Psyche der Vegetarier (Psychologie)

Gesundheitspsychologie

Die Psychologie des Vegetarismus: News und Forschungsartikel, die sich mit den Auswirkungen von Vegetarismus auf das Gehirn und die Psyche beschäftigen.

Vegetarier: ängstlicher, depressiver, kränker?

Eine Studie aus Österreich untersuchte die Frage, ob die Ernährungsform (Vegetarismus/Mischkost) einen Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden hat.

Vegetarier vs. Mischköstler

Die Befunde zeigten insgesamt, dass Vegetarier tendentiell ein schlechteres Gesundheitsgefühl und Verhalten hatten, eher unter chronischen Erkrankungen litten und eine niedrigere Lebensqualität haben.

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In Österreich leben derzeit etwa 10% vegetarisch bzw. vegan (in Deutschland sind es ca. 4%). Forscher des Institutes für Sozialmedizin und Epidemiologie der Medizinischen Universität Graz befragten 1.320 Personen nach ihren Essgewohnheiten, Gesundheitsempfinden und -verhalten.

Es wurden vier gleichgroße Gruppen gebildet und miteinander verglichen:

  1. Vegetarier,
  2. Teilnehmer, die mediterrane Kost mit hohem Anteil an Obst und Gemüse essen,
  3. Mischköstler, die mediterrane Kost mit moderatem Fleischanteil essen,
  4. Mischköstler, die mediterrane Kost mit hohem Fleischanteil essen.

Körperliche Befunde:

Psychische Befunde

Die VegetarierInnen litten am häufigsten unter psychischen Störungen wie beispielsweise Angststörung und Depression.

Insgesamt ergab sich für die Gruppe der Vegetarier durch die körperlichen und psychischen Beschwerden eine niedrigere Lebensqualität und eine schlechtere psychische Gesundheit. Es zeigte sich auch 'ein Defizit in der Lebensqualität im Zusammenhang mit sozialen Beziehungen'.

Ob VegetarierInnen auf Grund des Ernährungsverhaltens ein schlechteres Gesundheitsempfinden bzw. eine niedrigere Lebensqualität haben, oder auf Grund ihrer Gesundheit diese Ernährungsweise wählen, können die Studienergebnisse jedoch nicht zeigen, sagte Nathalie Burkert von der Medizinischen Universität Graz.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Medizinische Universität Graz, Feb. 2014

Die Psychologie des Vegetarismus

Was macht einen Vegetarier aus?
Es ist nicht nur das, was auf dem Teller liegt.

20.06.2017 Man ist, was man isst, so sagt man; aber das scheint für Vegetarier nicht ganz zuzutreffen. Psychologen der Cornell Universität schlagen eine neue Theorie vor, was Vegetarismus ist, wobei es nicht nur darum geht, was auf dem Teller liegt.

Eine vegetarische Identität

Die neue psychologische Theorie besagt, dass Vegetarismus eine Identität ist, nicht nur eine Reihe von Entscheidungen darüber, was gegessen wird.

Die Wahl einer pflanzlichen Ernährungsweise - und eine Reihe von Möglichkeiten, was Menschen denken, fühlen und sich in Bezug auf diese Wahl verhalten - legt Vegetariern ein Selbstverständnis nahe - wie Rasse, Religion, Geschlecht oder sexuelle Orientierung eine Identität für andere bieten kann, schreiben die Psychologen in der Zeitschrift Appetite.

Auch andere Wissenschaftler sehen ähnliche Muster; so z.B. die Psychologin Dr. Melanie Joy, die im Fleischessen (Karnismus) eine Ideologie erkennt, nach der es charakterisierend und notwendig ist, den Konsum von Fleisch, Eiern und Milch als normal, natürlich und notwendig aufzufassen, was für eine Distanzierung vom Mitgefühl für die betroffenen Tiere sorgt.

Nur eine Diät?

Es scheint so, dass Vegetarismus nur eine Diät - eine bestimmte Ernährungsweise - ist, schreibt Studienautor Daniel Rosenfeld. Aber für viele Menschen kann es einen großen Einfluss darauf haben, was sie über sich selbst denken, wer sie sind, und über ihre Gefühle. Einer pflanzlichen Ernährungsweise zu folgen, ist wirklich ein Kernstück ihrer Identität.

Sich vegetarisch zu ernähren und sich als Vegetarier zu identifizieren, sind zwei verschiedene Dinge, schreiben die Psychologen.

