Umweltgifte (Gehirn, Psyche)

Klinische Psychologie - Gehirnforschung

Störung der Gehirnentwicklung

Führende Wissenschaftler sind sich einig:
Umweltgifte schaden der Gehirnentwicklung; Maßnahmen sind dringend erforderlich

03.07.2016 Eine große Allianz führender Wissenschaftler, Mediziner und Gesundheitsverfechter sagen, dass die aktuellen wissenschaftlichen Belege einen Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber giftigen Chemikalien in Luft, Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs und dem Risiko für die Entwicklung von neurologischen Störungen bei Kindern demonstrieren.

Die häufigsten Umweltschadstoffe

Bei 90% der schwangeren US-Frauen (Anm.: und in Deutschland wird es ähnlich sein) können im Schnitt 62 Chemikalien (von 163 gescreenten) auf nachweisbarem Niveau festgestellt werden, sagt der Bericht (Biomonitoring-Daten der US Centers for Disease Control and Prevention aus dem Jahr 2011). Am häufigsten kommen die sechs unten genannten vor.

Die besorgniserregendsten Chemikalien in der Umwelt derzeit sind:

sagte Prof. der Biowissenschaften Susan Schantz von der Universität Illinois, eine Wissenschaftlerin aus dem Projekt TENDR (Targeting Environmental Neuro-Developmental Risks) - ein Zusammenschluss von 48 der landesweit führenden Wissenschaftlern, Medizinern und Gesundheitadvokaten aus vielen Disziplinen und Sektoren.

TENDR (Targeting Environmental Neuro-Developmental Risks)

gehirn
Bild: Gerd Altmann

TENDR hat sich zum Ziel gemacht, die Häufigkeit von Störungen der neurologischen Entwicklung zu senken, indem die Exposition gegenüber Chemikalien und Schadstoffen, die zu diesen Erkrankungen beitragen können, vor allem während der fetalen Entwicklung und der frühen Kindheit reduziert wird.

Polychlorierte Biphenyle (PCB)

Polychlorierte Biphenyle, einst als Kühlmittel und Schmiermittel in Transformatoren und anderen elektrischen Geräten und als Weichmacher verwendet, sind ebenfalls von Bedeutung.

PCBs wurden in den Vereinigten Staaten 1977 verboten (in Deutschland wurde die Herstellung von polychlorierten Biphenylen im Jahr 1983 beendet); sie können aber über Jahrzehnte in der Umwelt bestehen bleiben, sagte sie in der Zeitschrift Environmental Health Perspectives (Fachblatt des National Institute of Environmental Health Sciences). Sie sind derzeit in der Atmosphäre, den Gewässern und im Boden überall nachweisbar.

"Diese Schadstoffe sind allgegenwärtig, nicht nur in Luft und Wasser, sondern auch in täglichen Konsumgütern, die wir auf unseren Körpern und in unseren Häusern verwenden", sagte Schantz. Die Exposition gegenüber toxischen Chemikalien kann reduziert werden und ist dringend erforderlich, um unsere Kinder heute und zukünftig zu schützen.

Das menschliche Gehirn entwickelt sich über einen sehr langen Zeitraum, angefangen in der Schwangerschaft, über die Kindheit bis ins frühe Erwachsenenalter, sagte Schantz. Aber der größte Teil des Wachstums geschieht während der pränatalen Entwicklung. Die Neurone bilden sich und wandern und werden reif und differenzieren sich. Und wenn man diesen Prozess stört, werden wahrscheinlich dauerhafte Folgen zurückbleiben.

Phthalate und PBDE

Einige dieser sehr besorgniserregenden Chemikalien - wie Phthalate und PBDEs - sind bekannt dafür, dass sie die normale Hormontätigkeit stören. Zum Beispiel werden die meisten schwangeren Frauen in den Vereinigten Staaten positiv auf Phthalat- und PBDE-Exposition getestet; beide stören die Hormonfunktion der Schilddrüse.

Die Schilddrüsen-Hormone sind an fast jedem Aspekt der Gehirnentwicklung - von der Bildung der Neurone bis zur Zellteilung, der richtigen Wanderung der Zellen und der Myelination der Axone - beteiligt, sagte Schantz, die die Auswirkungen von Phthalat- und PBDW-Exposition bei Kindern und Tieren untersucht hat.

Sie regeln viele der an der Entwicklung des Nervensystems beteiligten Gene. Phthalates stören auch die Steroid-Hormonaktivität.

Studien verbinden die Exposition gegenüber bestimmtem Phthalaten mit

Phthalate sind überall; sie sind in allen möglichen Produkten. Wir kommen jeden Tag mit ihnen in Kontakt, sagte Schantz.

Lücken in der Regulierung

Der Bericht kritisiert die gegenwärtigen Lücken in der Regulierung, die es erlauben, dass die Menschen diesen in die Umwelt ausgebrachten Chemikalien ausgeliefert werden, obwohl ihre Effekte auf die neurologische Entwicklung bzw. fötale und kindliche Gesundheit wenig oder gar nicht erforscht sind.

Bei den meisten Chemikalien wissen wir nicht, was sie der neurologischen Entwicklung, der Gehirnentwicklung von Kindern antun, sagte Schantz. "Sie sind einfach nicht untersucht worden."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: TENDR, Environmental Health Perspectives (National Institute of Environmental Health Sciences) - DOI:10.1289/EHP358; Juni 2016

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