Naturpsychologie, Natur u. Psyche

Biologische Psychologie - Gesundheit

Forschung, News zur Naturpsychologie, den Auswirkungen natürlicher Umgebungen, Grünanlagen auf die Psyche

Aufenthalt in der Natur mit geringerem Risiko für Depression und Bluthochdruck verbunden

27.06.2016 Menschen, die für mindestens 30 Minuten in der Woche Parks bzw. Grünanlagen aufsuchen, zeigen eine bessere körperliche und psychische Gesundheit im Vergleich zu Personen, die nicht in Parks spazierengehen laut einer in der Fachzeitschrift Nature Scientific Reports veröffentlichten Studie der Universität von Queensland.

Minimale Dosis Natur

Die Forscher sagen, dass Menschen tatsächlich eine minimale 'Dosis Natur' benötigen. Laut Studienautorin Dr. Danielle Shanahan bieten Parks gesundheitliche Vorteile - einschließlich ein geringeres Risiko für die Entwicklung von Herzkrankheiten, Stress, Angst und Depression.

Wenn jeder einen lokalen Park für eine halbe Stunde pro Woche besuchen würde, gäbe es sieben Prozent weniger Fälle von Depression und neun Prozent weniger Fälle von Bluthochdruck, sagte sie.

Koautor Professor Richard Fuller fügte hinzu, dass die neue Studie den Menschen zu einer anderen Sichtweise städtischer Parks und Grünanlagen verhelfen könnte.

Wir wissen seit langem, dass der Besuch von Parks unserer Gesundheit gut tut, aber wir können jetzt recht genau sagen, wie viel Zeit wir in Parks verbringen müssen, um diese Vorteile zu erreichen, sagte er. "Wir haben spezifische Belege, dass wir regelmäßige Besuche mit mindestens einer halben Stunde benötigen, um sicherzustellen, dass es zu gesundheitlichen Vorteilen kommt.

Insbesondere Kinder profitieren von mehr Zeit draußen, sagte Shanahan.

Kinder, die in natürlichen Umgebungen aufwachsen, können in der Entwicklung profitieren und zeigen ein größeres Umweltbewusstsein als Erwachsene - im Vergleich zu denjenigen, die wenig Kontakt zur Natur haben, bemerkte sie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität von Queensland, Nature Scientific Reports - DOI: 10.1038/srep28551; Juni 2016

Der Klang der Natur kann uns entspannen; doch was geschieht dabei im Gehirn?

08.04.2017 Das leichte Plätschern eines Bachs oder das Rascheln von Blättern im Wind kann unsere Psyche und unseren körperlichen Zustand verändern, und uns beim Entspannen helfen.

Eine neue im Fachblatt Scientific Reports veröffentlichte psychologische Studie der Universität Sussex zeigt zum ersten Mal, wie die Geräusche aus der Natur auf unser Gehirn wirken.

Beeinflussung des autonomen Nervensystems

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Bild: Gerd Altmann

Die Forscher um Dr. Cassandra Gould van Praag und Mark Ware fanden heraus, dass Naturgeräusche die körperlichen Systeme beeinflussen, die die autonomen Nervensysteme von fight-or-flight (Kampf-oder-Flucht) und Ruhe-und-Erholen regulieren - mit verknüpften Effekten in der Ruhe-Aktivität des Gehirns.

Während naturalistische Klänge, Geräusche und 'grüne' Umgebungen in mehreren Studien mit der Förderung von Entspannung und des psychischen Wohlbefindens bereits verknüpft werden konnten, gab es bislang keinen Konsens darüber, wie dies geschieht.

In den aktuellen Experimenten der Wissenschaftler hörten die Teilnehmer Töne, Geräusche, Klänge aus natürlichen (z.B. Geräusche aus dem Wald, vom Meer) oder aus nicht-natürlichen Umgebungen, während ihre Aktivitäten im Gehirn mit einem MRT-Scanner und die ihres autonomen Nervensystems über die Herzrate aufgezeichnet wurden.

Default Mode Network

Es stellte sich heraus, dass die Aktivität im Default Mode Network (englisch, DMN, dt. Netzwerk im Ruhezustand; Ruhezustandsnetzwerk - verschiedene Regionen des Gehirns, die aktiv sind, während wir uns ausruhen) Unterschiede zeigte, je nachdem, welche Geräusche im Hintergrund zu hören waren.

Hörten die Teilnehmer naturgetreuen Klängen zu, spiegelte die Gehirnkonnektivität einen nach außen gerichteten Fokus der Aufmerksamkeit wider; hörten die Probanden künstliche Geräusche, spiegelte das Muster der Gehirnverbindungen einen nach innen gerichteten Aufmerksamkeitsfokus wider - ähnlich wie bei Ängstlichkeit, Angststörungen, Posttraumatischer Belastungsstörung und Depression.

Es gab auch eine Zunahme bei der Ruhe-und-Erholen Nervensystem-Aktivität (verknüpft mit der Entspannung des Körpers), während die Teilnehmer den natürlichen Klängen zuhörten - im Vergleich zu den künstlichen Geräuschen, und auch einer besseren Leistung bei einem externen Aufmerksamkeitstest.

Interessanterweise war das Ausmaß der Veränderung in der Nervensystem-Aktivität abhängig vom Ausgangszustand der Teilnehmer:

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Sussex, Scientific Reports; April 2017

Sind einige natürliche Umgebungen psychologisch vorteilhafter als andere?

