gäbe eine reale Bedrohung. Dies, kombiniert mit dem psychischen Stress des Gameplays, bedeutet dass das Gehirn sich auf die wahrgenommene 'Bedrohung' fokussiert und die anderen - zuvor gelernten - Informationen zurückweist.

Die zweite Hypothese nimmt einen Schalter an, der das Gehirn - ausgelöst durch körperlichen Stress - in einen 'Gedächtnis-Speicher-Modus' wandelt, wobei es die gelernten Informationen besser behält.

Der durch moderaten Sport - wie Laufen - ausgelöste erhöhte Cortisol-Spiegel hilft, den Körper während des körperlichen Stresses in Balance zu halten. Die Verbindung zwischen Cortisol und einem verbesserten Gedächtnis ist aber noch unklar und muss weiter erforscht werden, sagte Kindermann.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Fachhochschule Oberösterreich, Cognitive Systems Research - http://dx.doi.org/10.1016/j.cogsys.2016.01.002; Okt. 2016

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