Herz und Psyche

Gesundheitspsychologie / Psychosomatik

Herzgesundheit: News und Forschungsartikel, die sich mit den Auswirkungen psychosozialer Faktoren auf das Herz beschäftigen.

Gute Nachbarn sind gut fürs Herz

Ein guter nachbarlicher sozialer Zusammenhalt kann das Herzinfarktrisiko reduzieren, laut einer neuen Forschungsstudie der University of Michigan, USA.

Nachbarschaftlicher Zusammenhalt

Die Studie folgte für vier Jahre mehr als 5.000 Erwachsenen im durchschnittlichen Alter von 70 Jahren. 62% der Teilnehmer waren verheiratet, und fast zwei Drittel waren Frauen.

Die Teilnehmer sollten einschätzen, in welchem Ausmaß

Zusammengefasst ist dies als nachbarschaftlicher Zusammenhalt bekannt.

Herzinfarktrisiko

In den folgenden vier Jahren hatten 148 (66 Frauen und 82 Männer) einen Herzinfarkt.

Doch Teilnehmer, die über einen besseren Zusammenhalt mit der Nachbarschaft berichtet hatten, erlitten mit geringerer Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt.

Eine Zunahme des sozialen Zusammenhalts um eine Einheit verringerte das Herzinfarktrisiko um 17 Prozent, laut der im Journal of Epidemiology & Community Health herausgegebenen Studie.

Das mit einer guten Nachbarschaft verbundene reduzierte Herzinfarktrisiko blieb auch bestehen, nachdem die Forscher andere Faktoren in Betracht gezogen hatten.

Die Ergebnisse unterstützen andere Studien, die eine Verbindung zwischen dem Leben in einer guten Nachbarschaft und den verringerten Risiken für Herzinfarkt und Schlaganfall fanden. Diese Studie zeigt aber keine Ursache-Wirkung-Beziehung.

"Ein guter Zusammenhalt in der Nachbarschaft kann eine Art soziale Stütze sein, die im sozialen Nachbarschaftsumfeld außerhalb von Familie und Freunden verfügbar ist", sagte Eric Kim vom Fachbereich Psychologie an der Universität Michigan.

Die Befunde legen nahe, dass eng verknüpfte nachbarliche Beziehungen Verhalten zum sozialen Zusammenhalt unterstützen und antisoziales Verhalten reduzieren, schrieben die Autoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Michigan / Journal of Epidemiology & Community Health, August 2014

Positive Kindheitserlebnisse verbunden mit gesundem erwachsenen Herz

31.01.2015 Positive psychosoziale Erfahrungen während der Kindheit sind mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für kardiovaskuläre Gesundheit im Erwachsenenalter verbunden.

Je mehr positive psychosoziale Erfahrungen im Kindesalter, desto besser war das Abschneiden hinsichtlich der idealen kardiovaskulären Gesundheit später im Leben laut einer aktuellen Studie.

Psychosoziale Faktoren

Positive psychosoziale Faktoren waren laut der in Circulation veröffentlichten Forschungsarbeit:

Herzgesundheit
Bild: Gerd Altmann (pixabay)

"Die Erziehungsentscheidungen der Eltern haben langfristige Auswirkungen auf die zukünftige Gesundheit ihrer Kinder und die Verbesserung eines jeden Faktors hat messbare Vorteile", sagte Studienautorautorin Laura Pulkki-Råback von der Universität Helsinki in Finnland.

"Zum Beispiel wenn ein arbeitsloser Elternteil eine feste Arbeitstelle bekommt, kann die Wirkung immens sein. Wenn er oder sie auch zu rauchen aufhört, ist der Nutzen noch größer. Alle Versuche, das Familienwohl zu verbessern, sind förderlich."

Die Forschungsstudie der Universität Helsinki mit 3.577 Kindern im Alter zwischen drei und 18 Jahren maß sechs Faktoren:

Kardiovaskuläre Gesundheit

Siebenundzwanzig Jahre später untersuchten die Forscher 1.089 der Teilnehmer im Alter zwischen 30 und 45 Jahre im Hinblick auf die ideale kardiovaskuläre Gesundheit der American Heart Association's Life's Simple 7 (Aktivität, Cholesterin, Blutdruck, Gewicht, Blutzucker und Rauchen).

Die Teilnehmer mit den größten psychosozialen Vorteilen in der Kindheit waren mit:

Ein vorteilhafter sozioökonomischer Status und selbstregulierendes Verhalten (Impulskontrolle) waren die stärksten Verhersagevariablen zukünftiger idealer kardiovaskulärer Gesundheit im Erwachsenenalter.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Circulation, Universität von Helsinki; Jan. 2015

Scheidung erhöht Herzinfarktrisiko für Frauen

Psyche und Herz

17.04.2015 Forscher der Duke University haben entdeckt, dass geschiedene Frauen eine höhere Rate für Herzinfarkte haben, als Frauen, die verheiratet blieben. Weiterhin hatten Frauen, die zwei oder mehrere Scheidungen durchgemacht hatten, ein fast doppelt so hohes Risiko für einen Herzinfarkt.

Geringere Auswirkungen auf das männliche Herz

Das Risiko von Männern für einen Herzinfarkt ist normalerweise höher als das von Frauen. Jedoch scheinen die Auswirkungen einer Scheidung die Herzgesundheit von Frauen unverhältnismäßig höher zu belasten als die von Männern.

