Gehirnalterung

Biologische Psychologie - Gehirnforschung

Sich jung zu fühlen, könnte bedeuten, dass das Gehirn langsamer altert

04.07.2018 Eine aktuelle psychologische Studie zeigt, dass das subjektive Altersgefühl das Gehirnalter widerspiegeln könnte.

Mit Hilfe von MRT-Hirnscans fanden Psychologen heraus, dass ältere Menschen, die sich jünger als ihr tatsächliches Alter fühlen, weniger Anzeichen von Hirnalterung zeigen - verglichen mit Personen, die sich (so alt oder) älter fühlen als sie sind. Die in der Zeitschrift Frontiers in Aging Neuroscience weist damit auf einen Zusammenhang zwischen subjektivem Alter und Gehirnalterung hin.

Warum fühlen sich manche Menschen jünger oder älter?

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Bild: Gerd Altmann

Warum fühlen sich manche Menschen jünger oder älter als sie tatsächlich sind, fragen die Studienautoren. Einige Möglichkeiten sind: Depressivität, Persönlichkeitseigenschaften und körperliche Gesundheit. Bislang hatte jedoch niemand die Alterungsprozesse des Gehirns als mögliche Ursache für Unterschiede im subjektiven Alter untersucht.

Häufig kommt es im Alter zu kognitiven Beeinträchtigungen. Tatsächlich zeigt das Gehirn eine Reihe von altersbedingten Veränderungen, die den Rückgang der neuronalen Gesundheit widerspiegeln, einschließlich der Verringerung des Volumens der grauen Substanz.

Kürzlich entwickelte Techniken können den Forschern helfen, die mit dem Altern verbundenen Merkmale des Gehirns zu identifizieren, um ein geschätztes Gehirnalter zu erhalten.

Zusammenhang zwischen subjektivem Alter und Gehirnalter

Dr. Jeanyung Chey, Seyul Kwak von der psychologischen Fakultät der Seoul National University in Korea und Kollegen setzten diese Techniken ein, um den Zusammenhang zwischen subjektivem Alter und Gehirnalterung zu untersuchen.

Sie führten MRT-Hirnscans bei 68 gesunden Menschen im Alter von 59-84 Jahren durch und untersuchten das Volumen der grauen Substanz in verschiedenen Hirnregionen.

Gedächtnis, Gesundheit, Depressivität

Die Teilnehmer wurden auch gefragt, ob sie sich älter oder jünger als ihr tatsächliches Alter fühlen und wie sie ihre kognitiven Fähigkeiten und Wahrnehmungen über ihren allgemeinen Gesundheitszustand einschätzen.

Personen, die sich jünger fühlten als sie waren, erreichten bei einem Gedächtnistest mit größerer Wahrscheinlichkeit ein höheres Ergebnis, betrachteten ihre Gesundheit als besser und berichteten seltener über depressive Symptome.

Volumen der grauen Substanz

Außerdem konnte bei ihnen ein erhöhtes Volumen der grauen Substanz in wichtigen Hirnregionen festgestellt werden. Die Forscher nutzten die MRT-Daten, um das geschätzte Gehirnalter der Teilnehmer zu berechnen.

Die Neurowissenschaftler stellten fest, dass Menschen, die sich jünger fühlen, die strukturellen Eigenschaften eines jüngeren Gehirns haben.

Dieser Unterschied blieb robust, auch nachdem weitere mögliche Faktoren wie Persönlichkeit, subjektive Gesundheit, Depressivität oder kognitive Funktionen berücksichtigt wurden.

Spürt man den Alterungsprozess im Gehirn?

Die Psychologen gehen davon aus, dass diejenigen, die sich älter fühlen, den Alterungsprozess in ihrem Gehirn spüren können, da der Verlust an grauer Substanz die Bewältigung kognitiver Aufgaben erschweren kann.

Allerdings wissen die Wissenschaftler derzeit nicht sicher, ob diese Gehirncharakteristika direkt für das subjektive Alter verantwortlich sind und müssen Langzeitstudien durchführen, um diesen Zusammenhang weiter zu untersuchen.

