Vergesslichkeit (Psychologie, Psyche, Gehirn)

Gehirnforschung - Gedächtnisforschung

Vergesslichkeit im mittlerem Lebensalter

Keine Demenz, sondern Fokuswechsel des Gehirns von außen nach innen

14.07.2016 Eine neue in der Fachzeitschrift NeuroImage veröffentlichte Studie der McGill Universität sagt, dass die Vergesslichkeit im mittlerem Alter eher ein Resultat der Fokusveränderung des Gehirns bei Gedächtnisbildung und Gedächtnisabruf als ein Verfall (Demenz) der Gehirnfunktionen ist.

Alltägliche Gedächtnisprobleme: krankhaft oder normal?

Gedächtnisprobleme, die häufig ab dem vierten Lebensjahrzehnt auftreten, wie z.B. zu vergessen, wo man die Schlüssel abgelegt oder das Auto geparkt hat, können das tägliche Leben beeinflussen, sagte Studienautorin Natasha Rajah.

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Bild: Sophie Janotta

Es wird angenommen, dass mit Demenz verbundene Veränderungen im Gehirn bereits Jahrzehnte vor dem Beginn der Demenz entstehen. Es ist also eine Schlüsselfrage bei aktuellen Sorgen wegen des Gedächtnisses, welche Veränderungen des alternden Gehirns normal und welche pathologisch sind.

Aber Radscha sagt, dass sich der grösste Teil der Forschungsarbeit zu Altern und Gedächtnis auf die Gehirnveränderungen im höheren Alter konzentriert habe. Wir wissen also wenig darüber, was zur Lebensmitte beim gesunden Altern geschieht, und wie sich das auf die Befunde im höheren Alter bezieht, sagte sie. Ihre Forschungsarbeit richtete sie deshalb auf die Vergesslichkeit zur Lebensmitte aus.

In der Studie wurden 112 gesunden Erwachsenen im Alter zwischen 19 und 76 Jahren eine Reihe von Gesichtern gezeigt. Die Teilnehmer sollten dann abrufen, wo ein bestimmtes Gesicht auf dem Bildschirm (links oder rechts) und wann es erschien. Die Forscher benutzten funktionelle MRT, um zu analysieren, welche Teile des Gehirns während des Abrufs dieser Details aktiviert wurden.

Sehkortex-Aktivierung bei jungen Menschen

Radscha und Kollegen fanden, dass junge Erwachsene ihren Sehkortex aktivierten, während sie diese Aufgabe erfolgreich durchführten.

Sie erklärte, dass sie (die jungen Probanden) den perzeptiven Details mehr Aufmerksamkeit schenkten, um diese Entscheidung zu treffen.

Teilnehmer im mittleren und höheren Alter zeigten dagegen nicht das gleiche Ausmaß an Aktivierung des visuellen Kortex, während sie die Informationen abriefen.

Präfrontaler Kortex

Stattdessen wurde der präfrontale Kortex aktiviert. Dieser Teil des Gehirns spielt eine Rolle bei der Verarbeitung von Informationen, die mit dem eigenen Leben und Introspektion zu tun haben.

Auch wenn die Teilnehmer mittleren und höheren Alters nicht so gut performten wie die jüngeren in diesem Experiment und vergesslicher waren, wäre es falsch, die Reaktion des älteren Gehirns als Störung zu betrachten, sagte Radscha.

Dies ist wahrscheinlich kein 'Defizit' in der Gehirnfunktion per se, sondern spiegelt die Veränderung wider, was Erwachsene 'für wichtige Informationen' halten, wenn sie älter werden.

Mit anderen Worten konzentrierten sich die mittelalten und älteren Teilnehmer einfach auf andere Aspekte des Ereignisses im Vergleich zu denjenigen der jüngeren Gruppe.

Radscha sagt, dass Erwachsene im mittleren und höheren Alter ihre geistigen Abruffähigkeiten verbessern könnten, indem sie lernten, sich mehr auf externe und weniger auf interne Informationen zu konzentrieren. Möglicherweise liegt es daran, dass Achtsamkeitsmeditation mit besseren Kognitionen im Alter verbunden ist, sagte sie.

Radscha untersucht derzeit, ob es irgendwelche Geschlechterunterschiede in den Gehirnfunktionen im mittleren Alter gibt, die sich auf die Vergesslichkeit beziehen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: McGill Universität, NeuroImage - DOI: 10.1016/j.neuroimage.2016.06.022; Juli 2016

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