01.11.2017 Zeit in ländlichen Orten und an der Küste zu verbringen, ist psychologisch vorteilhafter für den Menschen als sich in städtischen Grünanlagen aufzuhalten.

Eine im Fachblatt Environment & Behavior veröffentlichte Studie der Universitäten Surrey, Exeter und Plymouth werteten die Erfahrungen von mehr als 4.500 Menschen bei ihrem Aufenthalt in der Natur aus und untersuchten zum ersten Mal, wie sich verschiedene natürliche Umgebungen und ihre Qualität auf das psychologische Wohlbefinden auswirken.

Die Teilnehmer wurden gebeten, ihren Aufenthalt zu beschreiben und ihre Gesamterfahrung zu bewerten. Die Psychologen fanden heraus, dass diejenigen, die ländliche und Küstenorte besuchten, über größere psychologische Zufriedenheit berichteten als diejenigen, die sich in städtischen Grüngebieten wie Stadtgärten und Parks aufhielten.

Es zeigte sich auch, dass der Besuch von Naturschutzgebieten oder ausgewiesenen Nationalparks zu einer größeren Verbesserung des psychischen Wohlbefindens führte.

Weiterhin stellten die Forscher fest, dass diese Besuche in der Natur (insbesondere in Naturschutzgebieten, an der Küste und in ländlichen grünen Gebieten) sowohl mit ausgeprägteren Gefühlen der Entspannung und Erholung als auch mit stärkeren emotionalen Verbindungen zur Natur assoziiert waren.

Interessanterweise stellte sich heraus, dass Besuche länger als 30 Minuten mit einer besseren Verbindung verknüpft waren und größere positive psychologische Effekte hatten.

Der sozioökonomische Status erwies sich nicht als ein ausschlaggebender Faktor für den Erholungswert der Natur. Dies trägt dazu bei, sozioökonomische Ungleichheiten beim Zugang zur Natur zu verhindern, schreibt die Studienautorin Dr. Kayleigh Wyles vom Fachbereich Umweltpsychologie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Surrey; Environment & Behavior - DOI: 10.117710013916517738312; Nov. 2017

Ein Blick auf etwas Natürliches kann das psychische Wohlbefinden verbessern

Naturpsychologie: Eine neue psychologische Studie der University of British Columbia zeigt, dass selbst kurze achtsame Augenblicke in der Natur zu einem verbesserten Wohlbefinden und genereller Zufriedenheit führen können.

Holli-Anne Passmore, Doktorandin der Psychologie, veröffentlichte kürzlich eine Studie, die den Zusammenhang zwischen dem achtsamen Anblicken von Dingen aus der natürlichen Umwelt und dem persönlichen Wohlbefinden untersuchte.

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Bild: Tama66 (pixabay)

In der zweiwöchigen Studie sollten die Teilnehmer dokumentieren, wie sich die Natur, der sie in ihrem täglichen Leben begegnen, anfühlt. Sie machten ein Foto von etwas Natürlichem, das ihre Aufmerksamkeit auf sich zog und schrieben eine kurze Notiz über ihre Gefühle als Reaktion darauf.

Andere Teilnehmer achteten auf ihre (eigenen) Reaktionen auf von Menschen gemachte Dinge, machten ein Foto und notierten ihre Gefühle, während eine dritte Gruppe keines von beiden tat.

Löwenzahn, Zimmerpflanze, ein Vogel, die Sonne

Passmore erklärt, dass natürliche Dinge in dieser Studie alles sein konnten, was nicht vom Menschen erschaffen wurde: eine Zimmerpflanze; Löwenzahn, der in einem Spalt im Gehweg wächst; Vögel oder die Sonne, die durch ein Fenster scheint.

Es ging nicht darum, Stunden im Freien zu verbringen oder lange Spaziergänge in der Natur zu unternehmen, sagte die Psychologin. Hier ging es um den Baum an einer Bushaltestelle mitten in der Stadt und den positiven Effekt, den ein Baum auf die Menschen haben kann.

Wahrnehmung emotionaler Reaktionen auf die Natur

Von den 395 Studienteilnehmern wurden mehr als 2.500 Fotos und Beschreibungen von Gefühlen ausgewertet, und die Ergebnisse legen nahe, dass die bloße Wahrnehmung emotionaler Reaktionen auf die umgebende Natur das persönliche Wohlbefinden und prosoziale Orientierung - die Bereitschaft, Ressourcen zu teilen und den Wert, den man der Gemeinschaft beimisst, beeinflusst.

Es gibt bereits wissenschaftliche Belege, dass Menschen, die im Grünen leben, im Allgemeinen zufriedener zu sein scheinen und länger leben als Stadtmenschen. Die aktuelle Studie unterstützt diese Befunde und zeigt, dass Natur Glücksgefühle und Zufriedenheit steigern kann.

Der Unterschied im Wohlbefinden der Teilnehmer - ihre Zufriedenheit, ihre Glücksgefühle und ihre Verbundenheit mit anderen Menschen, nicht nur mit der Natur - war wesentlich höher bei den Teilnehmer in der Naturgruppe als bei den Teilnehmern, die sich von Menschen erschaffene Objekte anschauen sollten - sowie denen der Kontrollgruppe.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of British Columbia; The Journal of Positive Psychology - DOI: 10.1080/17439760.2016.1221126; Nov. 2017

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