Männer hatten in etwa dasselbe Risiko - ob sie sich scheiden ließen oder verheiratet blieben. Erst nach zwei oder mehr Scheidungen ging das Risiko für Männer rauf.

Aber für Frauen blieb das erhöhte Herzinfarktrisiko erhalten, selbst wenn sie nach dem Scheidungsstress wieder heirateten laut der in der Zeitschrift Circulation: Cardiovascular Quality and Outcomes veröffentlichten Befunde.

Anhaltende gesundheitliche Folgen durch Scheidung

Scheidung ist ein grosser psychischer Stressor und wir wissen schon seit längerem, dass geschiedene Leute unter gesundheitlichen Folgen zu leiden haben, sagte Studienautor Matthew Dupre von der Duke.

"Aber dies ist eine der ersten Studien, die sich den kumulativen Effekt (die Gesamtauswirkung) von Scheidung(en) über eine lange Zeitperiode ansahen. Wir stellten fest, dass es einen dauerhaften 'Eindruck' auf die Gesundheit der Leute haben kann."

Die Forscher analysierten die Daten von 15.827 Personen im Alter von 45 bis 80 Jahren, die mindestens einmal verheiratet gewesen waren. Die Teilnehmer waren alle zwei Jahre von 1992 bis 2010 über ihren Familienstand und ihre Gesundheit befragt worden. Etwa ein Drittel der Teilnehmer hatte sich mindestens einmal während der 18-jährigen Studie scheiden lassen.

Ein weiterer Befund der Studie war, dass es den Männern - anders als den Frauen - besser ging, wenn sie wieder heirateten. Diese Männer hatten ein gleichgroßes Herzinfarktrisiko wie die Männer, die stetig mit einer Partnerin verheiratet blieben.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Duke University, Circulation: Cardiovascular Quality and Outcomes; April 2015

Dankbarkeit verbessert Herzgesundheit

20.04.2015 Eine Studie der University of California legt nahe, dass die Empfindung von Dankbarkeit gegenüber den positiven Aspekten des Lebens die Herzgesundheit bei Patienten mit einer Herzschwäche (asymptomatische Herzinsuffizienz) verbessern kann.

Dankbarkeit

dankbarkeit
Bild: John Hain (pixabay)

Dankbarkeit ist Teil einer offeneren Lebensauffassung, die durch die Wahrnehmung und Wertschätzung der positiven Aspekte des Lebens charakterisiert ist. Sie kann sich auf eine externe Quelle (z.B. ein Haustier), eine andere Person oder Übersinnliches (z.B. Götter, Engel etc.) beziehen.

"Wir haben festgestellt, dass eine größere Dankbarkeit bei diesen Patienten mit einer besseren Stimmung, besseren Schlaf, weniger Erschöpfung und einem niedrigeren Ausmaß an mit der Herzgesundheit verbundenen Entzündungsmarkern auftraten", sagte Studienautor Paul J. Mills in der Zeitschrift Spirituality in Clinical Practice der American Psychological Association.

Dankbarkeit ist auch ein Aspekt der Spiritualität, sagte er weiter. Weil frühere Forschungsarbeiten zeigten, dass spirituelle Menschen ein verbessertes Allgemeinwohl (inkl. körperlicher Gesundheit) haben, wollten Mills und seine Kollegen die Rolle von Spiritualität und Dankbarkeit bei den potentiellen Gesundheitsmarkern untersuchen.

Herzgeschwächte Teilnehmer: Stadium B

Für die Studie analysierten die Forscher Daten von 186 Männern und Frauen mit mindestens für drei Monate diagnostizierter asymptomatischer Herzschwäche (Stadium B). In Stadium B befinden sich Patienten mit einer strukturellen Herzerkrankung (z.B. einen Herzinfarkt, der das Herz beschädigte), die eng mit der Entstehung einer Herzinsuffizienz verbunden ist und bislang noch keine Herzinsuffizienzsymptome gezeigt haben (z.B. Kurzatmigkeit oder Erschöpfung).

Dieses Stadium ist ein wichtiges therapeutisches Fenster um die Krankheitsentwicklung aufzuhalten und die Lebensqualität zu verbessern, da Stadium B Patienten ein hohes Risiko für Stadium C haben: symptomatisches Herzversagen, bei dem das Sterblichkeitsrisiko fünfmal höher ist laut Mills.

Nicht Spiritualität sondern Dankbarkeit

Sie stellten fest, dass eine größere Punktezahl bei der getesteten Dankbarkeit mit einer besseren Stimmung, einer höheren Schlafqualität, mehr Selbstwirksamkeit und weniger Entzündungen (Inflammation) verbunden waren. Inflammation verschlimmert oftmals Herzinsuffizienz.

Was die Forscher aber überraschte: Nicht die Spiritualität war für die positiven Auswirkungen verantwortlich, sondern die Dankbarkeit.

"Wir stellten fest, dass spirituelles Wohlbefinden mit einer besseren Stimmung und Schlafqualität verbunden war, aber es war der Dankbarkeitsaspekt der Spiritualität, der für diese Effekte verantwortlich war, nicht die Spiritualität per se", sagte Mills.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of California, Spirituality in Clinical Practice; April 2015

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