Eine faszinierende Möglichkeit ist, dass die sich jünger fühlenden Personen eher ein körperlich und geistig aktiveres Leben führen, was zu einer Verbesserung der Gehirngesundheit führen könnte. Für diejenigen, die sich älter fühlen, könnte das Gegenteil der Fall sein, schreiben die Psychologen.

Wenn sich jemand älter als sein tatsächliches Alter fühlt, könnte es ein Zeichen dafür sein, dass er seinen Lebensstil, seine Gewohnheiten und Aktivitäten, die zur Gehirnalterung beitragen, überprüfen sollte und Maßnahmen ergreifen könnte, um seine Gesundheit zu erhalten, schließt Chey.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Frontiers in Aging Neuroscience (2018). DOI: 10.3389/fnagi.2018.00168

Große Hirnstudie ermittelt, wie stark das Hirn durch verschiedene psychische Erkrankungen vorzeitig altert

21.08.2018 In der bislang größten Hirnbild-Studie haben Wissenschaftler der Amen Clinics (Costa Mesa, CA), Google und der Universitäten John's Hopkins und California (Los Angeles und San Francisco) 62.454 Hirn-SPECT-Scans (Single Photon Emission Computertomographie) von mehr als 30.000 Personen im Alter von 9 Monaten bis 105 Jahren ausgewertet, um Faktoren zu untersuchen, die die Hirnalterung beschleunigen.

Die SPECT-Tomographie bewertet die regionale zerebrale Durchblutung, die z.B. bei verschiedenen psychischen Erkrankungen verringert ist.

Untersuchung der regionalen zerebralen Durchblutung

Psychiater Dr. Daniel G. Amen, Gründer von Amen Clinics, kommentierte: Basierend auf einer der größten jemals durchgeführten Hirnscan-Studien können wir jetzt häufige psychische und neurologische Störungen und Verhaltensweisen verfolgen, die das Gehirn vorzeitig altern lassen.

Eine bessere Behandlung dieser Erkrankungen kann den Alterungsprozess des Gehirns verlangsamen oder sogar stoppen. Der Hinweise auf Cannabis-Missbrauch war besonders wichtig, da unsere Kultur beginnt, Marihuana als harmlose Substanz zu sehen. Diese Studie sollte uns zu denken geben.

Die aktuelle Studie benutzte die SPECT-Hirn-Bildgebung, um die Alterungswege im Gehirn zu bestimmen und welche häufigen Hirnerkrankungen eine abnormal beschleunigte Alterung vorhersagen.

Sie untersuchte diese funktionellen Neuroimaging-Scans aus einer großen psychiatrischen Klinik mit mehreren Standorten von Patienten, die viele verschiedene psychiatrische Störungen hatten, darunter bipolare Störungen, Schizophrenie und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS).

Die Neuroforscher untersuchten 128 Gehirnregionen, um das chronologische Alter des Patienten vorherzusagen. Das aus dem Scan vorhergesagte ältere Alter im Vergleich zum tatsächlichen chronologischen Alter wurde als beschleunigte Hirnalterung interpretiert.

Risikofaktoren

Die Studie ergab, dass eine Reihe von Hirnstörungen und Verhaltensweisen ein beschleunigtes Altern des Gehirns vorhersagten, insbesondere

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Muster des zerebralen Blutflusses

Interessanterweise beobachteten die Forscher keine beschleunigte Gehirnalterung bei Depressionen, was auf verschiedene Arten von Gehirnmustern für diese Erkrankungen zurückzuführen sein könnte.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Alter einer Person anhand von Mustern des zerebralen Blutflusses vorhergesagt werden kann. Darüber hinaus wurde die Grundlage geschaffen, um weiter zu erforschen, wie häufige psychische Störungen gesunde Muster des zerebralen Blutflusses beeinflussen können.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Journal of Alzheimer's Disease (2018). DOI: 10.3233/JAD-180598

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