Allopregnanolon

Gehirnforschung

Biochemie, Wirkweise, Wirkung

Allopregnanolon ist ein endogenes inhibitorisches Pregnan-Neurosteroid - eine wässrige Formulierung des neuroaktiven Steroids ist der Wirkstoff Brexanolon (ein Antidepressivum).

Es wird im Körper aus Progesteron hergestellt und ist ein potenter positiver allosterischer Modulator der Wirkung von Gamma-Amininobuttersäure am GABAA-Rezeptor. Das Neurosteroidhormon hat deshalb ähnliche Wirkungen wie andere positive allosterische Modulatoren der GABA-Wirkung am GABAA-Rezeptor wie z.B. Benzodiazepine.

Allopregnanolon wird im Gehirn von kortikalen und hippokampalen Pyramidenneuronen und pyramidenartigen Nervenzellen der basolateralen Amygdala produziert.

Depressionen, Angststörungen und posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sind mit einer Abnahme des Gehalts an Allopregnanolon in der zerebralen Liquorflüssigkeit verbunden, ebenso wie Stimmungsstörungen und sexuelle Funktionsstörungen, die häufig als Nebenwirkungen von 5a-Reduktase-Hemmern wie Finasterid erachtet werden.

Übergewichtige und magersüchtige Frauen haben niedrige Werte eines 'Wohlfühl'-Neurosteroids

12.11.2017 Frauen mit Anorexie bzw. Adipositas (sehr starkes Übergewicht) haben niedrige Werte des neuroaktiven Steroidhormons Allopregnanolon laut einer neuen in der Zeitschrift Neuropsychopharmacology veröffentlichten Studie.

Vorherige Studien haben geringe Mengen an Allopregnanolon mit Depressionen und Angstzuständen verknüpft, die häufig mit Magersucht und Fettleibigkeit in Verbindung gebracht werden.

Stoffwechselprodukt des Hormons Progesteron

Allopregnanolon ist ein Metabolit des Hormons Progesteron, eines der beiden wichtigen weiblichen Hormone (das andere ist Östrogen). Allopregnanolon bindet an Rezeptoren für den Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure (GABA) im Gehirn.

Diese Rezeptoren sind auch das Ziel von angstlösenden Medikamenten wie Benzodiazepine. Allopregnanolon wirkt durch die Signalverstärkung beim Andocken von GABA an dessen Rezeptor, und erzeugt im Allgemeinen eine positive Stimmung und Wohlbefinden.

Depressivität und Ängstlichkeit bei niedrigen Werten

allopregnanolon Chemische Strukturformel
Bild: Chemische Strukturformel

Mehr als 50 Prozent der Frauen mit Anorexia nervosa haben Depressionen oder Angststörungen, und 43 Prozent der Erwachsenen, die fettleibig sind, haben Depressionen, schreiben die Forscher.

Niedrige Allopregnanolon-Werte konnten in zahlreichen vorhergehenden Studien mit Depressionen und Angstzuständen in Verbindung gebracht werden, darunter auch Menschen mit Depressionen und Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). Aber die Chemikalie - und seine Auswirkung auf die Stimmung - wurde bisher nicht bei magersüchtigen oder fettleibigen Frauen untersucht.

Graziano Pinna von der University of Illinois (Chicago), Karen Miller von der Harvard Medical School und Kollegen erfassten bei

Blutwerte um 50 - 60 % niedriger

Depressivität, Ängstlichkeit und die Blutwerte von Allopregnanolon und anderen Hormonen. Keine der Frauen hatte zuvor eine Diagnose von Depression erhalten oder jemals Antidepressiva genommen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen war 26 Jahre alt.

Die Forscher fanden, dass bei anorektischen und übergewichtigen Frauen die Blutwerte von Allopregnanolon um 50 Prozent niedriger waren als bei den Frauen mit normalen BMI. Bei Frauen mit Adipositas waren diese Blutwerte sogar um 60% niedriger.

Verbindung mit depressiven und Angstsymptomen

Die Allopregnanolon-Blutwerte korrelierten auch mit dem Schweregrad der Depression und Angstsymptome. Je niedriger der Allopregnanolonspiegel, desto schwerer waren die Depressionssymptome.

Der Progesteronspiegel war ähnlich niedrig in allen Gruppen, was darauf hindeutet, dass die Abnahme von Allopregnanolon bei den Teilnehmern mit Anorexie nervosa und Adipositas durch Fehlfunktionen der Enzyme verursacht worden sein könnte, die für den Stoffwechsel von Progesteron in Allopregnanolon zuständig sind.

Enzym-Funktionsstörung

Frauen mit Anorexie hatten niedrige Progesteron-Werte, weil sie amenorrhoisch waren, und die anderen zwei Gruppen hatten ebenfalls niedrige Progesteronspiegel, weil ihnen Blut in der follikulären Phase entnommen wurde, in der Progesteron natürlich niedrig ist, sagte Pinna.

Dass fettleibige Frauen einen geringeren Allopregnanolonspiegel hatten als normalgewichtige Teilnehmerinnen unterstützt die Belege, dass dieses Steroid bei Depressivität und Ängstlichkeit involviert ist, unabhängig davon, wie viel Progesteron vorhanden ist.

Medikamente, die die Wirksamkeit der beteiligten Enzyme erhöhen, könnten nützlich sein, die Allopregnanolon-Werte anzuheben, sagte er. Aber es bedarf weiterer Forschungsarbeit, um das Defizit im Metabolismus von Progesteron zu Allopregnanolon genau herauszufinden, damit Präzisionsmedikamente entwickelt werden können.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Illinois (Chicago), Universität Harvard; Neuropsychopharmacology - DOI: 10.1038/npp.2017.269; Nov. 2017

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