Körper-Geist-Gesundheit (Mind-Body-Health)

Gesundheitspsychologie

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Yoga, Meditation und vegetarische Ernährung verbessern Körper-Geist-Gesundheit und Stressresilienz

23.08.2017 Ein neuer in Frontiers in Human Neuroscience veröffentlichter Forschungsartikel untersuchte die Effekte von Yoga, Meditation und einer vegetarischen Ernährung auf den im Gehirn vorkommenden neurotrophen Wachstumsfaktor, die Aktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse und entzündliche Marker.

Retreat

In dieser Studie wurden die Retreat-Teilnehmer (Retreat: eine geplante spirituelle Ruhepause oder Rückzug von der gewohnten Umgebung) vor und nach der Teilnahme an einem dreimonatigen Yoga- und Meditations-Retreat mit täglicher Meditation und Isha-Yoga, begleitet von einer vegetarischen Ernährung, in ihrer Körper-Geist-Gesundheit beobachtet.


Bild: John Hain

Die Forscher maßen psychometrische Werte, den neurotrophen Wachstumsfaktor (BDNF), zirkadiane Speichel-Cortisolspiegel, sowie pro- und entzündungshemmende Zytokine.

Verbindungen zwischen psychologischen und biologischen Veränderungen

Sie sammelten auch Daten über psychometrische ('geistige') Variablen, einschließlich Achtsamkeit, Absorption (Begriff aus der Psychologie für ein Persönlichkeitsmerkmal oder einen Gefühlszustand, der durch Offenheit gegenüber emotionalen und geistigen Veränderungen charakterisiert ist), Depression und Ängstlichkeit, und untersuchten die Beziehung zwischen psychologischen Verbesserungen und biologischen ('körperlichen') Veränderungen.

Depressivität, Angst, Achtsamkeit

Die Daten zeigten, dass die Teilnahme am Retreat mit einer Verringerung sowohl der selbstberichteten Angst als auch der Depressivität, sowie einer Zunahme der Achtsamkeit einherging.

BDNF

Das Forscherteam beobachtete einen Anstieg des Plasmaspiegels des BDNF - einem Neuromodulator, der eine wichtige Rolle bei Lernen, Gedächtnis und der Regulation komplexer Prozesse wie Entzündungen, Immunsystem, Stimmungsregulation, Stressreaktion und Metabolismus spielt.

Cortisol-Aufwachreaktion

Sie beobachteten auch eine Zunahme der Cortisol-Aufwachreaktion (CAR = Cortisol awakening response), die Teil der Hypothalamus-Hypophyse-Nebennieren-Achse (HPA) ist, und auf eine verbesserte Stressresistenz hindeutet.

Entzündliche Prozesse

Darüber hinaus gab es eine Abnahme der entzündlichen Prozesse, die durch eine Zunahme des entzündungshemmenden Zytokins Interleukin-10 und eine Reduktion des pro-inflammatorischen Zytokins Interleukin-12 nach dem Retreat verursacht wurden.

Anstieg bei Resilienz und Wohlbefinden

Das Forscherteam vermutet, dass das Muster der biologischen Befunde mit einem Anstieg bei Resilienz und Wohlbefinden verbunden ist.

Das beobachtete erhöhte BDNF-Signaling, das möglicherweise mit einer verbesserten Neurogenese und / oder Neuroplastizität zusammenhängt, die Zunahme der Cortisol-Aufwachreaktion und damit eine erhöhte Wachsamkeit und Bereitschaft für Geist-Körper-Aktivitäten und erhöhte anti- und proinflammatorische Zytokine legen eine verbesserte immunologische Bereitschaft nahe, erklärte Studienautor Dr. Baruch Rael Cahn von der Universität von Southern California.

Eine faszinierende mögliche Verknüpfung zwischen den Auswirkungen auf BDNF und Cortisol-Aufwachreaktion ist die hippocampale funktionelle Integrität, da sich die erhöhten BDNF-Werte aufgrund der körperlichen Betätigung bereits mit der hippocampalen Neurogenese verknüpft zeigten und sich wahrscheinlich auf die positiven Effekte auf mentales bzw. geistiges Wohlbefinden und Depression beziehen.

Mehrere Einflussfaktoren

Angesichts der bisherigen Studien über die positiven psychischen Effekte von Meditation auf die mentale Gesundheit, die autonome Homöostase und den entzündlichen Status sind die Forscher der Auffassung, dass ihre Erkenntnisse mit den meditativen Praktiken zusammenhängen, die die Retreat-Teilnehmer ausübten.

Allerdings weisen sie auch darauf hin, dass einige der beobachteten körperlichen und geistigen Veränderungen auch mit den physikalischen Aspekten des Retreats - Yoga-Übungen und vegetarische Ernährung zusammenhängen können - und dass die beobachteten Veränderungsmuster ein Spiegelbild des Wohlbefindens und der Geist-Körper-Integration sein könnten.

Die nächsten Forschungsarbeiten sollen nun klären, inwieweit sich die positiven Veränderungen des Körper-Geist-Wohlbefindens und der Stressresilienz auf die Yoga- und Meditationspraktiken beziehen oder / und andere mögliche Kontextfaktoren wie die soziale Dynamik, (vegetarische) Ernährung und die Beeinflussung durch den Lehrer.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität von Southern California, Frontiers in Human Neuroscience - DOI: 10.3389/fnhum.2017.00315; Aug. 2017

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