Schädel-Hirn-Trauma u. das Gehirn

Gehirnforschung

News/Forschung zu Gehirnverletzungen: Schädel-Hirn-Trauma.

Schon leichte Schädel-Hirn-Traumata können Hirn langfristig schädigen

Auch ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma (Intrakranielle Verletzung) kann Hirnschäden wie ein beeinträchtigtes Denken und Gedächtnisprobleme verursachen, laut einer neuen Studie.

Für die Studie wurden 44 Personen mit einer leichten und neun mit einer moderaten traumatischen Gehirnverletzung mit 33 Kontrollpersonen ohne Gehirnverletzung verglichen.

Alle Teilnehmer nahmen an Denk- und Gedächtnistests teil, während bei ihnen MRT-Scans zur Aufklärung von Schäden an den Gehirnzellen durchgeführt wurden.

Bei den gehirnverletzten Personen wurde das Gehirn im Durchschnitt sechs Tage nach der Verletzung gescannt. Ein Jahr später machten 23 der Teilnehmer mit Schädel-Hirn-Trauma erneut die kognitiven Tests während MRT-Scans durchgeführt wurden.

Schäden an der weißen Gehirnsubstanz

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Die Studie fand, dass die Teilnehmer mit einer Gehirnverletzung (im Vergleich zu den nicht verletzten Teilnehmern) Schäden an der weißen Gehirnsubstanz vorwiesen: Es kam zu Unterbrechungen bei den Axonen - jenen Teilen der Nervenzellen, die die weiße Substanz ausmachen und die Nachrichtenübermittlung zwischen Gehirnzellen ermöglichen.

Die Befunde zeigten auch, dass die Teilnehmer mit einem Schädel-Hirn-Trauma bei den Tests zur Messung der verbalen Gewandtheit und des Gedächtnisses 25 % schlechter abschnitten als gesunde Teilnehmer. Dies stand in einer starken Verbindung zu den MRT-Scans der Schädigungen an der weißen Hirnsubstanz, bemerkten die Forscher.

"Die meisten Studien haben sich bisher auf Personen mit schweren und chronisch traumatischen Gehirnverletzungen konzentriert", sagte Studienautor Andrew Blamire von der Newcastle Universität im Vereinigten Königreich.

Wir untersuchten Patienten, die leichte klinische Verletzungen erfahren hatten, etwa wie durch den Sturz von einem Fahrrad oder einem Autounfall mit langsamer Geschwindigkeit. Dieser Befund ist besonders wichtig, da 90 Prozent aller traumatischen Gehirnverletzungen leicht bis moderat sind, sagte Blamire.

Ein Jahr nach der Verletzung hatten die Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma bei den Denk- und Gedächtnistests wieder aufgeschlossen, bemerkten die Forscher. Jedoch konnten immer noch gehirngeschädigte Bereiche bei diesen Personen festgestellt werden.

"Diese Ergebnisse zeigen, dass sich Denken und Gedächtnis mit der Zeit erholen", sagte Blamire. "Die Bereiche des Hirnschadens waren nicht mehr so weit über das Gehirn verteilt, sondern konzentrierten sich in bestimmten Bereichen des Gehirns, was anzeigen könnte, dass das Gehirn die Verletzungen kompensiert."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: The American Academy of Neurology / Neurology, Juli 2014

Gehirnverletzungen erhöhen Risiko für frühen Tod

Schädel-Hirn-Verletzungen bzw. Schädel-Hirn-Traumata (SHT) bedeuten für viele Betroffene, dass sie früher sterben, auch wenn sie sich vollständig erholt zu haben scheinen, laut einer neuen Studie.

Forscher des Karolinska Institut in Stockholm und der University of Oxford analysierten die Krankenblätter (der Zeit zwischen 1969 und 2009) von 218.300 SHT-Überlebenden.

Diese wurden dann mit denen der 150.513 Geschwister der SHT-Überlebenden und weiteren zwei Millionen Kontrollen verglichen.

Es zeigte sich, dass nur 0,2 Prozent der Menschen vor dem Alter von 56 ohne eine Verletzung starben, aber für Patienten, die eine Schädel-Hirn-Verletzung erlitten hatten, verdreifachte sich das Risiko.

Die häufigsten Ursachen für den vorzeitigen Tod waren Suizid und tödliche Verletzungen (z.B. durch Autounfälle). Das Team legt deswegen nahe, dass die neuronalen Kontrollfunktionen des Gehirns, Risikoeinschätzung, Konzentration und die Fähigkeit sich in neuen Situationen zurechtzufinden, dauerhaft durch größere Kopfverletzungen beeinträchtigt werden könnten.

Der Experte Dr Huw Williams, Psychologe und Professor an der Universität von Exeter, sagte: "Depression und Angst kommen immens oft bei Menschen mit Gehirnverletzungen vor. Sie müssen deshalb die ganze Zeit überwacht werden, falls sie suizidal werden."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Karolinska Institut, University of Oxford, Jan. 2013

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