Zum Beispiel ergab eine Umfrage von 2012, dass 5 Prozent der Erwachsenen in den Vereinigten Staaten sich als Vegetarier betrachten. Aber nur 3 Prozent ernährten sich tatsächlich rein pflanzlich. Und manche, die tierische Produkte vermieden, können sich laut der Studie nicht als reine Vegetarier betrachten.

Rosenfeld kam die Idee einer vegetarischen Identität, als er einen Kurs zu Rasse und ethnischer Identität seines Koautors Prof. Anthony Burrow besuchte.

10 Dimensionen

Als er die theoretischen Perspektiven zur Rasse als Identität begriff, begann Rosenfeld Gemeinsamkeiten darin zu sehen, wie die Menschen über Vegetarismus und Rasse sprechen. Rasse und Vegetarismus scheinen so verschieden, sagte er. Aber wenn sie durch eine psychologische Lupe betrachtet werden, können sie wie jedes Verhalten oder Selbstattribution definieren, wer wir sind.

Dann wird es schnell klar, dass Menschen, die sich mit einer Rasse oder mit Vegetarismus (oder Veganismus) identifizieren, beide durch identische Rahmenbedingungen gezeigt werden können.

Auf der Grundlage mehrerer psychologischer Theorien beschreibt das vereinheitlichte Modell der vegetarischen Identität von Rosenfeld und Burrows 10 messbare "Dimensionen" oder Aspekte einer vegetarischen Identität - organisiert in drei Ebenen (kontextbezogen, internalisiert und externalisiert).

Historischer Kontext, Timing und Dauer

Die ersten drei Aspekte - historische Einbettung, Timing und Dauer - beinhalten die sozialen Kontexte, die formen, wie sich jemand als 'Esser' sieht.

Zum Beispiel können Zeit und Ort die Erwartungen beeinflussen, wie und was wir essen. Der Umzug in eine Stadt - an einen Ort - mit vielen Vegetariern kann jemanden beeinflussen, eine vegetarische Ernährung anzunehmen und vielleicht sogar verändern, wie er/sie sich selbst sieht und identifiziert.

Salience und Zentralität

Andere Dimensionen beinhalten, wie die Menschen ihre ausgewählten Lebensmittel in ihre Selbstwahrnehmung übernehmen.

Salience (Auffälligkeit) und Zentralität, zum Beispiel, beinhalten das Ausmaß, in dem Vegetarier sein, ein definierendes Merkmal der eigenen Identität ist.

Motivation

Motivation spielt auch eine Rolle. Ein bemerkenswerter Befund ist, dass Vegetarier und Veganer andere Ernährungsmotivationen haben als Menschen, die nur eine kleine Menge Fleisch essen, aber nicht ganz vegetarisch leben.

Während nur 21 Prozent derjenigen, die in der Gruppe mit einem niedrigen Fleischkonsum waren, von Tierschutz-Organisationen motiviert wurden, betrug diese Zahl satte 71 Prozent unter den Vegetariern, sagte Rosenfeld.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass ethische Motivationen zum Tierschutz stärker mit einem 'reinen' Vegetarismus verbunden sind, anstatt nur den Fleisch-Konsum etwas zu verringern, sagte er.

Positive, negative Einstellung, Ansichten

Einige Dimensionen beziehen sich darauf, wie positiv oder negativ eine Person über Vegetarier, Veganer und Omnivoren (Allesesser) denkt.

Zum Beispiel kann ein Vegetarier Ekel, Wut oder Groll empfinden, wenn er/sie jemanden sieht, der einen Pelzmantel oder eine Lederjacke trägt. Diese Gefühle sind Teil dessen, was Rosenfeld und Burrow eine "geringe omnivore Rücksicht" nennen.

Striktheit u. Ernährungsmuster

Natürlich ist auch die Wahl des Essens ein Faktor. Die Dimension der "Striktheit" misst, wie eng man einer pflanzlichen Ernährung folgt, während die Dimension Ernährungsmuster auf die Lebensmittel verweist, die man vermeidet, wie Eier, Milchprodukte oder Fische.

Die diätische Striktheit hat einige methodische Inkonsistenzen über Studien hinweg verursacht, so Rosenfeld.

Wenn sich ein Teilnehmer als Vegetarier identifiziert, aber gelegentlich Fleisch isst, sollte ein Forscher diesen als Vegetarier bezeichnen, fragt er.

Es sind diese Feinheiten, die das Studium und die Psychologie des Vegetarismus so spannend machen, sagt er. Er hofft, dass das Identitätsmodell eine neue Perspektive bietet, um Sinn da zu stiften, was als unsinnig erscheinen mag.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Cornell Universität, Daniel L. Rosenfeld et al. The unified model of vegetarian identity: A conceptual framework for understanding plant-based food choices, Appetite (2017). DOI: 10.1016/j.appet.2017.01.017

Empfundene Bedrohung durch Vegetarismus: Die Psyche des "Bedrohten"

Warum manche Menschen sich moralisch nicht um das Wohl von Tieren sorgen; das Empfinden menschlicher Überlegenheit und das Bedrohungsgefühl durch den Vegetarismus.

20.06.2018 Menschen, die sich psychisch bzw. ideologisch vom Vegetarismus bedroht fühlen, kümmern sich eher weniger um Tiere.

Eine neue psychologische Forschungsarbeit legt nahe, dass Menschen, die den Vormarsch des Vegetarismus als Bedrohung für ihre Lebensweise empfinden, sich eher weniger um einige Tiere kümmern bzw. weniger um deren Wohl besorgt sind.

Die Studie, an der Teilnehmer aus den USA beteiligt waren, ergab, dass sowohl Überzeugungen hinsichtlich der menschlichen Überlegenheit als auch eine wahrgenommene vegetarische Bedrohung wichtig sind, um zu erklären, warum manche Menschen das Wohl der Tiere moralisch ausklammern, schreiben Ana C. Leite und Kristof Dhont vom Fachbereich Psychologie der Universität Kent, UK und Gordon Hodson vom psychologischen Fachbereich der Universität Brock, Ontario, Canada.

Moralische Verantwortung für Tiere

Die Psychologen untersuchten die Auswirkungen der Glaubensvorstellungen zur Vormachtstellung des Menschen und des Vegetarismus darauf, ob sich Menschen moralisch für Tiere verantwortlich fühlen.

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Bild: Michal Jarmoluk

Die Wissenschaftler untersuchten dies in Hinblick auf Tiere, die normalerweise als Haustiere betrachtet werden - wie Katzen und Hunde - bis hin zu jenen, die zum Verzehr aufgezogen werden - wie Schweine und Kühe - und Wildtiere.

Die moralische Verpflichtung gegenüber Tieren variiert stark in Abhängigkeit von der Wahrnehmung eines Tieres, seiner funktionalen Rolle in der Gesellschaft und seiner Beziehung zum Menschen.

Die überwiegende Mehrheit der Befragten (90%) fühlte sich moralisch verpflichtet, sich um das Wohlergehen und die Interessen von Hunden (Haustier) zu kümmern, aber nur 51% waren der Meinung, dass dies auch für Schweine und Kühe ("Nutztiere") gilt.

Vormachtstellung in der Welt

Die Ergebnisse zeigten, dass je ausgeprägter die Weltanschauung war, in der dem Menschen eine stärkere Überlegenheit bzw. Vormachtstellung zugeschrieben wird, und je stärker die "Bedrohung" durch Vegetarier empfunden wird, desto weniger Tieren schenkten diese Personen moralisches Interesse.

Tatsächlich prognostizierte der Glaube an die menschliche Vormachtstellung den moralischen Ausschluss aller untersuchten Tierkategorien.

Das heißt, je stärker die Dominanzüberzeugungen sind, desto wahrscheinlicher wurden "attraktive" (z.B. Schimpansen) und "unattraktive" (z.B. Schlangen) Wildtiere, Haustiere (z.B. Hunde) und Nutztiere (z.B. Schweine, Kühe) moralisch ausgeschlossen.

Bedrohung durch Vegetarier

Die Auswirkungen der psychischen Bedrohung durch Vegetarier waren jedoch spezifischer und traten nur bei bestimmten Tierkategorien auf.

Das Empfinden einer stärkeren vegetarischen Bedrohung sagte eine geringere moralische Einbeziehung von Nutztieren, zwar nicht von Haustieren, doch unerwarteterweise von attraktiven Wildtieren (wie Schimpansen und Delfinen) voraus.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: European Journal of Social Psychology http://dx.doi.org/10.1002/ejsp.2497

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

RE: Vegetarier: ängstlicher, depressiver, kränker?

12.03.2016 Kommentar von Yvonne O.:

Habe mehre Chronische Erkrankungen in meinen LEBEN mir eingehandelt unter anderem auch Gen bedingte die erst durch mein Alter auf getreten sind.Bin Vegetarier geworden aus Gesundheitlichen Gründen. Leide keineswegs an Depression. auch an keinen bedingten Ernährungs Mangel

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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